{"id":591,"date":"2021-06-16T11:46:13","date_gmt":"2021-06-16T11:46:13","guid":{"rendered":"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/?p=591"},"modified":"2024-08-05T08:10:12","modified_gmt":"2024-08-05T08:10:12","slug":"calais-grossbritanniens-externalisierte-grenze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/?p=591","title":{"rendered":"CALAIS &#8211; Gro\u00dfbritanniens externalisierte Grenze"},"content":{"rendered":"\n<p>von Thomas M\u00fcller (Blog&nbsp;<em><a href=\"https:\/\/calais.bordermonitoring.eu\/\">JungleOfCalais<\/a><\/em>)<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#Calais_ndash_Groszligbritanniens_externalisierte_Grenze\">Calais \u2013 Gro\u00dfbritanniens externalisierte Grenze<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#Der_Big_Jungle_von_Calais\">Der Big Jungle von Calais<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#Calais_als_bdquohostile_environmentldquo\">Calais als \u201ehostile environment\u201c<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#Die_Etablierung_der_Kanalroute\">Die Etablierung der Kanalroute<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#Das_Grenzregime_und_der_Brexit\">Das Grenzregime und der Brexit<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#Fuszlignoten\">Fu\u00dfnoten<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\">CALAIS &#8211; Gro\u00dfbritanniens externalisierte Grenze<\/h2>\n\n\n\n<p>Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist die nordfranz\u00f6sische\nHafen- und Grenzstadt Calais Schauplatz der unregistrierten Migration vom\neurop\u00e4ischen Festland nach Gro\u00dfbritannien.<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn1\">[1]<\/a>&nbsp;Waren es in den 1990er Jahren h\u00e4ufig\nMenschen aus den ehemaligen kommunistischen Diktaturen in Osteuropa oder aus\nden Kriegsgebieten auf dem Balkan, die in Calais strandeten, so waren es danach\nvor allem Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan und dem benachbarten Pakistan, aus den\nostafrikanischen L\u00e4ndern Sudan,&nbsp;\u00c4thiopien&nbsp;und&nbsp;Eritrea&nbsp;sowie aus Iran und Irak bzw.\nKurdistan. Menschen aus diesen Regionen stellen seit den 2000er Jahren den\ngr\u00f6\u00dften Teil der tempor\u00e4ren migrantischen Bev\u00f6lkerung in Nordfrankreich,\nwenngleich Zahl und Anteil der einzelnen Herkunftsgruppen schwanken. Waren es\nbis zur Mitte der 2010er Jahre h\u00e4ufig Menschen, die kurz zuvor \u00fcber das\nMittelmeer oder die Balkanroute nach Europa gelangt waren, so nahm danach die\nZahl derjenigen zu, deren Anerkennungsverfahren in einem anderen EU-Land \u2013\nh\u00e4ufig in Deutschland \u2013 gescheitert war, und f\u00fcr die Gro\u00dfbritannien bis dahin\nnicht prim\u00e4res Migrationsziel gewesen war.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"431\" height=\"324\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/image-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-606\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/image-1.png 431w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/image-1-300x226.png 300w\" sizes=\"(max-width: 431px) 100vw, 431px\" \/><figcaption>\u201eLondon calling\u201c: Graffiti am Rand des Big Jungle, mit einem heute zerst\u00f6rten Banksy-Mural (Foto: Th. M\u00fcller)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Dabei leben nicht alle diese Menschen in Calais selbst, da\nauch andere Orte als Ausgangspunkt f\u00fcr die Reise nach Gro\u00dfbritannien genutzt\nwerden. Dies sind insbesondere die Kleinstadt Grande-Synthe in der N\u00e4he der\nHafenanlagen von Dunkerque, weitere franz\u00f6sische, belgische, niederl\u00e4ndische\nund spanische H\u00e4fen, Orte in Reichweite der dorthin f\u00fchrenden Autobahnen sowie\ndie Hauptst\u00e4dte Paris und Br\u00fcssel. Calais ist somit das Zentrum eines\nausgedehnten Migrationsraumes zwischen (zeitweise) den spanischen H\u00e4fen von\nBilbao und Santander weit im S\u00fcdwesten, Luxemburg im S\u00fcdosten, der\nbelgisch-deutschen Grenze bei Aachen im Osten und dem Hoek van Holland im\nNorden.<\/p>\n\n\n\n<p>Calais ist zugleich derjenige Ort im historischen Kerngebiet\nder europ\u00e4ischen Integration, an dem eine Grenze so stark sekuritisiert wurde\nwie sonst nur an den s\u00fcdlichen und s\u00fcd\u00f6stlichen Au\u00dfengrenzen der EU. Eine Folge\ndieses Grenzregimes ist der um die Jahrtausendwende begonnene, festungsartige\nAusbau der Verkehrswege nach Gro\u00dfbritannien mit Z\u00e4unen, Mauern,\n\u00dcberwachungstechnologien, Patrouillen, Bewegungshindernissen und Glacis.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Calaiser Lokalzeitung sch\u00e4tzt allein die L\u00e4nge der seit\n2015 hinzugekommenen Z\u00e4une auf 65 Kilometer.<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn2\">[2]<\/a>&nbsp;Die Auswirkungen dieses\nGrenzregimes: von 1999 bis 2020 sind 299 Todesf\u00e4lle dokumentiert worden<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn3\">[3]<\/a>&nbsp;\u2013 mehr als in jedem anderen\nGrenzraum im Inneren der EU. Au\u00dferdem verknappte der Ausbau der Grenzanlagen\ndie gangbaren Migrationspfade und lie\u00df so einen lukrativen Markt f\u00fcr\nprofessionelle Schmuggler \u2013&nbsp;<em>mafias<\/em>&nbsp;genannt \u2013 entstehen. Bis\nzum Brexit beschrieb der Begriff einer&nbsp;<em>Au\u00dfengrenze im Inneren<\/em>&nbsp;diese\nSituation daher treffend. Seit dem Austritt Gro\u00dfbritanniens aus der EU wurde\nder \u00c4rmelkanal zu einer EU-Au\u00dfengrenze im w\u00f6rtlichen Sinne \u2013 eine Au\u00dfengrenze\nallerdings, an der ausschlie\u00dflich Ausreisen verhindert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>So wie die EU ihre Au\u00dfengrenze in ihr geographisches Vorfeld\nhinein, etwa nach Nordafrika, externalisiert und dabei das Meer als nat\u00fcrliche\nBarriere nutzt, hat auch Gro\u00dfbritannien die Bek\u00e4mpfung der Migration auf\nfranz\u00f6sisches Gebiet externalisiert, wobei der \u00c4rmelkanal wie eine Art\nMittelmeer im Kleinen fungiert. Hier wie dort bewirkt dies nicht ein Ende der\nMigration, sondern zwingt Migrierende zu einem l\u00e4ngeren Aufenthalt in Grenzn\u00e4he\nund zur Suche nach noch gangbaren Migrationspfaden, auch wenn diese riskant\noder kostspielig sind. Diese Menschen errichteten in den ausgehenden 1990er\nJahren erstmals notd\u00fcrftige Camps in Calais. Mit der Verstetigung solcher\nProvisorien begann eine Geschichte, die als&nbsp;<em>Jungle von Calais&nbsp;<\/em>internationale\nAufmerksamkeit erlangen sollte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\"><strong>Der Big Jungle von Calais<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der Name&nbsp;<em>Jungle&nbsp;<\/em>entstand in den sp\u00e4ten\n2000er Jahren. Er leitete sich von einem f\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse gro\u00dfen Camp\nin einem Wald \u2013 paschtunisch:&nbsp;<em>djangal\/dzhangal<\/em>&nbsp;\u2013 ab und ist\nbis heute in den Namen zahlreicher Camps pr\u00e4sent, wobei eher gr\u00f6\u00dfere,\nkomplexere oder auch multiethnische Siedlungspl\u00e4tze so bezeichnet werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"576\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/BigJungle-min-768x576-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-593\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/BigJungle-min-768x576-2.