{"id":496,"date":"2020-07-07T11:53:05","date_gmt":"2020-07-07T11:53:05","guid":{"rendered":"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/?p=496"},"modified":"2024-08-05T08:10:13","modified_gmt":"2024-08-05T08:10:13","slug":"srebrenica-revisited-zum-25-jahrestag-des-genozids","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/?p=496","title":{"rendered":"Srebrenica Revisited &#8211; zum 25. Jahrestag des V\u00f6lkermords"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1920\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4987-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-508\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4987-scaled.jpg 2560w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4987-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4987-768x576.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4987-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4987-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Srebrenica ist zum Inbegriff f\u00fcr das kollektive Versagen der internationalen Gemeinschaft geworden. Denn das Morden in der bosnischen Stadt fand 1995 vor den Augen der Vereinten Nationen und der Welt\u00f6ffentlichkeit statt. <\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt, am 11. Juli 2020 j\u00e4hrt sich der planm\u00e4\u00dfige Mord an Tausenden Bosniaken zum 25. Mal. <\/p>\n\n\n\n<p>2015 verbrachte ich eine Woche in Srebrenica und nahm an der Gedenkfeier zum 20. Jahrestag des V\u00f6lkermords teil. Diesen Artikel habe ich damals dar\u00fcber ver\u00f6ffentlicht. Am Schluss der Geschichte habe ich nun einige Updates hinzugef\u00fcgt. Seit 2015 hat sich vieles zum Schlechten und einiges zum Guten ver\u00e4ndert. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\">Srebrenica 2015<\/h2>\n\n\n\n<p>Es ist still. Nur wenige Menschen kreuzen an diesem Nachmittag des 6. Juli 2015 die Stra\u00dfen von Srebrenica. Die beiden Moscheen in der N\u00e4he der orthodoxen Kirche sind neu. Ein paar Poster mit Putins Bild h\u00e4ngen an den Fassaden. Auf einer Insel in der Ortsmitte sitzt ein undefinierbarer, heruntergekommener Betonkomplex. Ein paar M\u00e4nner lehnen an einem Kiosk. Meine Suche nach einer B\u00e4ckerei endet erfolglos. In einem Laden probiert eine Frau Kleider von deutschen Firmen mit Fehlern an. Sonst passiert nicht viel. Nicht mal die in Bosnien ber\u00fchmten streunenden Hunde sind gerade unterwegs. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Atmosph\u00e4re erscheint mir stickig und starr. Das ist so ein Gef\u00fchl, das ich in vielen Orten im serbischen Teil von Bosnien-Herzegowina habe, wo seit dem Bosnienkrieg kyrillisch statt lateinisch geschrieben wird. Zwanzig Jahre ist keine lange Zeit. So schnell k\u00f6nnen sich Gemeinden, die aus der Vertreibung der Bewohner entstanden sind, nicht nat\u00fcrlich anf\u00fchlen. <\/p>\n\n\n\n<p>An der T\u00fcr einer\nMusikschule, die von einem \u00f6sterreichischen Projekt gesponsert wird, sind bunte\nNoten und lustige Spr\u00fcche gemalt. Der unbeschwerte Ansatz kommt nicht r\u00fcber. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1920\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4821-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-510\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4821-scaled.jpg 2560w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4821-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4821-768x576.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4821-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4821-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><figcaption>Srebrenica, Foto: Kristina Koch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Aber kann ich meinen ersten\nEindr\u00fccken \u00fcberhaupt trauen? Srebrenica ist l\u00e4ngst ein abstrakter Begriff geworden,\nein Synonym f\u00fcr etwas Schreckliches. Dass man nicht so genau wei\u00df, wie <em>Srebrenica<\/em> ausgesprochen wird, macht es\nnicht besser. \u00dcberall kl\u00e4fft es: Schlimmster V\u00f6lkermord in Europa seit dem\nZweiten Weltkrieg. Es bleibt also abstrakt. Was kann man sich schon darunter\nvorstellen? Ein Ort des Grauens, mehr ist nicht drin. Oder vielleicht doch?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1920\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5075-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-509\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5075-scaled.jpg 2560w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5075-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5075-768x576.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5075-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5075-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><figcaption>Gedenkfeier in Poto\u010dari bei Srebrenica 2015, Foto: Kristina Koch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Am Samstag, dem 11. Juli\n2015, findet in der Gedenkst\u00e4tte von Poto\u010dari, sechs Kilometer\nn\u00f6rdlich von Srebrenica, zum zwanzigsten Mal die Trauerfeier f\u00fcr die Opfer der\nMassent\u00f6tungen von 1995 statt. Die bosnisch-serbische Armee unter dem Kommando\nvon General Ratko Mladi\u0107\nermordete damals 8000 muslimische M\u00e4nner und Jungen innerhalb weniger Tage\nsystematisch. Tausende andere flohen in die W\u00e4lder, viele starben aus\nErsch\u00f6pfung, durch Minen oder durch die serbische Armee. <\/p>\n\n\n\n<p>30.000 Besucher werden in der kleinen Gemeinde erwartet. Es wird Staus geben, Zelte, Filmteams. Zahllose kleine wei\u00dfe Blumen, das Symbol des Srebrenica-Massakers, werden an den Revers flattern. Politiker werden Reden halten und Journalisten ihre Artikel schreiben. Andere wollen schlichtweg Respekt zollen und vielleicht auch ein bisschen mehr verstehen, wie so etwas im 20. Jahrhundert mitten in Europa passieren konnte. Auch