{"id":248,"date":"2020-03-24T17:03:04","date_gmt":"2020-03-24T17:03:04","guid":{"rendered":"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/?p=248"},"modified":"2024-08-05T08:10:13","modified_gmt":"2024-08-05T08:10:13","slug":"der-partisanenfriedhof-von-mostar-antifaschistisches-kunstwerk-und-unerwuenschte-ruine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/?p=248","title":{"rendered":"Der sterbende Partisanenfriedhof von Mostar: Vom antifaschistischen Kunstwerk zur verhassten Ruine"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/90554547_213994516382041_7254213828961894400_n.jpg\" alt=\"Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist 90554547_213994516382041_7254213828961894400_n.jpg\"\/><figcaption>Foto von 1965 aus: Bogdan Bogdanovic &#8211; Memoria und Utopie in Tito-Jugoslawien<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In Mostar, der Hauptstadt der Herzegowina im S\u00fcden Bosniens, liegt ein 5200 qm gro\u00dfer Partisanenfriedhof. Diese einst gro\u00dfartige Totenstadt wurde 1965 von dem aus Belgrad stammenden Freigeist, Humanisten und Architekten Bogdan Bogdanovi\u0107 errichtet. Heute vegetiert dieser Denkmalpark vor sich hin. Und immer wieder versuchen einige Bewohner ihn zu zerst\u00f6ren. Nur ein Wunder, wie das Engagement der UNESCO, k\u00f6nnte ihn retten.  <\/p>\n\n\n\n<p>Der Partisanenfriedhof ist ein Spiegelbild der politischen Wirklichkeit in dieser Gegend. Seit dem Krieg in den Neunziger Jahren ist Mostar geteilt. Die westliche Seite des Flusses Neretva ist kroatisch, die \u00f6stliche bosniakisch. Der Friedhof liegt auf kroatischem Gebiet und ist schwer zu finden. Die meisten Besucher spazieren durch die Postkartenmotive auf der niedlichen bosniakischen Seite am Fluss, durch die Altstadt mit ihren Caf\u00e9s und Souvenirl\u00e4den \u2013 und nat\u00fcrlich auf der Alten Br\u00fccke. Kaum ein Bosniake besucht die andere Seite, und kaum ein Kroate \u00fcberquert die Br\u00fccke in den bosniakischen Teil der Stadt. Was umso surrealer ist, wenn man bedenkt, wie klein Mostar ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Die kroatische Seite zeigt noch die Zerst\u00f6rung des Krieges, der gesamte Boulevard am Fluss tr\u00e4gt Spuren von Granateneinschl\u00e4gen. Zugleich ist diese Seite der Stadt mit seinen Parks, breiten Alleen und guten Restaurants absolut interessant. Hier, auf dem \u201ewei\u00dfen H\u00fcgel\u201c liegt auch der Partisanenfriedhof, der \u201ePartizansko Groblje\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_6143-1-1024x768.jpg\" alt=\"Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist IMG_6143-1-1024x768.jpg\"\/><figcaption>Hauptweg der Nekropolenanlage heute, Foto K. Koch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In Mostar gibt es keine Hinweise auf die historische und kulturelle Bedeutung der Partisanennekropole. Alle Leute, die ich frage, zucken mit den Schultern. Als ich schlie\u00dflich ein Hinweisschild finde, endet die angezeigte Stra\u00dfe in einer Mauer. Ich fahre mehrere Male um die ganze Stadt. Schlie\u00dflich kann ein junges P\u00e4rchen helfen. Wir passieren Hinterh\u00f6fe von Wohnh\u00e4usern und Erdgeschosse von Hochh\u00e4usern. Als wir die Anlage erreichen, verabschieden sich die beiden. Sie wollen mich nicht begleiten, sie haben Angst. Die Anlage ist einerseits ein Ort f\u00fcr Dealer, andererseits von kroatischen Politikern verhasst und deshalb in den Fokus von Nationalisten ger\u00fcckt. Im November 2017 attackierten hier 20 Maskierte eine internationale Studentengruppe. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_6151-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-421\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_6151-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_6151-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_6151-768x576.