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/BigJungle-min-768x576-2-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption>Eines von mehreren sudanesischen Wohngebieten im Jungle vor der R\u00e4umung im Oktober 2016 (Foto: T. M\u00fcller)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Lebten in den fr\u00fchen Jungles einige hundert, teils rund\ntausend Personen, so wuchs ein bestimmtes Camp, das durch staatliche\nInterventionen geschaffen worden war, im Fr\u00fchjahr 2015 binnen kurzer Zeit zu\neiner Zelt-, H\u00fctten- und Containersiedlung mit mehreren tausend Bewohner*innen\nan, in der anderthalb Jahre sp\u00e4ter \u00fcber 10.000 Menschen leben sollten, darunter\nviele, die w\u00e4hrend eines Asylverfahrens in Frankreich obdachlos waren oder den\nZugang zum franz\u00f6sischen Asylsystem suchten. W\u00e4hrend die Beh\u00f6rden die Siedlung\nnach dem Brach- und Deponiegel\u00e4nde, auf dem sie sich befand,&nbsp;<em>La\nLande&nbsp;<\/em>nannten, wurde sie in der \u00d6ffentlichkeit zum Inbegriff des&nbsp;<em>Jungle\nvon Calais;&nbsp;<\/em>auch in der retrospektiven Bezeichnung als&nbsp;<em>Big\nJungle&nbsp;<\/em>spiegelt sich ihre Dynamik.<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn4\">[4]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der Big Jungle bestand teils aus staatlich installierten\nEinrichtungen: einem Tageszentrum mit Zugang zu Mahlzeiten, Strom und\nSanit\u00e4ranlagen (aber ohne Unterk\u00fcnfte), einem Bereich zur Unterbringung von\nFrauen und minderj\u00e4hrigen Kindern sowie einem Containerlager f\u00fcr Menschen, die\nZugang zum franz\u00f6sischen Asylsystem suchten. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Bewohner*innen\nlebte jedoch in einem \u201einformellen\u201c, aber staatlich \u201etolerierten\u201c Bereich, f\u00fcr\nden die Beh\u00f6rden lediglich eine primitive Infrastruktur aus Wasserstellen,\nWaschpl\u00e4tzen, Mobiltoiletten, M\u00fcllcontainern und Stra\u00dfenlaternen bereitstellten\nund eine Art indirektes Management einzurichten versuchten. In dieser\nDoppelstruktur aus Lager und Camp glich der Big Jungle dem Lager von Moria vor\ndessen Brand im September 2020.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/%23_ftn5\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"576\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Jungle-Shop-min-768x576-2.jpg\" alt=\"Description: https:\/\/migration-control.info\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Jungle-Shop-min-300x225.jpg\" class=\"wp-image-594\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Jungle-Shop-min-768x576-2.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Jungle-Shop-min-768x576-2-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><figcaption>Einer von rund 70 gewerblichen Betrieben im Jungle (Foto: T. M\u00fcller)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Versorgung der\nBewohner*innen lag daher gr\u00f6\u00dftenteils in den H\u00e4nden der Exilierten selbst oder\nwurde durch lokale zivilgesellschaftliche Organisationen, professionelle NGOs\nund eine Vielzahl spontan entstehender Initiativen geleistet. So entstanden im\nBig Jungle informelle Gewerbe, Infrastrukturen und Institutionen, darunter rund\n70 Restaurants, L\u00e4den, Caf\u00e9s und andere gewerbliche Betriebe, mehrere Moscheen\nund Kirchen sowie mehrere informelle Schulen, Jugend-, Freizeit- und\nKultureinrichtungen, eine Rechtsberatung, medizinische und psychologische\nAnlaufstellen und ein gesch\u00fctztes Viertel f\u00fcr Frauen und Familien mit Kindern.\nEine solche Ausdifferenzierung hatte bereits in einigen vorausgegangenen\nJungles und Squats eingesetzt, nie jedoch in einer solchen Komplexit\u00e4t und\nVerdichtung. Diese Entwicklung l\u00e4sst sich als Urbanisierungsprozess verstehen,\nals begonnene Transformation des Big Jungle zu einer migrantischen Stadt\ninmitten Europas. Dieses Verst\u00e4ndnis des Jungle als Stadt wurde etwa durch den\nMigrationsforscher Michel Agier und den Architekten Cyrille Hanappe analysiert,\nin den globalen Kontext informeller Urbanisierung eingeordnet und als eine\nAlternative zu hermetischen Lagerstrukturen verteidigt.<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn5\">[5]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der Big Jungle war zugleich ein eminent politischer Ort.\nBereits seine Lage direkt neben der Zubringerautobahn zum F\u00e4hrhafen bedeutete,\ndass die meisten F\u00e4hrpassagiere ihn zu Zeiten des H\u00f6hepunkts der \u201eeurop\u00e4ischen\nMigrationskrise\u201c fl\u00fcchtig gesehen haben. Zahllose Journalist*innen \u2013 auch der\naggressiven britischen Boulevardpresse \u2013 besuchten den Jungle, wurden von\nseinen Einwohner*innen jedoch zunehmend als Belastung wahrgenommen:&nbsp;<em>We\nare not animals, and the Jungle is not a zoo!<\/em>&nbsp;Gleichzeitig banden die\nzahlreichen politischen, schulischen, religi\u00f6sen, kulturellen, k\u00fcnstlerischen,\nmedialen und akademischen Initiativen den Jungle in ihre jeweiligen Netzwerke\nein und machten ihn so zum Bezugspunkt und Laboratorium zivilgesellschaftlichen\nHandelns. Der Aktivist und K\u00fcnstler Zimako Mel Jones schlug nach dem Aufbau\neiner informellen Schule programmatisch vor, den Jungle aufgrund der kolonialen\nund rassistischen Konnotationen dieses Begriffs in \u201eForum\u201c umzubenennen, da er\nzu einem solch \u00f6ffentlichen Ort geworden sei.<\/p>\n\n\n\n<p>All dies relativiert nicht, dass die Lebensbedingungen im\nJungle zu jeder Zeit prek\u00e4r waren. Es bestanden permanente Mangelversorgung,\n\u00f6konomische und sexualisierte Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse und Kriminalit\u00e4t bis hin\nzu T\u00f6tungsdelikten. Auch kam es mehrfach zu kollektiven Gewaltakten, etwa als\nim Mai 2016 ein gro\u00dfes sudanesisches Wohnviertel von einigen afghanischen\nBewohnern niedergebrannt wurde, ohne dass die franz\u00f6sische Polizei eingriff.\nDiese Probleme spiegeln sich auch in einer Reihe empirischer Untersuchungen\ndurch die britische Initiative&nbsp;<em>Refugee Rights Europe<\/em>, die u.a. nach\nGewalterfahrungen und \u00c4ngsten fragte.