{"id":263,"date":"2020-06-11T18:14:00","date_gmt":"2020-06-11T18:14:00","guid":{"rendered":"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/?p=263"},"modified":"2024-08-05T08:10:13","modified_gmt":"2024-08-05T08:10:13","slug":"der-angesagte-spomenik-im-nationalpark-kozara","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/?p=263","title":{"rendered":"Der Turm von Kozara"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5582-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-264\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5582-768x1024.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5582-225x300.jpg 225w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5582-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5582-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5582-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption>Das Denkmal f\u00fcr die Revolution in Kozara, Bosnien-Herzegowina, 1972 erbaut von Du\u0161an D\u017eamonja. Foto K. Koch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dieser topgepflegte Turmbau steht im Nationalpark Kozara auf dem Gipfel des gleichnamigen Berges. Es ist sp\u00e4t abends, als wir Kozarac, den Ort am Fu\u00dfe des Berges, erreichen. Volle Restaurants, laute Musik, Kirmesstimmung. Wir tuckern den auf der Stra\u00dfe spazierenden P\u00e4rchen hinterher. Bei einem Stop im Kiosk erkl\u00e4rt jemand, zum Denkmal sollen wir da vorn abbiegen, und dann rauf, und macht dabei Serpentinen-Bewegungen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Menschen hier im Nordwesten von Bosnien-Herzegowina haben auch in der j\u00fcngsten Geschichte viel mitgemacht. Kozara geh\u00f6rt zur Gemeinde Prijedor. Mit Prijedor verbindet man heute vor allem traurigerweise die ethnischen S\u00e4uberungen von 1992. Aus dem Gefangenenlager in Prijedor erreichte die Welt damals das Coverfoto auf dem Time Magazine eines d\u00fcrren Gefangenen hinter Stacheldraht, das uns an den Holocaust erinnerte. Von da an, behaupte ich, hat man erst kapiert, was da mitten in Europa passierte.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund der politischen Entwicklungen nach dem Krieg muss zun\u00e4chst ein babylonisches Ethniengewirr gekl\u00e4rt werden: Kozara geh\u00f6rt seit dem Krieg dem serbischen Teil von Bosnien-Herzegowina an. Zugleich ist es eine muslimische Enklave (sp\u00e4ter mehr dazu). Das Denkmal f\u00fcr die Revolution oben auf dem Berg ist also irgendwie bosniakisch und serbisch zugleich. Aber nicht aufgrund der ethnischen Gleichheit, die es als kommunistisches Symbol unter anderem einmal verk\u00f6rpern sollte, sondern als Folge des Faschismus. <\/p>\n\n\n\n<p>Als wir die Partymeile von Kozarac verlassen, ist da nur noch Dunkelheit. Den Wald k\u00f6nnen wir nur riechen. Ein paar Mal \u00fcberfahren wir etwas Hartes, Gro\u00dfes. Hoffentlich Steine. Hoffentlich h\u00e4lt das Auto. F\u00fcr die 18 Kilometer brauchen wir ewig. Wir folgen handgeschnitzten Wegweisern zu einem Hotel, die wir mit dem Handy anleuchten. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Monument Hotel ist ein gro\u00dfes Chalet-Hotel aus Jugo-Zeiten mit wortkargen Angestellten und riesigen Zimmern mit Sideboards, in denen man Baumst\u00e4mme verstauen k\u00f6nnte. Unsere Schritte hallen auf dem grauen Marmor. Wir inspizieren das Geb\u00e4ude und finden ein Fernsehzimmer. Die Hotelg\u00e4ste schauen gemeinsam einen Film mit Tom Cruise. Das erinnert an Urlaub in der Kindheit. Der Kellner bringt Schnaps und Kaffee. Auf den Zuckert\u00fctchen ist das Denkmal abgebildet. Dass unser Spomenik hier auf dem Zucker gefeiert wird, finden wir gut.  <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Unknown-1.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-478\" width=\"382\" height=\"268\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Am Morgen will ich die erste oben am Denkmal sein. Eine Ecke kann ich schon vom Balkon aus sehen. Um sechs Uhr jogge ich aus dem Hotel. Die Luft ist wahnsinnig gut. Auf dem Parkplatz sind allerdings schon einige durchtrainierte Typen mit Situps besch\u00e4ftigt. Teenies in Trikots eines Sportclubs sprinten an mir vorbei. Unz\u00e4hlige Wanderwege sind ausgeschildert, der Nationalpark Kozara &#8211; 1976 von Tito gegr\u00fcndet &#8211; ist bekannt f\u00fcr seine Wasserf\u00e4lle, Ethnod\u00f6rfer und das gute Essen. Bunte Rucks\u00e4cke flackern durch die B\u00e4ume. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5570-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-273\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5570-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5570-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5570-768x576.