Holl\u00e4nder werden da sein. Dazu sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>In all dem Trubel\ntrauern die Menschen aus Srebrenica zum zwanzigsten Mal um ihre toten\nAngeh\u00f6rigen und Freunde. Und wie jedes Jahr seit der Einweihung der\nGedenkst\u00e4tte 2003 werden auch dieses Mal wieder neue Tote begraben, deren\nK\u00f6rperteile man im Laufe des letzten Jahres identifiziert hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir erinnern uns gut: An die Bilder von den weinenden Frauen auf Lastwagen, die von ihren M\u00e4nnern und S\u00f6hnen getrennt wurden. Von den Jungen, die irgendwo hier von lachend filmenden Soldaten hingerichtet wurden. Ratko Mladi\u0107, wie er b\u00f6se grinsend durch diese Stra\u00dfen lief wie ein verr\u00fcckter Cowboy und anwies, alle Moslems zu t\u00f6ten. Wie er den ausgehungerten muslimischen Kindern Schokolade schenkte, aber nur kurz f\u00fcr die Pressefotos, denn er nahm sie ihnen sofort wieder ab. Das war gleich hier auf der anderen Stra\u00dfenseite. <\/p>\n\n\n\n<p>Was denkt die Frau da,\ndie ihre Blumen gie\u00dft, wenn sie Besucher wie mich hier durch den Ort schleichen\nsieht? Ist ihr sofort klar, dass ich wegen des <em>V\u00f6lkermords <\/em>hier bin, diesemunsichtbaren\nzweiten Namen dieses Ortes? <\/p>\n\n\n\n<p>Es ist also nicht\nleicht, sich dieser Stadt und seinen Menschen unbelastet zu n\u00e4hern. Vor allem\nauch, weil zwanzig Jahre sp\u00e4ter noch so viel im Unklaren liegt. Auch dazu\nsp\u00e4ter mehr. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4840-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-512\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4840-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4840-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4840-768x576.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4840-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4840-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach einem starken <em>bosanska kafa <\/em>habe ich Augen daf\u00fcr, dass\nSrebrenica auch ein h\u00fcbscher Ort ist, in dem die Aprikosen fr\u00fcher reif sind als\nanderswo. Die Lage im engen Tal, von sattgr\u00fcnen H\u00fcgeln und bewaldeten Bergen\numgeben, pusht die Vegetation. Der keine Fluss Kru\u0161eva pl\u00e4tschert recht idyllisch wie eigensinnig durch den\nOrt, taucht mal links und mal rechts von der Hauptstra\u00dfe auf. Die H\u00e4user stehen\nauf H\u00e4ngen, durch Treppchen, Br\u00fccken, Stege mit der Stra\u00dfe verbunden. Obstb\u00e4ume\ns\u00e4umen den Stra\u00dfenrand wie anderswo Hecken. Die Eifel muss neidisch sein. <\/p>\n\n\n\n<p>Viele andere Geb\u00e4ude sind eingest\u00fcrzt oder sehen aus, als w\u00fcrden sie niemals fertig gestellt. Ein junger Mann sitzt in einer Hollywoodschaukel auf einem Plateau ohne Gel\u00e4nder, das mal der Boden einer Etage werden sollte. Am Ortseingang warnt ein Schild vor Minen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1920\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4814-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-513\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4814-scaled.jpg 2560w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4814-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4814-768x576.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4814-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4814-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\">Die Realit\u00e4t in Srebrenica und die Rose<\/h2>\n\n\n\n<p>Ich treffe Enad, der mir\n\u00fcber Srebrenica erz\u00e4hlen will. Enad ist um die 60 und verlie\u00df Srebrenica 1995. Er\nspricht Englisch mit amerikanischem Akzent. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch w\u00e4re ermordet\nworden, wenn ich geblieben w\u00e4re. Die Stimmung war so hasserf\u00fcllt, dass man mich\nallein wegen meines guten Jobs und meines sch\u00f6nen Hauses umgebracht h\u00e4tte,\nentweder von Serben oder von Moslems.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Der \u00d6konom, der vor dem\nKrieg bosnische Firmen beriet, lebt seit seiner Flucht in Chicago, aber besucht\nseine Heimat regelm\u00e4\u00dfig. Im letzten Winter kam er zur\u00fcck, um sein Haus zu\nrenovieren. Er erkl\u00e4rt, dass f\u00fcr ihn Srebrenica nicht nur ein Ort des Krieges\nist. \u201eDies ist meine Heimat, hier habe ich auch sch\u00f6ne Erinnerungen.\u201c Er lacht.\n\u201eEhrlich gesagt langweile ich mich hier heute ein wenig\u201c, f\u00fcgt er hinzu. \u201eSrebrenica\nist eine arme Stadt geworden, die jungen Leute gehen weg, weil es keine Arbeit\ngibt. Dabei g\u00e4be es so viel zu tun, wenn man uns nur lassen w\u00fcrde.\u201c Enad winkt\nab und braucht erst mal einen Kaffee. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Kulturcenter ist ein\nKasten aus dem Sozialismus, die Terrasse besteht aus einem St\u00fcck Asphalt. Die\nKultureinrichtungen sind irgendwann aufgegeben worden, nur das Caf\u00e9 hat\n\u00fcberlebt. Die alten Schreibtischst\u00fchle mit blauem Kratzpolster und Brandl\u00f6chern\nsind jetzt Caf\u00e9inventar, ziemlich trist. Ich schaue mich nach Alternativen um,\naber mein Gespr\u00e4chspartner sagt, nein nein, hier ist es nett. Der Kellner strahlt,\nwill meine Hand gar nicht mehr loslassen und deutet eine Verbeugung an. Er\nserviert die Getr\u00e4nke, als k\u00f6nnte er sich nichts Sch\u00f6neres vorstellen und leert\nden Aschenbecher nach jeder Zigarette. <\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201cAlle Projekte, die\nSrebrenica aus dieser Tristesse helfen k\u00f6nnten, versanden. Das Geld\nverschwindet in den Taschen der Politiker und kommt bei den normalen Leuten\nerst gar nicht an\u201d, erz\u00e4hlt Enad weiter. \u201cVor dem\nKrieg hatten hier fast alle ein Auto und ein Ferienhaus an der Adria\u201d, erinnert\ner sich. \u201cWir haben Heilquellen, Srebrenica war ein reicher Kurort!