<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn6\">[6]<\/a>&nbsp;In diesen Befragungen zeigt sich\njedoch, dass die Leute in erster Linie die Polizei f\u00fcrchteten und zumeist auch\nselbst Polizeigewalt erfahren hatten. Menschenrechtsverletzungen durch die\nPolizei, insbesondere die omnipr\u00e4senten&nbsp;<em>Compagnies R\u00e9publicaines de\nS\u00e9curit\u00e9<\/em>&nbsp;(CRS), wurden und werden von Aktivist*innen,<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn7\">[7]<\/a>&nbsp;internationalen NGOs<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn8\">[8]<\/a>&nbsp;und staatlichen Stellen wie\ndem&nbsp;<em>D\u00e9fenseur des droits<\/em><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn9\">[9]<\/a>dokumentiert und angeprangert, finden\njedoch unvermindert statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser R\u00fcckblick auf den Big Jungle ist wesentlich, um die\nSituation nach seiner R\u00e4umung im Oktober 2016 zu verstehen: Hatten die Beh\u00f6rden\ndiesen Ort gezielt geschaffen, um die Exilierten aus dem \u00f6ffentlichen Raum der\nStadt zu entfernen, ihre verstreuten Lebensorte aufzul\u00f6sen und sie stattdessen\nsieben Kilometer vom Zentrum entfernt an einem gemeinsamen Ort zu\nkonzentrieren, so hatten sie offenbar nicht antizipiert, welche Anziehungskraft\nund Dynamik der Big Jungle entfalten w\u00fcrde. Seine R\u00e4umung wurde zu einer\nlogistischen Gro\u00dfoperation, in deren Verlauf der gr\u00f6\u00dfte Teil der Bewohner*innen\nin spezielle Aufnahme- und Orientierungszentren (<em>Centre d\u2019accueil et\nd\u2019orientation<\/em>; CAO) gebracht wurden, die in fast ganz Frankreich mit\nAusnahme der Gegend um Calais eingerichtet worden waren. Ein Teil der\nunbegleiteten Minderj\u00e4hrigen, die Verwandte in Gro\u00dfbritannien besa\u00dfen und teils\nzus\u00e4tzliche Alters- und Nationalit\u00e4tskriterien erf\u00fcllen mussten, durfte legal\nnach Gro\u00dfbritannien einreisen, doch beendete die britische Regierung diese\nM\u00f6glichkeit rasch wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Polizei konzentriert sich seit der R\u00e4umung auf die\nBek\u00e4mpfung sogenannter \u201eFixierungspunkte\u201c&nbsp;<em>(points de fixation).<\/em>&nbsp;Dieser\nTerminus bezeichnet Orte neu entstehender Camps, die fr\u00fchzeitig und wiederholt\nger\u00e4umt werden, oft verbunden mit der Wegnahme oder Zerst\u00f6rung von Zelten,\nPlanen und anderem pers\u00f6nlichem Besitz, was wiederum fortdauernden Stress,\nUnsicherheit und Schlafentzug bei den betroffenen Menschen erzeugt. Auf\nrechtlicher Ebene verwehren fr\u00fchzeitige und wiederholte R\u00e4umungen den\nBetroffenen die M\u00f6glichkeit, vor Gericht eine provisorische Duldung ihres\nLebensortes anstreben zu k\u00f6nnen. Das \u00fcbergeordnete Ziel der staatlichen und\nkommunalen Akteure war und ist, zu verhindern, dass so etwas wie der Big Jungle\njemals wieder entstehen kann.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\"><strong>Calais als \u201ehostile environment\u201c<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die britische Innenministerin und sp\u00e4tere Premierministerin\nTheresa May pr\u00e4gte 2013 den Begriff der \u201ehostile environment\u201c, die es f\u00fcr\n\u201eillegal migrants\u201c zu erzeugen gelte.<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn10\">[10]<\/a>&nbsp;Das Vorgehen der franz\u00f6sischen\nBeh\u00f6rden gegen die \u201eFixierungspunkte\u201c l\u00e4sst sich als Umsetzung dieser Forderung\nauf franz\u00f6sischem Boden begreifen.<\/p>\n\n\n\n<p>Erwartungsgem\u00e4\u00df hat die Zerst\u00f6rung des Big Jungle das\nMigrationsgeschehen in Calais nicht beendet. Im Winter nach der R\u00e4umung lebten\neinige hundert der nach Calais zur\u00fcckkehrenden oder neu eintreffenden Menschen\nohne jeglichen Schutz unter den Br\u00fccken der Innenstadt, unter Balkonen, in\nParks und selbst im Stra\u00dfenbegleitgr\u00fcn. Im Rahmen ihrer Taktik gegen die\n\u201eFixierungspunkte\u201c duldete die Polizei den Gebrauch von Zelten und Schutzplanen\nnicht, sodass die Menschen mitunter ihre Schlafs\u00e4cke und Thermofolien mit sich\ntragen mussten. Im gleichen Winter 2017 behinderte die konservative\nB\u00fcrgermeisterin Natacha Bouchart aktiv die Hilfeleistungen humanit\u00e4rer\nOrganisationen. Landesweit bekannt wurde der groteske Versuch, die\nBereitstellung von Duschen durch&nbsp;<em>Secours Catholique<\/em>, die\nfranz\u00f6sische Caritas, zu verhindern, indem die B\u00fcrgermeisterin die Zufahrt zu\nderen Sozialzentrum durch einen M\u00fcllcontainer blockieren lie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"512\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Camp-min-min_1-768x512-2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-595\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Camp-min-min_1-768x512-2.png 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Camp-min-min_1-768x512-2-300x200.png 300w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption>Iranisches Camp im Dezember 2018 (Foto: Th. M\u00fcller)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In den folgenden Jahren stieg die Zahl der Exilierten\nzun\u00e4chst auf eine Gr\u00f6\u00dfenordnung zwischen 400 und 700 Menschen in Calais und\neiner meist etwas geringeren Zahl in Grande-Synthe und in Br\u00fcssel. Sehr langsam\nbildeten sich winzige Camps und Treffpunkte, die von den\nzivilgesellschaftlichen Organisationen regelm\u00e4\u00dfig angefahren wurden, um\nMahlzeiten und Hilfsg\u00fcter zu verteilen und den Zugang zu medizinischer und\nrechtlicher Hilfe zu erm\u00f6glichen. Versuche der Beh\u00f6rden, auch dies zu\nunterbinden, m\u00fcndeten in einem Rechtsstreit, an dessen Ende der Staatsrat als\noberstes franz\u00f6sisches Gericht die Inhumanit\u00e4t der Lebensbedingungen in Calais\nbest\u00e4tigte und die Beh\u00f6rden verpflichtete, Unterk\u00fcnfte bereitzustellen und eine\nhumanit\u00e4re Grundversorgung zu gew\u00e4hrleisten. Vor diesem Hintergrund beauftragte\ndie Pr\u00e4fektur die Hilfsorganisation&nbsp;<em>La vie active<\/em>, die bereits das\nTageszentrum und das Containerlager im Big Jungle betrieben hatte, mit der\nBereitstellung von Trinkwasser, Mahlzeiten und Sanit\u00e4ranlagen. Au\u00dferdem bot sie\nfreiwillige Transfers in spezielle Unterk\u00fcnfte (<em>Centres d\u2019Accueil et\nd\u2019Examen des Situations<\/em>; CAES), die sich wie die CAOs au\u00dferhalb von Calais\nbefanden. Als Variante dieser Unterbringung entwickelte sich ein spezieller\nTypus vermeintlich humanit\u00e4rer R\u00e4umungen: Bei diesen sogenannten&nbsp;<em>mise \u00e0\nl\u2019abri-<\/em>Operationen werden die Bewohner*innen der Camps in der Regel\nzwangsweise in ein CAES gebracht, aus dem sie zumeist umgehend wieder\nzur\u00fcckkehren. Nach der Wegnahme ihrer Zelte befinden sie sich dann in einer\nnoch prek\u00e4reren Situation.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"432\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Raeumung_Calais-768x432-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-603\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Raeumung_Calais-768x432-2.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Raeumung_Calais-768x432-2-300x169.