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5570-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5570-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Auf dem Berg Kozara, Foto K. Koch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dann dieser surreale S\u00e4ulenbau mitten in diesem Urlaubs-und Sport-Areal: Er sieht aus, als wollte es die Bergpitze noch weiter in den Himmel ziehen. Die Zedern feuern es an. Der Turm ist 33 Meter hoch und aus Stahlbeton. Das typische Spomenik-Feeling: Er wirkt erhaben und niedlich zugleich. W\u00e4hrend des Kriegs in den Neunziger Jahren hat das Monument kaum Schaden davon getragen, da es so abgeschieden liegt. <\/p>\n\n\n\n<p>Hinter dem Turm befindet sich ein Gang mit einer Gedenkwand, die mit Bronzetafeln best\u00fcckt ist. Darauf stehen 9.921 Namen von gefallenen Partisanen. Frische Blumenstr\u00e4u\u00dfe liegen unter den Tafeln. In Kozara wird der Gedenktag am 3. Juli noch in voller Montur abgehalten. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5583-1-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-268\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5583-1-768x1024.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5583-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5583-1-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5583-1-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5583-1-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption>Foto K.Koch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5589-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-275\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5589-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5589-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5589-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5589-1-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5589-1-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Gedenkwand, Foto K.Koch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Denkmal f\u00fcr die Revolution von Kozara wurde 1972 im Andenken an die Menschen aus der Gegend errichtet, die w\u00e4hrend der Operation \u201cWest-Bosnien\u201d in die Konzentrationslager der Nazis deportiert wurden. Bei dieser Offensive vom 10. Juni 1942 bis zum 4. Juli 1942 k\u00e4mpften 4000 serbische Partisanen gegen 40.000 Deutsche, kroatische Ustascha und Domobran. Am Ende starben 34.000 Menschen bei Kozara, 70.000 weitere wurden im Lager von Jasenovac get\u00f6tet. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Schlacht von Kozara ist neben der von Sutjeska eine der gr\u00f6\u00dften Legenden Jugoslawiens. 1962 erschien der Film \u201eKozara\u201c von Veljko Bulaji\u0107. Er wurde 1963 bei den Academy Awards als bester ausl\u00e4ndischer Film eingereicht, bekam aber keinen Preis.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"750\" height=\"1000\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/90878711_504938860174337_3683856040337604608_n.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-271\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/90878711_504938860174337_3683856040337604608_n.jpg 750w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/90878711_504938860174337_3683856040337604608_n-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><figcaption>Film &#8222;Kozara&#8220;, Foto K. Koch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\"><strong>Du\u0161an D\u017eamonja<\/strong> <strong>und Goran Bregovi\u0107 <\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der mazedonische Bildhauer Du\u0161an D\u017eamonja hat diese Gedenkst\u00e4tte 1972 entworfen. Wie auch der Architekt Bogdan Bogdanovi\u0107 war D\u017eamonja ein Freigeist, der Streitereien \u00fcber Erinnerungen vermeiden wollte. Ihm lag es fern, Kriegspathos oder die Dominanz einer Konfession, Ethnie oder Nationalit\u00e4t abzubilden. Es ging ihm bei seinen Werken um die reine Skulptur und wie sie sich in die Umgebung f\u00fcgt.. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/71054555_1118330778365366_2136891665942577152_o-1024x483.jpg\" alt=\"Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist 71054555_1118330778365366_2136891665942577152_o-1024x483.jpg\"\/><figcaption>rechts: Bijelo Dugme als Helfer des Denkmalbaus in den Siebzigern, Foto: Spomenikdatabase.org<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Goran Bregovi\u0107, Chef der vielleicht bekanntesten Band Ex-Jugoslawiens, Bijelo Dugme, wollte sich damals unbedingt irgendwie in den Bauprozess einbringen, weil der Spomenik von Kozara westliche Werte repr\u00e4sentierte. So schloss sich die Band im Juni 1976 der Jugendarbeitskampagne Kozara an und half beim Bau des Denkmalkomplexes. Die Konstruktion soll komplett von freiwilligen jugendlichen Helfern erledigt worden sein. 2017 fand im Kozara Nationalpark das erste Rockfestival &#8222;Kozara im Herzen&#8220; statt, mit Bijelo Dugme als Headliner. <\/p>\n\n\n\n<p>Du\u0161an D\u017eamonja hat neben dem S\u00e4ulenbau auch das Museum <em>Mrakovica<\/em> entworfen, das sich s\u00fcdlich des Gipfels befindet. Man kann Informationen zur Kozara-Offensive finden und Anstecknadeln und Postkarten bei einem Mann kaufen, der in seiner vollbehangenen Uniform aussieht, als w\u00fcrde er gleich den Orden des Volkshelden im Empfang nehmen. In dem Museum befindet sich zudem ein skulpturales Relief, ebenfalls von D\u017eamonja aus dem Jahre 1973. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5639-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-269\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5639-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5639-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5639-768x576.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5639-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5639-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Mrakovica-Museum am Denkmal, Foto K. Koch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5640-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-274\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5640-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5640-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5640-768x576.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5640-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/IMG_5640-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Relief von Du\u0161an D\u017eamonja im Museum, Foto K.Koch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\">Die Enklave Kozarac und<strong> <\/strong>die schwierige Erinnerungskultur<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Ort Kozarac, unten im Tal, hat seit dem Bosnienkrieg eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Entwicklung durchlaufen. Vor dem Krieg lebten hier 8000 Bewohner. Dann wurden Muslime, Kroaten und andere Nicht-Serben durch die ethnische S\u00e4uberungspolitik der serbischen Nationalisten vertrieben. Am Kriegsende war die gesamte nicht-serbische Bev\u00f6lkerung weg. 3000 Menschen ermordet und weitere Tausende in den Lagern.   <\/p>\n\n\n\n<p>Damit blo\u00df keiner zur\u00fcckkam, lie\u00df die bosnisch-serbische Armee keinen Stein mehr auf dem anderen. Nach Kriegsende wollten viele der Vertriebenen dennoch heimkehren nach Kozara. Obwohl sie wussten, wie viel Hass sie erwarten w\u00fcrde. Also taten sich ehemalige bosnische Soldaten zusammen, die als Fl\u00fcchtlinge \u00fcber ganz Europa verteilt waren, um die R\u00fcckkehr zu organisieren. Dabei wurden sie von bosnischen Frauenorganisationen unterst\u00fctzt, die die R\u00fcckkehrer psychologisch begleiteten. Als eine solche Organisation 1996 die ersten gefl\u00fcchteten Ex-Bewohner f\u00fcr einen Tagesbesuch nach Kozarac brachte, wurden sie von den neuen Einwohnern angefeindet. <\/p>\n\n\n\n<p>Doch die R\u00fcckkehrer blieben beharrlich. Als 1998 internationale Hilfsorganisationen mit dem Wiederaufbau des Ortes begannen, lie\u00dfen sich einige Ex-Bewohner einfach nieder. Indem sie sich mit der Diaspora zusammenschlossen, gr\u00fcndeten sie eine Online-Community. Verlorene Freunde und Verwandte kamen wieder in Kontakt und die Community konnte Kampagnen starten, die die R\u00fcckkehrer materiell unterst\u00fctzten. Ab 2000 wurde Kozarac ein Zentrum f\u00fcr alle, die in die Region zur\u00fcckkehren wollten. Und die Bev\u00f6lkerung von Kozarac ist heute fast ausschlie\u00dflich muslimisch. <\/p>\n\n\n\n<p>Die R\u00fcckkehrer-Community sorgte daf\u00fcr, dass ein Denkmal mit 1200 Namen der Einwohner aufgestellt wurde, die w\u00e4hrend des Bosnien-Krieges umgebracht wurden. Auf dem muslimischen Friedhof von Kozarac sind etwa 600 der zivilen Kriegsopfer begraben. \u00dcber 1000 Menschen aus der Stadt und den umliegenden D\u00f6rfern werden noch vermisst. So ist das in vielen Orten in Bosnien-Herzegowina. Es geht aber noch schlimmer: In allen anderen Orten der Serbischen Republik wie zum Beispiel auch in Prijedor &#8211; heute ein serbischer Ort mit einigen muslimischen Einwohnern &#8211; sind jegliche Andenken an die nicht-serbischen Opfer verboten. <\/p>\n\n\n\n<p>Sie haben viel erreicht in Kozarac. Auch wenn diese muslimische Insel in der Region nicht gern gesehen ist. Wahrscheinlich haben die Bewohner deshalb direkt elf Moscheen gebaut. Als Schutzwall. Schnell die Existenz festzementieren, an die man nach allem Geschehenen vielleicht selbst nicht ganz glauben kann. Zwei orthodoxe und eine katholische Kirchen gibt es allerdings auch. <\/p>\n\n\n\n<p>Bei so vielen Spannungen in dieser Gegend ist es eigentlich ein Wunder, dass der Nationalpark Kozara ein Ort der Ruhe und Sch\u00f6nheit geblieben ist. Dass die Erinnerungskultur rund ums Partisanendenkmal funktioniert. Du\u0161an D\u017eamonja, der 2009 verstorben ist, w\u00e4re zumindest hier oben einigerma\u00dfen zufrieden. Inspiriert von seiner Bildhauerkunst verlassen wir Bosnien-Herzegowina, um ein weiteres seiner Werke im kroatischen Podgari\u0107 zu besuchen. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser topgepflegte Turmbau steht im Nationalpark Kozara auf dem Gipfel des gleichnamigen Berges. Es ist sp\u00e4t abends, als wir Kozarac, den Ort am Fu\u00dfe des Berges, erreichen. Volle Restaurants, laute Musik, Kirmesstimmung. Wir tuckern den auf der Stra\u00dfe spazierenden P\u00e4rchen hinterher. 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