\u201d Enad\nstellt die Tasse ab und schaut sich um. \u201cKaum noch\nvorstellbar, oder?\u201d Eine t\u00fcrkische Firma wollte das Kurzentrum wieder aufbauen,\ndas im Krieg zerst\u00f6rt wurde, erkl\u00e4rt er. Aber als die Politiker wollten, dass\ndas Geld erstmal auf ihre Konten \u00fcberwiesen wird, zogen sich die T\u00fcrken zur\u00fcck.\u201d\nEr sch\u00fcttelt den Kopf. \u201cHier gibt es viele kleine Seelen. Sie meckern, dass f\u00fcr\nunseren Ort nichts getan wird, aber wenn es eine Chance gibt, stecken sie sich\ndas Geld selber in die Tasche. Das ist unser Dilemma.\u201d <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1920\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4869-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-514\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4869-scaled.jpg 2560w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4869-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4869-768x576.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4869-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4869-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><figcaption>Der Bosnier Enad blickt \u00fcber den Friedhof von Poto\u010dari, Foto Kristina Koch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Nebenan steht die Ruine\neines Wohnhauses, das vor 20 Jahren verlassen wurde und total zusammengefallen\nist. Der Schutt ergie\u00dft sich bis auf die Stra\u00dfe. Am zentralen Platz der Stadt. Auf\nmeine Frage, warum diese H\u00e4user nicht abgerissen werden oder die Besitzer sie\nnicht verkaufen, senkt Enad die Stimme.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Besitzer sind seit\nihrer Flucht vor zwanzig Jahren nicht mehr zur\u00fcckgekommen, weil sie es nicht\nertragen. Ich habe Freunde, die in Ohnmacht gefallen sind, als sie ein Foto von\nihrem alten Haus gesehen haben. Die k\u00f6nnen sich mit dem Thema \u00fcberhaupt nicht\nbesch\u00e4ftigen. Ihre Erinnerungen sind zu grausam.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\"><strong>\u201eWir brauchen einen ehrlichen Anf\u00fchrer\u201c<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Enad glaubt dennoch an Bosnien. \u201cWir brauchen einen ehrlichen Anf\u00fchrer.\nIch bin nicht blo\u00df ein Tito-Nostalgiker. Aber ich glaube daran, dass unsere\nLeute etwas in sich haben. Mit Tito waren wir flei\u00dfig und stolz darauf, das ist\nder Beweis. Es sind die Politiker, die uns in dieser Lethargie gefangen halten,\num ihre Macht zu besch\u00fctzen. In der Situation, in der Bosnien heute ist, mit\nall den Spannungen, schaffen wir es nicht allein. Deutschland hatte Adenauer!\nMit ihm ging es aufw\u00e4rts. Und so konnte auch der Holocaust verarbeitet werden.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Gro\u00dfdenker wie er w\u00fcrden\nin Srebrenica skeptisch be\u00e4ugt, erz\u00e4hlt er. \u201eEs gibt hier viele gute Leute,\naber es gibt auch Neid. Auf diejenigen, die von\ninternationalen Organisationen Hilfe bekommen haben. Oder auf die R\u00fcckkehrer,\ndie im Ausland Geld verdient haben. Dazu kommt die Wut auf die Politiker, die\nes nicht schaffen, die Situation in dieser Stadt ertr\u00e4glich zu machen.\u201d Seit er wieder hier ist,\nhabe er einigen Leute vorsichtig vorgeschlagen, auch ihre H\u00e4user zu renovieren.\nJetzt seien schon ungef\u00e4hr zwanzig Nachbarn zugange. \u201eDas ist alles, was wir\nselber tun k\u00f6nnen, damit es hier nicht komplett den Bach runtergeht.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Als der Kellner mit der Rechnung kommt, hat er eine Rose dabei, um deren Stiel ein feuchtes Tuch gewickelt ist. \u201e<em>Poklon<\/em>\u201c, sagt er. Geschenk. Enad l\u00e4chelt. \u201eIch hab doch gesagt, dass es hier nett ist\u201c. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\"><strong>Vor jedem Jahrestag sp\u00fcrt man die Spannung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Heute leben in\nSrebrenica ca. 70% Serben und 30 % Muslime. Sie arbeiten zusammen und essen in\ndenselben Cevapcici-Buden. Der B\u00fcrgermeister ist muslimisch. Srebrenica ist die\neinzige Gemeinde in der RS (Republika Srpska\/Serbische Republik), die nicht\nserbisch regiert wird, weil die Vertriebenen nicht an ihrem heutigen, sondern\nam urspr\u00fcnglichen Ort ihre Stimmen abgeben k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMan kann \u00fcber alles\nreden, aber wenn es um 1995 geht, wird geschwiegen.\u201c, erz\u00e4hlt Enad. Vor jedem\nJahrestag k\u00f6nne man die Spannung sp\u00fcren, die Serben w\u00fcrden stiller. Wenn die\nSchulkinder fragen, erkl\u00e4ren die serbischen Lehrer die serbische Seite der\nGeschichte. Viele konterten mit den Verbrechen der Moslems an der serbischen\nBev\u00f6lkerung (in Nordbosnien kamen auch \u00fcber 3000 serbische Soldaten um). So als\nob es ein Wettbewerb w\u00e4re. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1920\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4829-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-515\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4829-scaled.jpg 2560w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4829-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4829-768x576.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4829-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4829-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die serbischen Politiker leugnen den Genozid bis heute. Obwohl alles so\noffensichtlich ist. Der Pr\u00e4sident der Serbischen Bosnier, Milorad Dodik, nannte\ndie T\u00f6tungen von Srebrenica k\u00fcrzlich \u201cdas gr\u00f6\u00dfte Scheinverbrechen des 20.