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption>Als humanit\u00e4re Ma\u00dfnahme deklarierte R\u00e4umung in der Innenstadt von Calais im Januar 2021 (Foto: Human Rights Observers)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Bis 2018 entstand im Industriegebiet&nbsp;<em>Zone des dunes<\/em>&nbsp;ein\ngemeinsamer Treffpunkt mit einigen kleinen Camps. In diesem Industriegebiet\nhatte sich seit den 1990er Jahren ein gro\u00dfer Teil des Calaiser\nMigrationsgeschehens abgespielt, da es in Reichweite des Hafens liegt und\nzahlreiche Infrastrukturen f\u00fcr den Lastkraftverkehr umfasste, die sp\u00e4ter\ngr\u00f6\u00dftenteils geschlossen wurden; auch der Big Jungle hatte unmittelbar neben\nder&nbsp;<em>Zone des dunes&nbsp;<\/em>gelegen. Als der neu entstandene Treffpunkt\nim M\u00e4rz 2019 ger\u00e4umt wurde, wurde das Gel\u00e4nde mit einem massiven Zaun\nabgesperrt. Wie sich sp\u00e4ter herausstellen sollte, war dies der Beginn einer\nUmz\u00e4unung aller besiedelbaren Fl\u00e4chen der&nbsp;<em>Zone des dunes<\/em>&nbsp;und\nder angrenzenden kleinen W\u00e4lder bis zum Jahr 2020.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Zwischenzeit unterhielt&nbsp;<em>La vie active<\/em>&nbsp;an\nder Rue des Huttes, einer Stra\u00dfe am anderen Ende der&nbsp;<em>Zone des dunes<\/em>&nbsp;unweit\ndes fr\u00fcheren Big Jungle, eine Anlaufstelle mit Zugang zu Trinkwasser,\nMahlzeiten und Sanit\u00e4ranlagen. Im Umkreis dieser Anlaufstelle errichteten\nExilierte unterschiedlicher Nationalit\u00e4t nun mehrere neue Camps, die 2019\/20\nein betr\u00e4chtliches Gebiet in Anspruch nahmen und allgemein als neuer Jungle\nbezeichnet wurden. Die Zahl der Migrant*innen stieg in Calais auf 1.000 oder\nmehr Personen, von denen die meisten im Jungle lebten. Hinzu kamen einige\nkleinere Camps, u.a. auf einem Brachgel\u00e4nde am Krankenhaus von Calais.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"432\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Raeumung-und-Mauer-768x432-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-604\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Raeumung-und-Mauer-768x432-2.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Raeumung-und-Mauer-768x432-2-300x169.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption> <br> R\u00e4umung eines eritreischen Camps im 48-Stunden-Turnus im Herbst 2020, im Hintergrund die Hochsicherheitsmauer an der Zubringerautobahn zum F\u00e4hrhafen (Foto: Human Rights Observers) <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Vorgehen der Polizei gegen die \u201eFixierungspunkte\u201c endete\ndamit nicht, ver\u00e4nderte aber seinen Charakter, denn statt eines neu\nentstehenden Camps wurden nun auch der Jungle und die \u00fcbrigen Camps im Abstand\nvon meist 48 Stunden ger\u00e4umt: Bei diesen grotesken Operationen durchk\u00e4mmten\nBeamt*innen das Gel\u00e4nde, aus dem die Bewohner*innen ihre Zelte und ihren Besitz\ndann um einige Meter verr\u00fccken oder auf die n\u00e4chste Stra\u00dfe in Sicherheit\nbringen mussten \u2013 sich also gewisserma\u00dfen selbst r\u00e4umten \u2013, um nach dem Ende\nder Operation wieder zur\u00fcckzukehren, bis sich die gleiche Prozedur nach zwei\nTagen wiederholen w\u00fcrde. Kontinuierlich praktiziert, verhinderte dies die\nHerausbildung festerer Unterk\u00fcnfte und Infrastrukturen, wie es sie im Big\nJungle gegeben hatte, hielt die Prekarit\u00e4t der Lebensbedingungen aufrecht und\netablierte eine Routine wiederkehrender Dem\u00fctigung. F\u00fcr die Jahre 2019 und 2020\nregistrierte die Initiative&nbsp;<em>Human Rights Observers<\/em>&nbsp;in Calais\n961 bzw. 973 R\u00e4umungen, von denen die meisten auf diese Weise abliefen.<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn11\">[11]<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"547\" height=\"365\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Zaeune_Jungle-min_3-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-605\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Zaeune_Jungle-min_3-1.png 547w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Zaeune_Jungle-min_3-1-300x200.png 300w\" sizes=\"(max-width: 547px) 100vw, 547px\" \/><figcaption>Umz\u00e4unung des Jungle-Gel\u00e4ndes im Industriegebiet Zone des dunes nach der R\u00e4umung im Juli 2020. (Foto: Th. M\u00fcller)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Am 10. und 11. Juli 2020 lie\u00df der franz\u00f6sische Innenminister\nG\u00e9rald Darmanin den neuen Jungle r\u00e4umen, dessen Gel\u00e4nde nun ebenfalls umz\u00e4unt\nwurde.<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn12\">[12]<\/a>&nbsp;Die R\u00e4umung geh\u00f6rte zu den\nsymbolischen ersten Amtshandlungen des konservativen Ministers und schuf die\nB\u00fchne f\u00fcr ein Treffen mit seiner britischen Amtskollegin Priti Patel am 12.\nJuli in Calais, in dem es vor allem um die Bek\u00e4mpfung klandestiner\nBootspassagen gehen sollte. Ein Teil der Exilierten siedelte sich auf dem\nBrachgel\u00e4nde am Krankenhaus an, der&nbsp;<em>Hospital Jungle&nbsp;<\/em>aber wurde\nam 29. September 2020 ebenfalls massiv ger\u00e4umt.<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn13\">[13]<\/a>&nbsp;Danach r\u00fcckte das Gel\u00e4nde des Forts\nNieulay am anderen Ende von Calais in den Fokus der Beh\u00f6rden.<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn14\">[14]<\/a>&nbsp;Im Vorfeld des Brexit versuchten\nMigrant*innen von dort aus, ein Versteck in einem der Lastwagen zu finden, die\nsich dort besonders h\u00e4ufig stauten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den Versch\u00e4rfungen Darmanins geh\u00f6rte auch ein Verbot von\nEssensausgaben oder Lebensmittelverteilungen in bestimmten Teilen von Calais,\nsofern diese nicht im staatlichen Auftrag durchgef\u00fchrt wurden.<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn15\">[15]<\/a><em>&nbsp;La vie active<\/em>&nbsp;wurde\ndadurch faktisch zur einzigen Organisation, der Hilfeleistungen in allen Teilen\nCalais\u2019 erlaubt blieben. Das Verbot wurde am 11. September 2020 zun\u00e4chst\nbefristet erlassen und seither regelm\u00e4\u00dfig verl\u00e4ngert und r\u00e4umlich ausgeweitet.\nDie Gew\u00e4hrung oder Nichtgew\u00e4hrung humanit\u00e4rer Hilfe diente nun verst\u00e4rkt dazu,\nDruck auf die rund 700 zu dieser Zeit in Calais lebenden Exilierten auszu\u00fcben\nund ihre Anwesenheit in den verschiedenen Teilen der Stadt zu regulieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Corona-Pandemie hat die Lage der Exilierten indessen\nkaum ver\u00e4ndert.<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn16\">[16]<\/a>&nbsp;W\u00e4hrend der beiden&nbsp;<em>Confinements<\/em>&nbsp;(Ausgangssperren)\nim Verlauf der ersten und zweiten Welle wurden die Bewohner*innen der Camps\nzwar von den Beh\u00f6rden \u00fcber Hygieneregeln,&nbsp;<em>social distancing<\/em>&nbsp;und\nAusgangsbeschr\u00e4nkungen unterrichtet, doch gingen die allt\u00e4glichen R\u00e4umungen,\ndie Zerst\u00f6rung von Zelten und die Wegnahme pers\u00f6nlichen Eigentums unver\u00e4ndert\nweiter. Auch massive Polizeigewalt wurde w\u00e4hrend dieser Phasen dokumentiert,\ndarunter die schwere Kopfverletzung eines eritreischen Mannes durch ein\nGummigeschoss am 11. November 2020.