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_6151-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_6151-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Foto: K. Koch<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\">Die Stadt der Toten <\/h2>\n\n\n\n<p>Die Nekropole ehrt die 810 Gefallenen des kommunistischen Widerstandskampfes im Zweiten Weltkrieg gegen die kroatische Ustascha und die deutschen Besatzer. Von Mauern gesch\u00fctzt ruhen hier die Gebeine von 560 Gefallenen. Sie waren nach der Befreiung aus Massengruben geborgen worden. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Anlage ist wie eine richtige Stadt gestaltet: Durch das L\u00f6wentor gelangt man in den Vorhof. Dann f\u00fchrt ein 300 Meter langer Weg in Serpentinen hoch zum Friedhofsplateau (Theatron). Eine aufsteigende, ummauerte Gasse, von der man durch Tore einzelne andere Terrassen mit Grabplatten betreten kann. Aber die ganze Anlage ist voll mit Bierflaschen, Exkrementen und M\u00fcll. Die Wege sind so gut wie nicht erkennbar. Es liegen nur noch wenige der anf\u00e4nglich \u00fcber 600 beschrifteten Grabsteine im Gestr\u00fcpp. Die meisten wurden kaputtgeschlagen, auf den verbliebenen sind Hakenkreuze und Ustascha-Symbole gekritzelt. Man m\u00f6chte die wenigen erhaltenen am liebsten retten und in die Tasche stecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor dem Krieg in den Neunzigern war der Anstieg der Anlage von Zypressen, Pinien und B\u00e4chen ges\u00e4umt. Das Zusammenspiel von Steinen und Pflanzen, Wasser und Licht erinnerte an einen asiatischen Tempelgarten. Bogdan Bogdanovi\u0107 soll gesagt haben, man k\u00f6nne hier steinerne V\u00f6gel miteinander sprechen h\u00f6ren. Der Blick auf die Stadt ist noch immer toll.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Unknown-1-1.jpeg\" alt=\"Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Unknown-1-1.jpeg\" width=\"463\" height=\"259\"\/><figcaption>Foto Spomenik Database <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Kaum eine freie Stelle am Mauerwerk ohne nationalistische Symbole und Spr\u00fcche. Ich habe Farbe dabei und \u00fcbermale einige Hakenkreuze. Andere haben schon versucht Ustascha-Kreuze durchzustreichen. Um die fiesen Nazispr\u00fcche an den Mauern zu verdecken, br\u00e4uchte man ein ganzes Team von Sprayern. Wieso gibt\u2019s die eigentlich nicht? Dazu sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_6162-1024x768.jpg\" alt=\"Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist IMG_6162-1024x768.jpg\"\/><figcaption>Zerst\u00f6rte Grabsteine, Foto K. Koch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_6145-1024x768.jpg\" alt=\"Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist IMG_6145-1024x768.jpg\"\/><figcaption>Hauptwand der Nekropole mit Ustascha-Zeichen Foto: K. Koch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die erste Zerst\u00f6rung der Friedhofsanlage fand im Februar 1992 statt, kurz bevor der Krieg in Bosnien-Herzegowina ausbrach. Einen Tag bevor die j\u00e4hrliche Erinnerungsfeier in der Nekropole stattfinden sollte, wurden die ersten Grabsteine gesprengt. Dieser Angriff auf die Nekropole er\u00f6ffnete die Kriegshandlungen in Mostar. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein Mann stapft mit seinem Hund immer wieder durch das Gestr\u00fcpp der Labyrinth-\u00e4hnlichen Wege. Er erz\u00e4hlt, dass er in diesem Krieg hier in Mostar f\u00fcr die Kroaten gek\u00e4mpft habe. Er schaut auf die Ruine und sagt, dass die Vergangenheit doch irgendwann nicht mehr wichtig sei, das s\u00e4he man schlie\u00dflich an diesem zerst\u00f6rten Friedhof. Die Partisanen seien heute uninteressant. Irgendwann w\u00fcrde auch der letzte Krieg uninteressant. Er w\u00fcnsche sich, dass die Menschen Frieden schl\u00f6ssen und er wieder problemlos \u00fcber die Br\u00fccke auf die andere Seite gehen k\u00f6nnte. Und dass die jungen Leute die ethnischen Trennungen so respektlos behandeln w\u00fcrden wie diese Gedenkst\u00e4tte. <\/p>\n\n\n\n<p>Okay, so rettet er die Anlage zwar nicht, aber seine Ansicht ist nicht \u00fcbel. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\"><strong>Bogdanovi\u0107s Mini-Mostar<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Jedes Mal, wenn er einen Gedenkkomplex plante, entschied sich Bogdan Bogdanovi\u0107 f\u00fcr eins der vier Elemente. Weil Mostar aus dem Stein der Herzegowina erbaut ist, w\u00e4hlte er die Erde als Thema f\u00fcr die Nekropole. Bogdanovi\u0107 wollte eine Stadt der Toten bauen, die die Stadt der Lebenden wiederspiegelt und erdachte ein Mini-Mostar. Er benutzte die gleichen Steine, baute die gleichen Gassen, die gleichen Tore. Der Friedhof in Mostar ist vielleicht sein ehrgeizigstes Werk. 12.000 bearbeitete Kalksteinelemente wurden f\u00fcr die Oberfl\u00e4chen verwendet. F\u00fcr die Verkleidungen der Mauern bat Bogdanovi\u0107 die Angeh\u00f6rigen der Gefallenen, alte Schiefer-Dachplatten ihrer H\u00e4user beizusteuern. Ganz nach dem Geschmack des schlauen Architekten: Die Stadt nutzte Reste ihrer Vergangenheit f\u00fcr ein Werk der Zukunft.\u00a0 <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_6157-1-768x1024.jpg\" alt=\"Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist IMG_6157-1-768x1024.jpg\"\/><figcaption>Kosmologischer Kreis und Brunnen, Foto: K. Koch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Mauer auf der obersten Plattform&nbsp;ziert das zentrale Element: ein kosmologischer Kreis. Davor ein orientalischer Brunnen, aus dem schmale Kan\u00e4le f\u00fchren, die im Vorhof in eine Wasserkaskade m\u00fcnden. Damals floss hier Wasser, als Gleichnis zum Fluss Neretva, der durch Mostar flie\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\">Probleme mit der Erinnerungskultur <\/h2>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_6150-1024x768.jpg\" alt=\"Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist IMG_6150-1024x768.jpg\"\/><figcaption>Durchgestrichene Ustascha-Symbole, Foto: K. Koch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_6169-Kopie-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-420\" width=\"584\" height=\"438\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_6169-Kopie-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_6169-Kopie-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_6169-Kopie-768x576.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_6169-Kopie-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_6169-Kopie-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><figcaption>Foto: K. Koch<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Auch bei diesem Spomenik ist die Ver\u00e4nderung der Erinnerungskultur. ein Problem. Die junge Generation der kroatischen Bev\u00f6lkerung hat entweder gar keine Verbindung zu Mostar vor dem Krieg \u2013 oder sie verbindet mit solchen Denkm\u00e4lern den heute verhassten Kommunismus. Die kroatisch kontrollierte Seite der Stadt hat in den Neunziger Jahren alle Stra\u00dfen- und Parknamen ver\u00e4ndert. Sie tragen nicht mehr die Namen von ber\u00fchmten sozialistischen und antifaschistischen K\u00e4mpfern, sondern von kroatischen K\u00f6nigen aus dem Mittelalter oder sogar von Ustascha-Ideologen. <\/p>\n\n\n\n<p>Was interessiert die kroatischen Politiker also ein Denkmal, das die Antifaschisten ehrt und von einem serbischen Architekten gebaut wurde, der alle Menschen inklusive Muslime mochte?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_6141-1024x768.jpg\" alt=\"Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist IMG_6141-1024x768.jpg\"\/><figcaption>Haupttor zum Partisanenfriedhof, Foto K. Koch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Vorstand des kroatischen Verbandes der Antifaschisten, Sead Djuli\u0107, beschuldigt das Kultusministerium der Verwahrlosung des Partisanenfriedhofs. Dort interessiere man sich nicht f\u00fcr antifaschistische Werke. Antifaschisten w\u00fcrden nur als Kommunisten gesehen und ethnische Einheit sei heute ein Schimpfwort. Der Partisanenfriedhof sei f\u00fcr sie ein St\u00f6rfaktor, erkl\u00e4rt Djuli\u0107, weil er der Friedhof der siegreichen Armee war. Die Politik in Mostar stehe jedoch auf der Seite der Verlierer, die die Ustascha und ihren F\u00fchrer Ante Paveli\u0107 verehrten. Am liebsten w\u00fcrden sie die Anlage abrei\u00dfen, sagt er. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\">Versuche das Denkmal zu rehabilitieren<\/h2>\n\n\n\n<p>Seit Ende des Bosnienkrieges hat es einige Versuche gegeben, die Partisanennekropole zu retten. 2006 wurde die Anlage von der bosnischen Regierung zum Nationaldenkmal deklariert. Im Oktober 2013 lagen zwei T\u00fccher auf dem Partisanenfriedhof, auf denen ein Zitat von Bogdan Bogdanovi\u0107 geschrieben war:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>Wir tragen diese unsterbliche Stadt in uns \/ Ich habe Angst vor einer Stadt ohne Erinnerung, so wie ich mich vor Menschen \u00e4ngstige, die kein Unterbewusstsein haben. Polis\/Metropolis\/Megapolis\/Necropolis. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 2008 stifteten Holland und Norwegen 20.000 Euro. Gleichzeitig hielt der Vandalismus an, so dass nichts davon fruchtete. Die Zerst\u00f6rungswut der Masse scheint gr\u00f6\u00dfer als die zarten Bem\u00fchungen einzelner. <\/p>\n\n\n\n<p>Einige Jahre sp\u00e4ter besuche ich die Nekropole noch einmal, es ist Abend. Eine Gruppe Studenten ist damit besch\u00e4ftigt, Scheinwerfer aufzubauen, um die Anlage anzustrahlen. Einige sammeln M\u00fcll auf. Vorbereitungen f\u00fcr den Europatag am 10. Mai 2018, erkl\u00e4ren sie. Sie erz\u00e4hlen auch, dass die Anlage einem Verein von Kriegsveteranen der Stadt geh\u00f6re, die sich nicht interessierten und das Geld, das sie f\u00fcr die Instandsetzung von privaten Spendern bek\u00e4men, f\u00fcr sich behielten. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_6166-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-419\" width=\"580\" height=\"435\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_6166-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_6166-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_6166-768x576.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_6166-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_6166-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><figcaption>Foto: K. Koch<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Seit einigen Jahren finden immerhin wieder kleine Erinnerungsfeiern statt. Seitdem soll es dort einen Sicherheitsdienst geben, der Tag und Nacht bewacht, allerdings habe ich bei meinem letzten Besuch niemanden gesehen. <\/p>\n\n\n\n<p>Bogdan Bogdanovi\u0107 besuchte seinen Partisanenfriedhof im Jahr 2000 ein letztes Mal. Ihn, der St\u00e4dte f\u00fcr ein einzigartiges Erinnerungsdepot hielt, schmerzte die Zerst\u00f6rung seiner liebsten St\u00e4dte &#8211; Mostar, Vukovar und Sarajevo &#8211; sehr. Er sagte bei seinem Besuch der sterbenden Nekropole, er habe sich eigentlich gew\u00fcnscht, dass die Urne mit seiner Asche in einer der Nischen am Eingang der Nekropole versteckt w\u00fcrde; aber er w\u00fcrde wohl nicht mehr in der Gesellschaft von Freunden sein, weil deren Grabsteine von Sadisten zermalmt worden seien.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/e73a14_e1dcaec00e7a4246a751ff473f4b8d7dmv2.jpg\" alt=\"Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist e73a14_e1dcaec00e7a4246a751ff473f4b8d7dmv2.jpg\"\/><figcaption>2000, Bogdan Bogdanovic besucht die Nekropole, Foto Spomenik Database<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des Bosnienkrieges hatte Bogdanovi\u0107 in seinem Essay \u201eDie Stadt und der Tod\u201c geschrieben: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong><em>\u201eWas bedeutet es in Wirklichkeit eine Stadt zu morden? Es bedeutet die Erinnerung in alle sieben Winde zu zerblasen, ihr zu zeigen und zu beweisen, nicht nur, dass es sie nicht gibt, sondern dass es sie nie gegeben hat.\u201c<\/em><\/strong><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Mostar, der Hauptstadt der Herzegowina im S\u00fcden Bosniens, liegt ein 5200 qm gro\u00dfer Partisanenfriedhof. Diese einst gro\u00dfartige Totenstadt wurde 1965 von dem aus Belgrad stammenden Freigeist, Humanisten und Architekten Bogdan Bogdanovi\u0107 errichtet. Heute vegetiert dieser Denkmalpark vor sich hin. Und immer wieder versuchen einige Bewohner ihn zu zerst\u00f6ren. 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