\nJahrhunderts\u201d. Daf\u00fcr wird er von Nationalisten in Serbien gefeiert. (Anm.:\nDodik ist heute nicht mehr Pr\u00e4sident) <\/p>\n\n\n\n<p>Auf bosniakischer Seite hingegen wird sich in einer mythologisierte Opferrolle gesuhlt, die von den bosniakischen Nationalisten angefeuert wird. Und so geht es hin und her wie im Pingpongspiel. Die Familien der Opfer, die am Samstag einen schweren Tag zu \u00fcberstehen haben, dienen als Werkzeuge f\u00fcr ein Spektakel, aus dem jeder bosnische Politiker Profit schl\u00e4gt. Vor die Kameras gezerrt zu werden, bringt den Angeh\u00f6rigen nicht viel. Was sie br\u00e4uchten, ist wahre Anerkennung. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5033-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-535\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5033-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5033-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5033-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5033-1-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5033-1-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Eine bosnische Hinterbliebene am Sarg, kurz vor der Bestattung. Foto Kristina Koch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\">Die R\u00fcckkehrer<\/h2>\n\n\n\n<p>Ich bin mit einer\nR\u00fcckkehrer-Familie verabredet. Ihr geh\u00f6rt das Hotel Misirlije, das am\nOrtsausgang liegt. Der Weg dorthin f\u00fchrt an H\u00e4usern mit Vorg\u00e4rten vorbei. Eine\nFrau pfl\u00fcckt schwarze Johannisbeeren von einem Strauch und sch\u00fcttet mir\nzwinkernd den ganzen Inhalt ihrer Sch\u00fcssel in die H\u00e4nde. Vor einem \u00e4rmlich aussehenden\nHaus sitzt ein alter Mann mit Strohhut und winkt. Neben ihm dr\u00e4ngen Kakteen aus\ngepunkteten Kocht\u00f6pfen und Plastikeimern. <\/p>\n\n\n\n<p>Heute leben ungef\u00e4hr\n3500 Menschen in Srebrenica. Vor dem Krieg waren es \u00fcber 35.000. Viele\nermordet, viele geflohen. Einige \u00dcberlebende und Angeh\u00f6rige der Opfer sind in\nden letzten Jahren zur\u00fcckgekehrt. M\u00fctter, die ihren toten S\u00f6hnen und Ehem\u00e4nnern\nnahe sein wollen, weil sie sonst niemanden mehr haben. Oder diejenigen, die\nnoch heute darauf warten, dass ihre toten Angeh\u00f6rigen gefunden werden. 7.100 von 8.372 Vermissten sind im Laufe der zwanzig Jahre gefunden\nworden. Die Suche gestaltet sich z\u00e4h. Denn nach den Massent\u00f6tungen hatte die\nbosnisch-serbische Armee angeordnet, die Massengr\u00e4ber aufzuschaufeln und die\nToten an anderer Stelle erneut zu verbuddeln, um Verwirrung zu stiften. Dabei\nzerbrachen viele Leichen. Es kommt vor, dass mehrere Knochen derselben Person\nan verschiedenen Orten gefunden werden, die zig Kilometer auseinander liegen. <\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal helfen\nserbische Nachbarn dabei, diese Gr\u00e4ber zu lokalisieren, weil sie mit ihrem\nWissen nicht mehr leben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der Terrasse des Gasthauses Mirsilije l\u00e4sst sich gut verweilen. Advo Purkovi\u0107, ein gutm\u00fctig dreinschauender Mann, f\u00fchrt das Hotel, seit sein Vater Dule k\u00fcrzlich verstarb. Auf der Theke liegt ein Buch mit dem Bild des Vaters auf dem Cover, das Freunde zusammengestellt haben. \u201eMein Vater war ein Exempel f\u00fcr Srebrenica\u201c, l\u00e4chelt Avdo, dessen Eltern vor dem Krieg dieses Gasthaus er\u00f6ffneten. \u201eAls die serbische Armee in Srebrenica einfiel, beschloss mein Vater zu helfen anstatt zu fliehen. Er sah all die Verwundeten und schloss sich \u00c4rzte ohne Grenzen an. Uns schickte er fort.\u201c Als die serbisch-bosnische Armee einfiel, konnte er dank \u00c4rzte ohne Grenzen fliehen. Als ich ihn nach drei Jahren wiedersah, wog er 50 Kilo und ich habe ihn nicht erkannt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Jahre nach dem\nKrieg war es Purkovi\u0107, der als erster\nVertriebener wieder zur\u00fcck in seine Heimat kehrte. In seinem Haus wohnten\nSerben. Radovan Karad\u017ei\u0107, damaliger Pr\u00e4sident der Serbischen Republik,\nhatte den serbischen Soldaten versprochen, alles behalten zu k\u00f6nnen, was sie\nerobert hatten. Dar\u00fcber hinaus kamen serbische Fl\u00fcchtlinge in den Ort, die aus\nAngst vor Rache aus den Vororten von Sarajevo geflohen waren.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer Prozess, unsere H\u00e4user wiederzubekommen dauerte lange und war kompliziert\u201c, berichtet Avdo. Schlie\u00dflich startete der OHR (der Hohe Repr\u00e4sentant f\u00fcr Bosnien und Herzegowina) eine Kampagne, die den Muslimen erlaubte, in ihre Heimatst\u00e4dte in der Serbischen Republik zur\u00fcckzugehen. Und auch die Serben durften zur\u00fcck in ihre H\u00e4user in der F\u00f6deration, wo sich wiederum Muslime niedergelassen hatten. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Spannungen waren noch Jahre nach dem Krieg gro\u00df. Es war nicht leicht, sich nicht provozieren zu lassen.\u201c Doch die Purkovi\u0107s lie\u00dfen ihr Gasthaus Schritt f\u00fcr Schritt wieder auferstehen. Heute bietet es 40 Zimmer, ein gutes Restaurant und angenehme Stimmung. \u201eEigentlich leben wir nur von dem Gedenktourismus, sonst kommt kaum einer hierher\u201c, sagt Avdo. Doch sp\u00e4ter schauen ein paar junge Einheimische auf eine Zigarette rein. <\/p>\n\n\n\n<p>Am fr\u00fchen Abend duftet die Luft frisch und gesund, fast wie am Meer. Die K\u00e4fer sind viermal so\ngro\u00df wie in Deutschland. Am Stra\u00dfenrand wuchern wild pinke Rosen und orangefarbene\nLilien. Aus einem komplett zusammen gekrachten Haus dr\u00e4ngt ein Baum aus blauen\nHortensien.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Gastgeberin Leyla wartet mit einer Spinatpita auf mich. Sie hat wie fast alle muslimischen Frauen hier 1995 ihren Mann und ihre S\u00f6hne verloren. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"2560\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5121-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-516\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5121-scaled.jpg 1920w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5121-225x300.jpg 225w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5121-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5121-1536x2048.