<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn17\">[17]<\/a>&nbsp;Gleichzeitig nutzten die Beh\u00f6rden\ndie Ausgangsbeschr\u00e4nkungen dazu, die Dokumentation solcher Eins\u00e4tze zu\nbehindern.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"680\" height=\"453\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Matratze-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-597\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Matratze-1.jpg 680w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Matratze-1-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 680px) 100vw, 680px\" \/><figcaption>Ein winziges sudanesisches Camp unter einer Br\u00fccke in Calais, aufgenommen am 03. Februar 2021. Auch dieses Camp ist von einer R\u00e4umung bedroht (Foto:&nbsp;Julia Druelle)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Rasch wurde deutlich, dass die Beh\u00f6rden in Calais nicht auf\ndie Pandemie vorbereitet waren, nicht auf angemessene Unterk\u00fcnfte zur\u00fcckgreifen\nkonnten und die zivilgesellschaftlichen Organisationen auf sich allein gestellt\nblieben. Eine Evakuierung erster Bewohner*innen des Jungle wurde daher erst f\u00fcr\nden 31. M\u00e4rz angesetzt, fand jedoch nach dem Bekanntwerden von f\u00fcnf\nInfektionsf\u00e4llen nicht statt. Im April folgte dann eine freiwillige und\nbefristete Unterbringung in eigens daf\u00fcr geschaffenen Unterk\u00fcnften au\u00dferhalb\nvon Calais mit einer Kapazit\u00e4t von 450 Pl\u00e4tzen, aus denen manche aber nach kurzer\nZeit wieder zur\u00fcckkehrten. W\u00e4hrenddessen hatte das Confinement einen teilweisen\nZusammenbruch der Versorgung mit Mahlzeiten zur Folge und f\u00fchrte kurzzeitig zu\nHungersituationen. Die zivilgesellschaftlichen Organisationen gingen nun zur\nVerteilung von Brennholz und Lebensmitteln zum Selbstkochen \u00fcber, w\u00e4hrend die\nim staatlichen Auftrag handelnde&nbsp;<em>La vie active<\/em>&nbsp;anstelle von\nMahlzeiten Lunchpakete verteilte. Aus Grande-Synthe, wo die Beh\u00f6rden \u00e4hnlich\nmit der Situation verfuhren, liegen Berichte \u00fcber katastrophale gesundheitliche\nSituationen zu Beginn der Pandemie vor. W\u00e4hrend des zweiten Confinement im\nHerbst richtete die Pr\u00e4fektur Anfang November 2020 erneut gesonderte\nUnterk\u00fcnfte ein, hinzu kamen Suchfahrten nach offensichtlich kranken Personen.\nZu Versorgungsengp\u00e4ssen wie im Fr\u00fchjahr kam es bis Jahresende 2020 nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\"><strong>Die Etablierung der Kanalroute<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Immer wieder hat es in den vergangenen zwanzig Jahren\nVersuche gegeben, den \u00c4rmelkanal in kleinen Booten oder sogar schwimmend zu\n\u00fcberqueren. Der Kinofilm&nbsp;<em>Welcome&nbsp;<\/em>von 2009 thematisierte dies\nam fiktiven Beispiel eines jungen Mannes, der nach intensivem Training einen\nSchwimmversuch unternimmt und stirbt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch war bis 2018 der Frachtverkehr der wichtigste\nMigrationspfad nach Gro\u00dfbritannien. Teils versuchten Exilierte einzeln oder in\nKleingruppen, ein Versteck in, auf oder unter einem Lastwagen oder einem Zug zu\nfinden. H\u00e4ufig dienten Verkehrsinfrastrukturen wie Rastpl\u00e4tze und Tankstellen\nhierf\u00fcr als Ausgangspunkte. Mit der zunehmenden Sekuritisierung der Verkehrswege\nwurden diese Anlagen geschlossen, verlegt oder umz\u00e4unt, was sie f\u00fcr die\nExilierten zu einem knappen Gut machte. Zum einen eigneten sich nun Gruppen und\nkommerzielle Schmuggler den Zugang zu solchen Orten an und forderten f\u00fcr den\nZugang Gegenleistungen, und zum anderen verlagerte sich das Geschehen entlang\nder Autobahnen weit in das Landesinnere, so beispielsweise an die Autobahn\nBr\u00fcssel-Oostende, in den Gro\u00dfraum L\u00fcttich und nach Luxemburg. Eine Variante\ndieser Migrationstechnik nutzt Verkehrsstaus an den Zufahrten zum Kanaltunnel\nund zu den H\u00e4fen oder erzeugt diese durch Hindernisse oder das Laufen auf die\nFahrbahn selbst. Eine der gef\u00e4hrlichsten Techniken war das Springen von Br\u00fccken\nauf fahrende Lastwagen. Immer wieder kam und kommt es in diesen Kontexten zu\nschweren Verletzungen und zu Todesf\u00e4llen auf der Fahrbahn, auf Bahnanlagen und\nin Frachtr\u00e4umen; unter den dokumentierten Todesf\u00e4llen sind dies die h\u00e4ufigsten\nTodesursachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Solche Techniken bedeuten auch, \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume viele\nvergebliche und riskante Versuche zu unternehmen und selbst hierf\u00fcr mitunter\nGeldzahlungen in H\u00f6he von einigen hundert Euro leisten zu m\u00fcssen. Eine\nAlternative bieten kommerziell angebotene Schleusungen, die beispielsweise\nmithilfe kooperierender Lastwagenfahrer*innen durchgef\u00fchrt werden und deren\nPreis meist mit rund 5.000 Euro angegeben wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Oktober 2018 begann eine neue Entwicklung, die in den\nfolgenden Jahren eine \u00e4hnlich hohe Dynamik entfalten sollte wie der Big Jungle\nin den Jahren bis Oktober 2016: die Zunahme von Bootspassagen. Zun\u00e4chst\npassierten vor allem iranische Exilierte \u2013 und zwar vor allem diejenigen, die\nauf dem Luft- und Landweg \u00fcber Serbien eingereist waren und daher nicht bereits\ndurch eine Schiffspassage traumatisiert waren \u2013 den \u00c4rmelkanal auf diese Weise.\nSie nutzten in erster Linie motorisierte Schlauchboote (<em>Dinghies<\/em>), die\nteils legal erworben und teils gestohlen worden waren. Vorbereitet wurden die\nPassagen teils durch kommerzielle Schmuggler f\u00fcr eine Summe in der\nGr\u00f6\u00dfenordnung von rund 3.000 bis 5.000 Euro, teils aber auch selbstorganisiert\nin Kleingruppen. Die franz\u00f6sischen Beh\u00f6rden reagierten bald, indem sie den\nVerkauf von Booten und nautischen Utensilien wie etwa Rettungswesten\nerschwerten und die \u00d6ffentlichkeit zur Meldung m\u00f6glicher Vorbereitungen\naufriefen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"511\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Schlauchboot_min-768x511-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-598\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Schlauchboot_min-768x511-2.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Schlauchboot_min-768x511-2-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption>Schlauchboot an einem Strand nahe Calais im Januar 2019 (Foto:&nbsp;Julia Druelle)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die exakte Zahl der Bootspassagiere wird in verschiedenen\namtlichen und medialen Quellen unterschiedlich angegeben. Fest steht, dass 2018\netwa 300 Menschen Gro\u00dfbritannien in Booten erreichten, rund 90 Prozent von\nihnen in den Monaten Oktober bis Dezember mit einem ersten H\u00f6hepunkt w\u00e4hrend\nder Weihnachtsfeiertage. In dieser Situation setzte eine populistische Kampagne\nbritischer Boulevardmedien und Politiker*innen ein, die die Ankunft dieser\nvergleichsweise wenigen Gefl\u00fcchteten als eine Invasion darstellten und damit\nein wirkm\u00e4chtiges Narrativ des britischen Nationalismus ansprachen. Der damalige\nInnenminister Sajid Javid wertete die Bootspassagen als \u201emajor incident\u201c und\nbeorderte zwei Patrouillenboote der Border Force vom Mittelmeer in den\n\u00c4rmelkanal, w\u00e4hrend das Verteidigungsministerium f\u00fcr die Zeit bis zu ihrem\nEintreffen ein Kriegsschiff bereitstellte.