{"id":30,"date":"2019-08-13T14:06:57","date_gmt":"2019-08-13T14:06:57","guid":{"rendered":"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/?p=30"},"modified":"2024-08-05T08:10:14","modified_gmt":"2024-08-05T08:10:14","slug":"thema-03","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/?p=30","title":{"rendered":"Spomeniks &#8211; kurz erkl\u00e4rt"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8222;Spomenik&#8220; ist bosnisch-kroatisch-serbisch und bedeutet &#8222;Denkmal&#8220;.  Spomenici partizanski, Partisanendenkm\u00e4ler, findet man &#8211; oft etwas versteckt &#8211; auf dem gesamten Balkan. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_5570-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-80\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_5570-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_5570-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_5570-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Denkmal der Revolution in Kozara, Bosanska Krajina, Bosnien-Herzegowina. Erbaut von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Du%C5%A1an_D%C5%BEamonja\">Du\u0161an D\u017eamonja<\/a>, 1972. Foto: Kristina Koch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Diese Denkm\u00e4ler wurden zwischen 1950 und 1990 in der Sozialistischen Republik Jugoslawien unter Tito errichtet. Das Sympathische: Sie weisen keinen Personenkult auf. Keine nationalistischen, kriegerischen Abbildungen wie Schlachtszenen, Tote oder Kriegsverletzte, keine Flaggen. Hier und da ein Partisanenstern, und der auch nur auf den Denkm\u00e4lern, die von Privatpersonen berichtet wurden. Darin unterscheiden sich diese Erinnerungen aus der Partisanenzeit auf dem Balkan von vielen anderen Denkm\u00e4lern. Und deshalb wirken sie so zeitlos &#8211;  und k\u00f6nnen als reine Skulptur betrachtet werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Bei den gro\u00dfen Monumenten hat Tito den Auftrag vergeben. Wenn der jugoslawische Pr\u00e4sident ein Denkmal bestellte, das Stolz und Pathos ausstrahlen sollte, haben weltoffene, listige Architekten wie z.B. Bogdan Bogdanovic sich Tito widersetzt, ohne dass er es gemerkt h\u00e4tte, denn der hatte nicht viel Ahnung von Kunst. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Denkm\u00e4ler sollen zun\u00e4chst an die Menschen erinnern, die w\u00e4hrend des Nationalen Befreiungskrieges (1941-1945) im Widerstandskampf gegen die Faschisten gestorben sind. Sie sollen auch die Verbrechen der Besatzer unvergesslich machen. Au\u00dferdem feiern sie die \u201eRevolution\u201c, den Sieg von Titos Partisanenrebellen \u00fcber die Faschisten. Sie werden auch <em>spomenici partizanski<\/em> oder <em>spomenici revoluciji<\/em> genannt. <\/p>\n\n\n\n<p>Viele dieser Skulpturen ragen in den Himmel, haben Fl\u00fcgel-artige Elemente oder Formen, von denen man in den 1960er Jahren dachte, dass sie futuristisch w\u00e4ren. Message: \u017divela revolucija! Die Revolution muss weiterleben. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_5765-1024x768.jpg\" alt=\"Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist IMG_5765-1024x768.jpg\"\/><figcaption>Podgari\u0107, Koratien, 1967. Foto: Kristina Koch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Andere Spomeniks erinnern an Pflanzen oder archaische Symbole. Alle sind massive Gebilde aus Stahl, Beton oder Granit. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Partisanendenkm\u00e4ler sind meistens an historisch relevanten oder an versteckten Orten zu finden. Nur wenige sind in das gegenw\u00e4rtige Leben integriert worden und dienen beispielsweise als Konzertb\u00fchne oder Spielplatz. Der Besucher muss sich manchmal abm\u00fchen, um zu ihnen zu gelangen. Sie stehen auf Gipfeln, in W\u00e4ldern versteckt, am Ende eines Schotterweges. An ehemals wichtigen strategischen oder symbolischen Orten, die heute nichts mehr bedeuten. Sie passen meist \u00fcberhaupt nicht in die Landschaft. So wirken sie auf eine r\u00fchrende Art fehl am Platze und aus dem Kontext gerissen. Mal lustig und niedlich, mal erhaben. Bei den gr\u00f6\u00dferen Spomeniks wurden ganze Komplexe um eine Skulptur gebaut. Naherholungsgebiete mit Seen, Hotels, Sportst\u00e4tten. Jedes Jahr unternahmen Sch\u00fcler im ehemaligen Jugoslawien Ausfl\u00fcge zu ihrem n\u00e4chstgelegenen Spomenik. Zu den Jahrestagen reisten gro\u00dfe Gruppen an, legten Blumen nieder, hielten Reden, tranken Schnaps, liefen Marathons oder schwammen um die Wette. Die kleineren Denkmalkomplexe entstammen oft Initiativen von Gemeinden, die viele Bewohner verloren haben oder die besonders stolz auf ihre aufst\u00e4ndischen Mitb\u00fcrger waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Manche Monumente sind schlichtweg nicht mehr zu finden, weil es keine Karten gibt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/IMG_1771-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-103\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/IMG_1771-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/IMG_1771-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/IMG_1771-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Foto: Kristina Koch <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\">Anachronisismus der Spomeniks<\/h2>\n\n\n\n<p>Obwohl das internationale Interesse in den letzten Jahren durch einige Bildb\u00e4nde (z.B. von Jan Kampenaers) und eine Ausstellung in der MET gewachsen ist, spielen die meisten Spomeniks heute keine Rolle mehr in der Erinnerungskultur der ex-jugoslawischen L\u00e4nder. Deshalb sind viele Denkmalkomplexe verwahrlost. Einige Skulpturen drohen einzust\u00fcrzen, andere sind schon komplett zerst\u00f6rt worden. <\/p>\n\n\n\n<p>So symbolisieren die Partisanendenkm\u00e4ler den j\u00fcngsten Konflikt und das aktuelle Dilemma der Region. In einer von Nationalismus gepr\u00e4gten Gegend stehen sie da herum und erinnern an die gute Idee des Kommunismus. An ethnische Einheit, Kollektivismus, Sozialismus, Vers\u00f6hnung, Inklusion &#8211; all die angestrebten Werte aus Titos Jugoslawien. <\/p>\n\n\n\n<p>Jugoslawien zerfiel innerhalb recht kurzer Zeit. Gerade deuteten die Spomeniks noch in eine Zukunft, wie Tito sie sich ausgedacht hatte, schon war diese Zukunft bedeutungslos geworden und durch neue extreme Ideologien ersetzt. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas haben wir mit dem Partisanenkrieg zu tun, wir stecken ja noch mitten im letzten Krieg\u201c, erkl\u00e4rt mir ein Mann in Petrova Gora beim Denkmal f\u00fcr den Aufstand der Menschen in Kordun und Banija. Erinnerungskultur interruptus. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Ende Jugoslawiens waren antifaschistische Symbole von Br\u00fcderlichkeit und Einheit wie zum Beispiel die Spomeniks nat\u00fcrlich Feindbilder. Jetzt ging es um nationalistische, religi\u00f6se und anti-kommunistische Ideologien. Dann formierten sich die neuen L\u00e4nder, damit auch neue Identit\u00e4ten, neue Ideen \u00fcber die jeweilige Zukunft &#8211; und auch neue Auslegungen der Geschichte. Seitdem geht es um nationalen Stolz, ethnischen Stolz, religi\u00f6sen Stolz und Kapitalismus. Das alte System sollte vergessen werden, also haben sich Regierungen und politische Gruppierungen drangemacht, einige Spomeniks zu zerst\u00f6ren. Gruften vernichtet, Skulpturen zerbombt. Sie richteten einige Partisanendenkm\u00e4ler so \u00fcbel zu, als ob sie die Erinnerung einer ganzen \u00c4ra aus dem Bewusstsein der Leute pr\u00fcgeln wollten. An manchen Orten errichteten sie neue Denkm\u00e4ler auf den Ruinen der alten. Die Namen der alten Gefallenen wurden \u00fcberklebt mit Namen der neuen Gefallenen. Die neuen Probleme haben die alten \u00fcberdeckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nWut auf das kommunistische Regime und damit auf die Partisanendenkm\u00e4ler\nentz\u00fcndete sich allerdings schon durch die Enth\u00fcllungen in den Achtziger\nJahren: Die Massenmorde wurden bekannt, die w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges und\ndanach ver\u00fcbt wurden. Das geheime Gef\u00e4ngnis auf der Adriainsel Goli Otok kam\n1980 an die \u00d6ffentlichkeit: 1949 hatte die KPJ das Gef\u00e4ngnis errichtet, 400 von\nden 16.000 inhaftierten Menschen starben dort (\u00fcbrigens auch kein offizieller\nGedenkort). <\/p>\n\n\n\n<p>Viele Spomeniks stehen heute einfach\nda und symbolisieren etwas Verkorkstes. Weil man nichts mit ihnen anzufangen\nwei\u00df, vergisst man sie oder man benutzt sie. Man klaut Material oder\nrandaliert, wie man an vergessenen Orten eben so randaliert. Es\ngibt zum Gl\u00fcck einige Denkmalkomplexe, die als offizielle Orte der Erinnerung\nvon Initiativen oder vom Staat gepflegt werden. Viele andere jedoch verwahrlosen\nund werden in naher Zukunft einfach verschwinden und vergessen sein. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Wiederaufbau w\u00e4re ein aktives politisches Bekenntnis. Ohnehin gibt keine F\u00f6rdermittel.  Jetzt w\u00e4re die Zivilgesellschaft gefragt. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_4644-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-79\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_4644-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_4644-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_4644-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr die KZ,-Opfer Jasenovac, Kroatien, 1966 erbaut von Bogdan Bogdanovic. Foto: Kristina Koch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSCN0133_20110823_144631_-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-77\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSCN0133_20110823_144631_-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSCN0133_20110823_144631_-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSCN0133_20110823_144631_-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Denkmal an die Schlacht an der Sutjeska, Tjentiste, Bosnien-Herzegowina. Errichtet von Miodrag Zivkovic. Foto: Kristina Koch<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Spomenik&#8220; ist bosnisch-kroatisch-serbisch und bedeutet &#8222;Denkmal&#8220;. 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