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><figcaption>Leyla auf dem Balkon ihres Hauses in Srebrenica. Foto Kristina Koch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\"><strong>Die holl\u00e4ndische Schutztruppe und die Europ\u00e4ische Gemeinschaft<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Srebrenica war die erste UN-Schutzzone der Weltgeschichte und sollte den verfolgten Muslimen ein sicherer Hafen sein. Doch die Schutztruppe der Vereinten Nationen, Dutchbat III, fand sich in einem schrecklichen Spiel wieder, in dem Ratko Mladi\u0107 die Strippen zog und die Europ\u00e4ische Gemeinschaft nicht zur Hilfe kam. <\/p>\n\n\n\n<p>Als Srebrenica an Mladi\u0107s Truppen fiel, flohen 25.000 Menschen nach Poto\u010dari in das Hauptquartier der Holl\u00e4nder. Videoaufnahmen zeigen, wie der serbische Armeef\u00fchrer den holl\u00e4ndischen Befehlshaber Thomas Karremans vor die Wahl stellte: Entweder er liefere die 25.000 Menschen aus Srebrenica an ihn aus &#8211; oder er und seine 400 Leute w\u00fcrden sterben. \u201eSie haben doch sicher Frau und Kinder. Wollen Sie sie gern wiedersehen?\u201c, fragt Mladi\u0107 ungeduldig. <\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig warteten die Blauhelme vergeblich auf die dringend angeforderte Luftunterst\u00fctzung der NATO. Karremans und seine Leute h\u00e4ndigen die Menschen an Mladi\u0107 aus. Dann sto\u00dfen Mladi\u0107 und der verzweifelte Karremans mit diversen Rakija an. Mladi\u0107 \u00fcberreicht Karremans Geschenke \u201ef\u00fcr die Familie\u201c und jubelt den abfahrenden Holl\u00e4ndern irre zu. <\/p>\n\n\n\n<p>Den Rest kennen wir. Die\nFrauen und M\u00e4dchen lie\u00df er auf Lastwagen packen und irgendwo aussetzen. Die\n8000 M\u00e4nner und Jungen lie\u00df er erschie\u00dfen. Alle anderen vorstellbaren\nKriegsverbrechen und Dem\u00fctigungen inklusive. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"2560\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4990-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-517\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4990-scaled.jpg 1920w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4990-225x300.jpg 225w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4990-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4990-1536x2048.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><figcaption>Ehemalige Waffenkammer der Blauhelme. Foto Kristina Koch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Heute sitzt Mladi\u0107 wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Den Haag \u2013 wahnsinnig und hasserf\u00fcllt wie eh und je. Im Juli 2011 wurde den Niederlanden eine Mitschuld am Tod der muslimischen M\u00e4nner zugesprochen. Auf Karremans und seinen M\u00e4nnern lasten schwere Vorw\u00fcrfe von Seiten der Angeh\u00f6rigen der Opfer. Immer wieder Fragen, warum die Holl\u00e4nder nicht einschritten, um die Deportationen zu verhindern. <\/p>\n\n\n\n<p>Enad sch\u00fcttelt vehement\nden Kopf. \u201eDas ist so nicht richtig. Er hat seine Leute gerettet. Als\nKommandant hat man als erstes seine Leute zu retten und das hat er gemacht.\u201c\nUnd damit Tausende in den Tod geschickt? \u201eNein. Auch das stimmt nicht. H\u00e4tte er\nsich auf den Deal nicht eingelassen, h\u00e4tten sie ihn und seine Leute erschossen und\ndann trotzdem die Menschen von Srebrenica. Es gab ja gar keine Waffen mehr, die\nhatte Mladi\u0107 zuvor alle\neinkassiert.\u201c Eine gutm\u00fctige Auffassung. <\/p>\n\n\n\n<p>Zu den Trauerfeiern reisen jedes Jahr viele Holl\u00e4nder an. Es gibt ehemalige Soldaten, die sogar mehrmals im Jahr kommen. Einige andere haben sich l\u00e4ngst das Leben genommen. Viele andere sind psychisch krank und lange schon nicht mehr arbeitsf\u00e4hig.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\"><strong>Die Gedenkfeier und Aleksandar Vu\u010di\u0107<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5042-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-530\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5042-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5042-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5042-768x576.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5042-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5042-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Auf dem Weg nach Poto\u010dari, Foto Kristina Koch <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Am Tag der Trauerzeremonie brennt die Sonne. Die Durchgangsstra\u00dfe ist mit Autos verstopft. Auf den Feldern parken Busse, dazu massig Zelte und provisorische Cafes. Tausende Fu\u00dfg\u00e4nger n\u00e4hern sich Poto\u010dari aus allen Richtungen. Flaggen aus allen L\u00e4ndern der Welt. Je n\u00e4her man kommt, desto irrer wird es. Die Bewohner haben f\u00fcr die Pilgerschar Wasserschl\u00e4uche an ihre Z\u00e4une geh\u00e4ngt. \u00dcber mehrere Kilometer s\u00e4umen Grillbuden die Stra\u00dfe. Die Grillmeister reichen den Autofahrern im Stau Fleischst\u00fccke durchs Fenster. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein Mann in einem verblichenen T-Shirt wird immer wieder von Passanten umarmt. Sp\u00e4ter, ich sollte ihn in einer Kneipe wiedersehen, erfuhr ich, dass der Belgier 1995 mit \u00c4rzte ohne Grenzen hier arbeitete. Jedes Jahr kommt er her und tr\u00e4gt das alte Shirt seiner Hilfsorganisation. Die Wanderer des Friedensmarsches Mar\u0161 Mira sind auch da. Jedes Jahr laufen sie dieselbe 100 km lange Strecke durchs Gebirge, auf der die \u00dcberlebenden nach dem Sturz von Srebrenica flohen, um das Territorium der bosnischen Armee zu erreichen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1920\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5007-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-521\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5007-scaled.jpg 2560w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5007-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5007-768x576.