<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn18\">[18]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Am 24. Januar 2019 unterzeichneten Javid und sein\nfranz\u00f6sischer Amtskollege Christophe Castaner in London einen&nbsp;<em>Joint\naction plan [\u2026] on combatting illegal migration involving small boats in the\nEnglisch Channel.<\/em><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn19\">[19]<\/a>&nbsp;Der Plan regelte die Zusammenarbeit\nbeider Staaten bei search- and rescue-Operationen und bei der Luft\u00fcberwachung.\nGro\u00dfbritannien stellte Frankreich Gelder f\u00fcr \u00dcberwachungsanlagen und\nPatrouillen auf See, an den Str\u00e4nden und im K\u00fcstengebiet zur Verf\u00fcgung.\nAu\u00dferdem zielte der Plan auf die schnelle Abschiebung einer m\u00f6glichst hohen\nZahl von Bootsmigrant*innen nach Frankreich. Die Vorstellung, k\u00fcnftige\nBootspassagiere durch eine umgehende Abschiebung abschrecken zu k\u00f6nnen, hat die\nbritische Politik seither durchzogen und sollte von Javids Nachfolgerin Priti\nPatel zur Forderung nach Pushbacks auf See radikalisiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Laufe des Jahres 2019 sollten sich die Bootspassagen als\neffektivster Migrationspfad durchsetzen: Insgesamt gelang sie je nach Quelle\nzwischen 1.800 und 2.000 Personen und lag damit um ein Vielfaches \u00fcber dem\nVorjahr. Zu Beginn dieser Entwicklung kam es au\u00dferdem zu einem singul\u00e4ren\nGro\u00dfereignis: Am 2. M\u00e4rz 2019 st\u00fcrmten zwischen 100 und 200 Bewohner*innen des\nJungle auf das Gel\u00e4nde des Calaiser F\u00e4hrhafens und gelangten teils auf eine\nF\u00e4hre. Das Ereignis wurde weder von Journalist*innen, noch von lokalen\nInitiativen dokumentiert. W\u00e4hrend die Beh\u00f6rden es kurzerhand Schleusern\nzuschoben, beschrieb ein beteiligter Aktivist aus dem Jungle es uns gegen\u00fcber\nals eine politische Protestaktion, in deren Verlauf die Leute spontan die\nGelegenheit wahrgenommen h\u00e4tten, auf die zuf\u00e4llig offene F\u00e4hre zu gelangen.\nDabei w\u00e4ren einige Menschen durch St\u00fcrze in das aufgew\u00fchlte Wasser in\nLebensgefahr geraten, w\u00e4hrend einzelne es entgegen den Angaben der Beh\u00f6rden auf\ndie Insel geschafft h\u00e4tten. Relevant ist dieses Ereignis vor allem deshalb, weil\ndas Grenzregime hier \u2013 wenn auch punktuell \u2013 an einem der am st\u00e4rksten\nbefestigten und \u00fcberwachten Orte \u00fcberhaupt in einer kollektiven Aktion\ndurchbrochen werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des Jahres 2020 erreichten zwischen 8.400 und 8.700\nMenschen Gro\u00dfbritannien in kleinen Booten, womit die Gesamtzahl seit 2018 auf\nknapp 11.000 ansteigt. Auch wenn dies nur einen vergleichsweise kleinen Teil\nder Einwanderung nach Gro\u00dfbritannien ausmacht (wo 2020 knapp 45.000 Asylantr\u00e4ge\ngestellt wurden), wurde die externalisierte Grenze damit in einem bislang nicht\ndagewesenen Ma\u00dfe unterlaufen. Nahezu monatlich meldeten die britischen Medien\nneue Monats- und Tagesrekorde, mit einem Maximum von knapp 2.000 erfolgreichen\nPassagen im September bzw. 416 Personen in 28 Booten am 2. September. Zugleich\nlag die Zahl der monatlichen Passagen mit Ausnahme des Dezembers stets \u00fcber dem\njeweiligen Vor- und Vorvorjahresmonat. Waren die Bootspassagen zu Anfang vor\nallem eine Angelegenheit iranischer Migrant*innen gewesen, so waren es nun\nMenschen aus sehr verschiedenen Herkunftsl\u00e4ndern, darunter dem Jemen und\nverschiedenen westafrikanischen Staaten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der wichtigste Grund f\u00fcr die Dynamisierung der Kanalroute\nwar sehr wahrscheinlich die au\u00dfergew\u00f6hnlich gro\u00dfe Erfolgsaussicht bei\nvergleichsweise geringem Risiko. Alle verf\u00fcgbaren Daten \u00fcber das Verh\u00e4ltnis\ngelungener und unterbundener Passagen zeigen: Mehr als die H\u00e4lfte der\n\u00dcberfahrten, vermutlich sogar rund 70 Prozent, ist erfolgreich, und auch die\nChance, durch ein anschlie\u00dfendes Asylverfahren ein Bleiberecht in\nGro\u00dfbritannien zu erhalten, ist ungeachtet der Abschiebedrohungen gut. Zugleich\nist die Wahrscheinlichkeit, w\u00e4hrend einer Bootspassage zu sterben, geringer als\netwa im Mittelmeer oder bei Versuchen, auf Lastwagen oder Z\u00fcgen nach\nGro\u00dfbritannien zu gelangen. Als weitere Gr\u00fcnde f\u00fcr den Anstieg der\nBootspassagen werden die Verringerung des Frachtverkehrs w\u00e4hrend der ersten\nWelle der Corona-Pandemie im Fr\u00fchjahr 2020 und g\u00fcnstige Wetterbedingungen\ngenannt. Die \u00dcberfahrten werden zudem durch die Topographie der franz\u00f6sischen\nKanalk\u00fcste erleichtert, die in einem Bereich von etwa 150 Kilometern zwischen\nBoulogne-sur-Mer und Dunkerque ein verstecktes Ablegen beg\u00fcnstigt, da sie nur\nmit hohem personellem und technischem Aufwand zu \u00fcberwachen ist. Die vergleichsweise\ngeringe Zahl von Todesf\u00e4llen ist auch das Verdienst verl\u00e4sslich arbeitender\nK\u00fcstenwachen. Lokalzeitungen im Raum Calais berichteten zeitweise w\u00f6chentlich\n\u00fcber die Rettung von Migrant*innen, die oft schon kurz nach dem Ablegen in\nLebensgefahr geraten waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch bergen die Bootspassagen aufgrund des dichten\nSchiffsverkehrs im \u00c4rmelkanal, der starken Str\u00f6mungen, des h\u00e4ufigen Nebels und\nder geringen Wassertemperaturen hohe Risiken. Dies gilt vor allem dann, wenn\nMenschen auf ungeeignete Boote, Kinderschlauchboote, Eigenkonstruktionen aus\nSurfbrettern oder Schwimmversuche ausweichen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"576\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Schiffsmodell-min-768x576-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-599\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Schiffsmodell-min-768x576-2.