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5007-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5007-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5005-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-532\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5005-768x1024.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5005-225x300.jpg 225w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5005-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5005-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5005-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5040-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-531\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5040-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5040-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5040-768x576.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5040-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5040-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Marathonl\u00e4ufer in Srebrenica-Shirts rennen vorbei. Gerade als ich an das Trompetenfestival in Gu\u0107a denken muss, sehe ich den bosnischen Kriegsverbrecher Naser Ori\u0107 im Bierzelt an einem St\u00fcck Fleisch nagen. Ori\u0107s Fall ist brandhei\u00df und skandal\u00f6s. Er war 1995 der milit\u00e4rische Kommandeur der bosnischen Armee in Srebrenica und wurde mehrfach f\u00fcr Morde an Serben verurteilt &#8211; und immer wieder frei gesprochen. Erst vor ein paar Tagen war Ori\u0107 in Genf wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen Menschlichkeit verhaftet worden. Da er sich weigerte nach Serbien ausgeliefert zu werden und Bosnien anbot, seinen Prozess zu \u00fcbernehmen, l\u00e4sst er sich offensichtlich hier erst mal feiern. Hitze, Grillqualm und Kriegsverbrecher machen mir zu schaffen und ich dr\u00e4ngle mich weiter durch die Massen zur Gedenkst\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5078-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-533\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5078-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5078-300x169.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5078-768x432.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5078-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5078.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Die Gedenkfeier in Poto\u010dari f\u00fcr die Opfer von Srebrenica, Foto Kristina Koch <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Friedhof von Poto\u010dari ist so gro\u00df, dass man ihn nicht \u00fcberblicken kann, ohne auf einen H\u00fcgel zu steigen. Er ist in Parzellen mit Nummern unterteilt, der Rasen dazwischen ist gepflegt. Am Eingang sind die Namen von ca. 6300 bestatteten Opfern in Marmor eingraviert. Ich bin mit Enad verabredet, der mir die Namen seiner toten Angeh\u00f6rigen zeigt. 24 Menschen mit seinem Nachnamen. \u201eDas ist meine Familie, ganz normale Leute, die mit Politik nichts zu tun hatten.\u201c <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"2560\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4867-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-522\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4867-scaled.jpg 1920w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4867-225x300.jpg 225w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4867-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4867-1536x2048.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"2560\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4805-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-519\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4805-scaled.jpg 1920w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4805-225x300.jpg 225w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4805-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4805-1536x2048.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><figcaption>Mahnmal in Potocari bei Srebrenica, Foto Kristina Koch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Menschen str\u00f6men ein. Eine Gruppe M\u00e4nner schwenkt eine albanische Flagge. \u201eNever forget\u201c, rufen sie. Dann Helikopter-L\u00e4rm. Bill Clinton landet neben dem Friedhof. Ich brauche erst mal wieder Abstand, aber den gibt es hier heute nicht. Auf der anderen Stra\u00dfenseite liegen die Fabriken, in denen vor 20 Jahren die Erschie\u00dfungen stattfanden. Sie sind sind frei zug\u00e4nglich, ohne Wachen, ohne Schilder. Manche Einschussl\u00f6cher an den W\u00e4nden sind \u00fcbermalt, manche sieht man noch. In einer Ecke liegt ein rostiger Stacheldraht. Jemand meint, dass er vermutlich dazu benutzt wurde, die Todgeweihten ordentlich in einer Reihe zu halten. Nicht zu fassen, dass es nicht mehr Informationen gibt und mit den Relikten so unbedacht umgegangen wird. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4893-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-523\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4893-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4893-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4893-768x576.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4893-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4893-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Hier fanden im Juli 1995 die Massenerschie\u00dfungen statt, Foto Kristina Koch <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1920\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4877-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-520\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4877-scaled.jpg 2560w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4877-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4877-768x576.