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Schiffsmodell-min-768x576-2-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption>Installation an einem Friseursalon im Big Jungle (2016): Schiff mit leeren CS-Gas-Kartuschen (Foto: Th. M\u00fcller)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In den Jahren 2018 bis 2020 sind dreizehn Todesf\u00e4lle<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn20\">[20]<\/a>&nbsp;bekannt geworden: Am 9. August 2019\nst\u00fcrzte die iranische Doktorandin Mitra Mahrad bei einer Bergungsaktion ins\nMeer und ertrank. Am 18. August 2019 wurde am belgischen Offshore-Windpark\nThorntonback der Leichnam von Niknam Massoud aus dem Irak gefunden, der mit\neinem aus leeren Plastikflaschen gebauten Schwimmk\u00f6rper versucht hatte, den\nKanal zu durchschwimmen. Am 14. Oktober 2019 entdeckte man am Strand von Le\nTouquet (Pas-de-Calais) die Leichen von Hussein Mufaq Hussein und Soran Jamal\nJalal, die mit einem Schlauchboot verungl\u00fcckt waren. Am 5. September 2020 starb\ndas neugeborene Kind Aleksandra H. an perinataler Anoxie, nachdem ihre\nschwangere Mutter, wie diese 2021 in einem offenen Brief schrieb, vor dem\nAblegen des Bootes festgenommen worden war, trotz entsprechender Bitten an die\nPolizei stundenlang keine medizinische Hilfe erhalten habe und das Krankenhaus,\ndas sie sp\u00e4ter behandelte, eine Notgeburt einleiten musste, das Kind aber nicht\nmehr retten konnte. Am 19. August 2020 wurde Abdulfatah Hamdallah ertrunken am\nStand von Sangatte bei Calais gefunden. Gemeinsam mit einem Freund, der\n\u00fcberlebte, hatte er den Kanal in einem Kinderschlauchboot mit Schaufeln als\nRuder \u00fcberqueren wollen. Am 18. Oktober 2020 fand man ebenfalls in Sangatte die\nLeiche von Behzad Bagheri-Parvin aus dem Iran, der den Kanal allein hatte\n\u00fcberqueren wollen. Der bislang gr\u00f6\u00dfte Unfall geschah am 27. Oktober 2020 vor\nLoon-Plage: Dort ertranken sieben irakische Kurd*innen aus den Camps von\nGrande-Synthe bei Dunkerque. Unter ihnen war die f\u00fcnfk\u00f6pfige Familie von Rasul\nIran Nezhad und Shiva Mohammad Panahi mit ihren Kindern Anita (9 Jahre), Armin\n(6 Jahre) und Artin (15 Monate). Diese Todesf\u00e4lle wurden und werden von der britischen\nRegierung regelm\u00e4\u00dfig instrumentalisiert, um eine \u201eSchlie\u00dfung\u201c der Kanalroute\neinzufordern und die bestehende Grenzpolitik zu legitimieren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"720\" height=\"480\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Dover1_ohne-Gesichter-2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-600\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Dover1_ohne-Gesichter-2.png 720w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Dover1_ohne-Gesichter-2-300x200.png 300w\" sizes=\"(max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><figcaption>Ankunft von Gefl\u00fcchteten im Hafen von Calais nach der Bergung durch die Border Force (Foto: Daniel Zylbersztajn-Lewandowski, 2020)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Sommer 2020 wurden die&nbsp;<em>Channel migrants<\/em>&nbsp;zu\neinem vorherrschenden Thema der britischen Innenpolitik. Der\nrechtspopulistische Politiker Nigel Farage kreuzte auf dem Kanal, um die\nvermeintliche Invasion der Insel zu dokumentieren. An der englischen Kanalk\u00fcste\npatrouillierten Kleingruppen mit teils rechtsextremem Hintergrund, und\nbritische Jurist*innen, die erfolgreich gegen Abschiebungen von Channel\nmigrants intervenierten, wurden als \u201eactivist lawyers\u201c zur Zielscheibe medialer\nund politischer Kampagnen, die am 7. September in einer Messerattacke auf einen\nAnwalt gipfelten. Zugleich jedoch wurden die Boote zum Bezugspunkt\nsolidarischer Politik, die sich etwa in den Initiativen&nbsp;<em>Watch the\nChannel<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>Channel Rescue<\/em>&nbsp;\u00e4u\u00dfert. Letztere zielt\nperspektivisch auf die Bereitstellung eines privaten Schiffes, um das Handeln\nder staatlichen Beh\u00f6rden im Kanal, insbesondere bef\u00fcrchtete Pushbacks,\ndokumentieren und im Bedarfsfall unmittelbar Hilfe leisten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehrere britische Medien berichteten Anfang Oktober 2020 von\n\u00dcberlegungen im britischen Innenministerium, Pushbacks auf See durchzuf\u00fchren\nund Boote durch eine schwimmende Barriere in der Mitte des \u00c4rmelkanals oder\nsogar durch den Einsatz einer Wellenmaschine am Eindringen in britische\nGew\u00e4sser zu hindern. Erfolgreiche Bootspassagiere sollten in diesen\nGedankenspielen nach dem Vorbild der australischen \u201ePacific solution\u201c an\nentlegenen Orten interniert werden, genannt wurden Inseln im S\u00fcdatlantik oder\nehemalige Bohrplattformen. Solche Szenarien machten Radikalisierungsprozesse\nder britischen Migrationspolitik deutlich, allerdings in extremer Verzerrung:\nein \u201eGrenzregime auf Stereoiden\u201c,<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn21\">[21]<\/a>&nbsp;wie der Journalist Tobias M\u00fcller es\ncharakterisierte.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrenddessen verhandelte die britische Regierung mit\nFrankreich \u00fcber weitere bilaterale Ma\u00dfnahmen. Gro\u00dfbritannien \u00fcbte nach eigenen\nAngaben erheblichen Druck aus, um die erforderliche Zustimmung Frankreichs zu\nPushbacks auf See durchzusetzen, scheiterte aber u.a. an franz\u00f6sischen Zweifeln\nan deren Rechtm\u00e4\u00dfigkeit. Als Patel und Darmanin am 12. Juli 2020 \u2013 im Anschluss\nan die R\u00e4umung des Jungle \u2013 in Calais ein weiteres Abkommen unterzeichneten,\nregelte dieses lediglich die \u201ecreation of a Franco-British intelligence unit on\nthe issue of migration\u201c<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn22\">[22]<\/a>&nbsp;Die Vereinbarung erg\u00e4nzte bereits\nbestehende Strukturen grenzpolizeilicher Zusammenarbeit und umfasste den\nEinsatz von zw\u00f6lf zus\u00e4tzlichen Beamt*innen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine neue Vereinbarung vom 28. November 2020 ging erheblich\nweiter.<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn23\">[23]<\/a>&nbsp;Sie sagt Frankreich weitere\nbritische Zahlungen in H\u00f6he von 31,4 Millionen Euro zu und zielt auf eine\nVerdopplung der franz\u00f6sischen Landpatrouillen zwischen Boulogne, Calais und\nDunkerque, eine weitere Aufstockung der Strafverfolgungskapazit\u00e4ten und eine\nweitere technische Aufr\u00fcstung (\u201erolling out a new wave of cutting-edge\nsurveillance and detention technology\u201c, \u201eincluding drones, radar equipment,\noptronic binoculars and fixed cameras\u201c), um Boote bereits vor dem Ablegen zu\nidentifizieren. Als Ziel dieser Ma\u00dfnahmen nannte Patel \u201eto eliminate the small\nboats phenomenon\u201c, also die vollst\u00e4ndige Schlie\u00dfung der Kanalroute.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach und nach vollzog sich nun also eine Sekuritisierung der\nSeegrenze, in der nationale britische und bilaterale Ma\u00dfnahmen ineinander\ngriffen. Die britischen Migrationsforscher Thom Tyerman und Travis Van Isacker\nfassen die Hauptlinie dieser Entwicklung im Oktober 2020 zusammen. Demnach\nmanifestiert sie sich<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201e[\u2026] vor allem in der offensichtlichen Militarisierung\ndes Kanals unter dem Ex-Marine Dan O\u2018Mahoney in der neuen Rolle des Clandestine\nChannel Threat Commander. Eine Flotte aus K\u00fcstenpatrouilleschiffen der Border\nForce und Zollschiffen koordiniert sich derzeit mit ihren Kolleg*innen von den\nfranz\u00f6sischen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden und mit nationalen K\u00fcstenwachen auf\nbeiden Seiten des Kanals, um die Boote der Migrant*innen so schnell wie m\u00f6glich\nabzufangen. Franz\u00f6sische Marine-Kriegsschiffe sind im Einsatz, wenn Royal Navy\nund Border Force gemeinsame \u00dcbungen abhalten. Drohnen der privaten\nVerteidigungsfirma Tekever (die bald von Elbit ersetzt wird) und des Verteidigungsministeriums\nerm\u00f6glichen neben Eins\u00e4tzen von Flugzeugen der Royal Air Force eine st\u00e4ndige\nLuft\u00fcberwachung. Zus\u00e4tzlich zur Lokalisierung von Booten, die gerettet werden\nm\u00fcssen, zeigt ein Werbevideo des Innenministeriums, dass das von diesen Drohnen\naufgenommene Filmmaterial genutzt wird, um Asylsuchende zu kriminalisieren und\nReisende, die ihre Boote steuern, wegen \u201eErm\u00f6glichen der illegalen Einreise\u201c zu\nverurteilen.