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4877-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4877-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1920\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4987-1-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-565\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4987-1-scaled.jpg 2560w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4987-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4987-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4987-1-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4987-1-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><figcaption>In der Fabrikhalle. Foto Kristina Koch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4986-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-536\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4986-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4986-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4986-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4986-1-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4986-1-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Gerahmte Fotos von Zeichnungen, die auf den W\u00e4nden der Fabrikhallen gefunden wurden. Foto Kristina Koch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In der Halle daneben liegen die S\u00e4rge mit den Leichenteilen, die in wenigen Stunden bestattet werden. Ebenfalls f\u00fcr jeden einsehbar und ohne Wachleute. Ein paar Neugierige streunen herum und ein Fotograf redet auf eine weinende Frau ein. Scheinbar soll sie vor dem Sarg ihres verstorbenen Angeh\u00f6rigen posieren. Schnell wieder weg hier. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1920\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4978-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-527\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4978-scaled.jpg 2560w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4978-300x225.jpg 300w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4978-768x576.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4978-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4978-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><figcaption>In der Gedenkhalle lagern die S\u00e4rge f\u00fcr die diesj\u00e4hrige Bestattung, Foto Kristina Koch <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Mitten auf dem Feld hinter den Hallen steckt ein Schild im Boden: Toilet.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch sp\u00fcrt man nicht, dass heute ein besonderer Gast erscheinen soll. Serbiens\nMinisterpr\u00e4sident Aleksandar Vu\u010di\u0107 hat angek\u00fcndigt, Serbien zum ersten Mal auf der Gedenkfeier zu\nvertreten. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"2560\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5020-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-529\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5020-scaled.jpg 1920w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5020-225x300.jpg 225w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5020-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_5020-1536x2048.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><figcaption>Die S\u00e4rge werden auf den Friedhof getragen. Foto Kristina Koch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>&#8222;Es ist Zeit zu zeigen, dass wir bereit zur Auss\u00f6hnung sind, dass\nwir bereit sind, uns vor den Opfern zu verneigen&#8220;, hatte er in einer\nPressekonferenz gesagt. Den V\u00f6lkermord erw\u00e4hnte er nicht. Jasmin Mujanovi\u0107 nannte diese Rede von Vu\u010di\u0107 in einem Essay f\u00fcr <em>The<\/em> <em>Balkanist<\/em>\n\u201cden tonlosesten Auftritt eines europ\u00e4ischen Staatsmannes der Weltgeschichte\u201d.\nEr w\u00fcrde sich also heute verneigen, aber niemals den V\u00f6lkermord anerkennen. Er\nlie\u00dfe doch schlie\u00dflich nicht auf seinem Vaterland rumtrampeln, sagte er noch. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Unknown-1.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-543\" width=\"284\" height=\"177\"\/><figcaption>Vu\u010di\u0107 verl\u00e4sst den Friedhof. Foto Sarajevo Times<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Aleksander Vu\u010di\u0107 erscheint wirklich. Bei der mehrerst\u00fcndigen Zeremonie steht er mit anderen Politikern (rund 80 Delegationen aus der ganzen Welt) etwas am Rand. Dann schreitet er zum Mahnmal, um eine Blume niederzulegen. Einige Leute pfeifen. In meiner Umgebung raunt man, er sei \u00fcber die Gr\u00e4ber gelaufen. Dieser Vorwurf taucht sp\u00e4ter nie wieder auf. Dann wird es lauter. Wasserflaschen und Steine fliegen. Die Bodyguards zerren Vu\u010di\u0107 weg und sch\u00fctzen ihn mit Regenschirmen gegen die anhaltenden Geschosse. Das war\u2019s. Bei seiner Flucht vom Friedhof passiert er \u00fcbrigens ein Transparent. Darauf steht: \u201cF\u00fcr jeden toten Serben hundert tote Muslime\u201d. Vu\u010di\u0107s eigene Worte, von damals. Er war zu Kriegszeiten radikaler Nationalist und drohte damals im Parlament, f\u00fcr jeden toten Serben w\u00fcrden 100 Muslime sterben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Am Abend gibt viel zu diskutieren. Presseleute, ehemalige Helfer und muslimische Einheimische leeren im Hotel Mirsilije gemeinsam die Rakija-Vorr\u00e4te der Stadt. Der Prozess der Ann\u00e4herung und Vers\u00f6hnung zwischen Serben und Bosniaken bleibt h\u00f6chstsensibel. Die Bosniaken brauchen die serbische Anerkennung des Genozids. <\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Tag ist es wieder stiller in Srebrenica. Die kleine Stadt ist noch immer in Geiselhaft. Umklammert von serbischen und bosniakischen Politikern. Gel\u00e4hmt von offenen Fragen. Aber Srebrenica ist auch ein Ort, an dem Menschen leben, die hier verwurzelt sind. Menschen, die ihre G\u00e4rten pflegen und Besuchern wie mir freundlich zuwinken.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\"><strong>Srebrenica heute<\/strong> <strong>(2020)<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"2560\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4956-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-559\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4956-scaled.jpg 1920w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4956-225x300.jpg 225w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4956-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_4956-1536x2048.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><figcaption>Die Blume von Srebrenica wird am Tag der Gedenkfeier von vielen Menschen angesteckt. Foto Kristina Koch <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>P\u00fcnktlich zum zum 25. Jahrestag des Genozids an der bosnischen Bev\u00f6lkerung in Srebrenica hat die B\u00fcrgerorganisation \u201eEastern Alternatives\u201c vor einigen Tagen Stimmung gegen die Bosnien gemacht. Auf den Werbetafeln von Srebrenica wurden Plakate mit dem Bild von Ratko Mladi\u0107 aufgeh\u00e4ngt. Darunter der Satz \u201eEs gab keinen Genozid\u201c. Auf anderen Plakaten mit Mladi\u0107s Foto steht \u201eDer 11. Juli ist der Tag der Befreiung von Srebrenica. Dank der Armee der Serbischen Republik\u201c<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"299\" height=\"168\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Unknown.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-539\"\/><figcaption>Foto: Sarajevo Times<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Dass so etwas \u00fcberhaupt m\u00f6glich sind, ist einer traurigen Entwicklung geschuldet: &nbsp;Seit 2016 ist ein serbischer B\u00fcrgermeister im Amt. Mladen Grujili\u0107 ist Anh\u00e4nger der Serbenf\u00fchrer Karad\u017ei\u0107 und Mladi\u0107, die f\u00fcr das Massaker von Srebrenica verantwortlich waren. Seitdem hat sich die Sicherheitslage f\u00fcr die muslimische Bev\u00f6lkerung in Srebrenica erheblich verschlechtert. Es vergeht kaum ein Tag, an dem Grujici\u0107 nicht den Genozid und die Verbrechen an Bosniaken in Srebrenica leugnet. Einige R\u00fcckkehrer haben Srebrenica seitdem aus Angst vor offenen Angriffen verlassen. Wieder einmal.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Leugnung des Genozids h\u00e4lt an. Politiker s\u00e4en weiter gezielt Zwietracht zwischen ethnischen und religi\u00f6sen Gruppen, rassistische Vorurteile und Hass. Sie verehren verurteilte Kriegsverbrecher und spalten anstatt zu vers\u00f6hnen. 2016 wurde ein neues Studentenheim in Pale, der fr\u00fcheren Hochburg der bosnischen Serben, nach Radovan&nbsp;Karad\u017ei\u0107 benannt. Dies passierte einige Tage bevor das UN-Tribunal f\u00fcr Kriegsverbrechen das Urteil f\u00fcr Karad\u017ei\u0107 verk\u00fcndete. Pr\u00e4zise geplante Aktion also. <\/p>\n\n\n\n<p>Radovan Karad\u017ei\u0107 wurde im M\u00e4rz 2016 zu 40 Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt. Das UN-Tribunal befand ihn wegen V\u00f6lkermords f\u00fcr das Massaker von Srebrenica, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit w\u00e4hrend des Bosnienkriegs von 1992 bis 1995 schuldig. 2019 wurde seine Strafe im Berufungsverfahren endlich auf lebenslange Haft erh\u00f6ht. Ein sp\u00e4ter, aber wichtiger Schritt f\u00fcr die Familien der Opfer. <\/p>\n\n\n\n<p>Ansonsten ist die rechtliche Aufarbeitung der Morde l\u00e4ngst nicht abgeschlossen. Das Urteil aus den Haag im Revisionsprozess gegen den serbischen Kriegsverbrecher Ratko Mladi\u0107 steht noch aus. In den L\u00e4ndern der Region, wo die Verfahren gegen Kriegsverbrecher zum Teil nur langsam vorankommen, mussten sich noch nicht alle T\u00e4ter vor Gericht verantworten. Allein in der Gegend um Srebrenica sind noch immer Hunderte mutma\u00dfliche Kriegsverbrecher auf freiem Fu\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch immer leben rund 98.000 Binnenvertriebene in 121 Kollektivzentren. Zwischen 6800 und 8000 Personen werden noch vermisst.&nbsp;Immer noch suchen Menschen nach ihren Angeh\u00f6rigen. Immer noch graben Spezialisten \u00dcberreste von Opfern aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Zugleich bleibt der V\u00f6lkermord von Srebrenica gl\u00fccklicherweise im internationalen \u00f6ffentlichen Bewusstsein. Dies ist auch zahlreichen Organisationen weltweit zu verdanken, die gegen das Vergessen ank\u00e4mpfen und die \u00dcberlebenden bei der Aufarbeitung unterst\u00fctzen. So kann wenigstens eine Erinnerungskultur etablieren werden. Die britische NGO \u201eRemembering Srebrenica\u201c etwa ist eine gute Quelle f\u00fcr Dokumentationen, Berichte von \u00dcberlebenden, Workshops. Aktuell gibt es jeden Tag eine neue Ver\u00f6ffentlichung. <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/rememberingsrebrenica\/\">https:\/\/www.facebook.com\/rememberingsrebrenica\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Srebrenica ist zum Inbegriff f\u00fcr das kollektive Versagen der internationalen Gemeinschaft geworden. Denn das Morden in der bosnischen Stadt fand 1995 vor den Augen der Vereinten Nationen und der Welt\u00f6ffentlichkeit statt. Jetzt, am 11. Juli 2020 j\u00e4hrt sich der planm\u00e4\u00dfige Mord an Tausenden Bosniaken zum 25. Mal. 2015 verbrachte ich&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/?p=496\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">Srebrenica Revisited &#8211; zum 25. 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