\u201c<\/em><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn24\">[24]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig versuchte Gro\u00dfbritannien, das Scheitern einer\nPushback-Vereinbarung mit Frankreich durch die forcierte Abschiebung von\nChannel crossers zu kompensieren. Unter dem Namen \u201eOperation Sillath\u201c bereitete\ndas Innenministerium Sammelabschiebungen von Channel crossers nach Frankreich,\nDeutschland, Italien,&nbsp;Spanien&nbsp;und in andere Drittl\u00e4nder vor.\nRecherchen der Initiative Corporate Watch zeigen,<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn25\">[25]<\/a>&nbsp;dass den Betroffenen zuvor der\nZugang zu Rechtsmitteln erschwert worden war. Mehrfach wehrten sich die\nBetroffenen durch Selbstverletzungen und Suizidversuche gegen Abschiebung, die\ndann gewaltsam und mit einem grotesken Aufwand an Sicherheitspersonal\ndurchgef\u00fchrt wurden. In anderen F\u00e4llen gelang es Anw\u00e4lt*innen, die\nAbschiebefl\u00fcge in letzter Minute zu stoppen. Die Abschiebungen erfolgten auf\nder Basis der Dublin-Regelungen der EU, die f\u00fcr Gro\u00dfbritannien jedoch nur noch\nbis zum Ende der Brexit-\u00dcbergangsphase am 31. Dezember 2020 galten. Von 1.000\nim August angek\u00fcndigten \u201eSillath\u201c-Abschiebungen d\u00fcrfte nur ein Teil tats\u00e4chlich\nrealisiert worden sein. Die erhoffte Abschreckungswirkung auf potenzielle\nBootspassagiere ist wahrscheinlich zu keinem Zeitpunkt eingetreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zugleich zeigt der Umgang mit denen, die in Gro\u00dfbritannien\nAsyl beantragen, dass das&nbsp;<em>hostile environment<\/em>-Konzept auch im\nInneren nach wie vor ma\u00dfgeblich ist. Ein eindringliches Beispiel ist die\nUnterbringung von insgesamt mehr als 600<em>&nbsp;Channel crossers&nbsp;<\/em>in\nzwei ehemaligen Kasernen ab dem Herbst 2020.<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn26\">[26]<\/a>&nbsp;Sowohl die Penally-Kaserne nahe des\nwalisischen Tenby als auch die Napier barracks bei Folkestone sind seither\nwegen vollkommen unzureichender Bedingungen in den Schlagzeilen. Ein Report des\nbritischen Roten Kreuzes h\u00e4lt basierend auf Interviews in der Penally-Kaserne\nfest, dass milit\u00e4rische Einrichtungen wegen der traumatischen Erfahrungen\nvieler Gefl\u00fcchteter in solchen Umgebungen vollkommen ungeeignet sind.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Napier barracks spitzte sich die Lage in k\u00fcrzester\nZeit zu: Innerhalb von vier Monaten kam es dort zu mehreren Protesten und\nHungerstreiks, zu Suizidversuchen und einem Gro\u00dfbrand. Erschwerend hinzu kommt,\ndass diese Art von Unterk\u00fcnften nicht \u00fcber ausreichend sanit\u00e4re und\nmedizinische Standards verf\u00fcgt und in Zeiten der Corona-Pandemie nicht mit\nsocial distancing- Regeln vereinbar ist. Ein Covid-Ausbruch in den Napier\nbarracks Anfang 2021 unterstreicht dies in drastischer Weise: Von 415 Bewohnern\nwaren mehr als 120 infiziert. Nach Angaben des Kent Refugee Action Network sei\ndas Einhalten des n\u00f6tigen Abstands nur bei einer Belegung mit bis zu 150\nPersonen m\u00f6glich gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist absehbar, dass die Kanalroute weiterhin frequentiert\nwerden wird. Ihre Sekuritisierung d\u00fcrfte einerseits den Markt f\u00fcr kommerzielle\nSchleusungen ausweiten und Menschen andererseits zur Improvisation bewegen, so\nwie es beispielsweise Abdulfatah Hamdallah mit seinem Spielzeugboot und Niknam\nMassoud mit seiner Konstruktion aus Plastikflaschen getan hatten. Sollte die\nerh\u00f6hte Kontrolldichte zwischen Boulogne, Calais und Dunkerque zu einer\nr\u00e4umlichen Verlagerung f\u00fchren, so werden die Boote um ein Vielfaches l\u00e4ngere\nund damit riskantere Strecken zur\u00fccklegen m\u00fcssen. Auch ein verst\u00e4rkter\nR\u00fcckgriff auf Verstecke in Lastwagen d\u00fcrfte das Risiko von Todesf\u00e4llen erh\u00f6hen.\n\u201eWeit davon entfernt, die Bootspassagen zu verhindern, Leben zu retten oder\nAusbeutung zu beenden, hat diese Art der Grenz-Sekuritisierung [\u2026] den\ngegenteiligen Effekt,\u201c<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn27\">[27]<\/a>&nbsp;res\u00fcmieren Tyerman und Van Isacker.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\"><strong>Das Grenzregime und der Brexit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>In den vergangenen Jahren wurde viel dar\u00fcber spekuliert, welche\nAuswirkungen der Brexit auf die Exilierten von Calais haben werde. Im\nMittelpunkt stand dabei die Erwartung, dass verst\u00e4rkte Grenz- und\nZollkontrollen an den H\u00e4fen und am Kanaltunnel zu enormen R\u00fcckstaus auf den\nAutobahnen f\u00fchren w\u00fcrden, die wiederum gute Migrationsgelegenheiten bieten und\nzugleich eine weitere Sekuritisierung der Verkehrswege legitimieren w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die Vereinbarung einer \u00dcbergangsphase zwischen dem\neigentlichen EU-Austritt am 31. Januar 2020 und dem 31. Dezember 2020\nverschoben sich die m\u00f6glichen Effekte des Brexit auf den Jahresbeginn 2021. In\nErwartung eines No-Deal-Szenarios kam es jedoch bereits ab Oktober 2020 zu\neinem erh\u00f6hten Frachtaufkommen, weil Unternehmen m\u00f6glichen Z\u00f6llen zuvorkommen,\nb\u00fcrokratische Verfahren vermeiden und erwartete Versorgungsengp\u00e4sse durch das\nAnlegen von Vorr\u00e4ten abfedern wollten. Von Oktober bis Dezember 2020 kam es in\nCalais daher tats\u00e4chlich zu den erwarteten Staus, die von Gefl\u00fcchteten dann\nauch f\u00fcr ihre Weiterreise genutzt wurden. Bei Fort Nieulay, einer historischen\nFestung unweit der Zufahrt von der Autobahn A 16 zu den Verladeanlagen des\nKanaltunnels, bildeten sich Camps als Ausgangspunkte f\u00fcr diesen Migrationspfad.\nDie Beh\u00f6rden reagierten mit R\u00e4umungen, vor allem aber mit physischer Gewalt, CS-Gas\nund dem Einsatz von Hunden gegen Exilierte auf oder an der Autobahn.<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn28\">[28]<\/a>&nbsp;Am 19. November starb dort der\njunge Sudanese Mohamed Khamisse Zakaria, dessen Weggef\u00e4hrten sp\u00e4ter erkl\u00e4rten:\n\u201eMohamed died hit by a car while he was trying to escape the police gas from\nthe back of a truck, vehicle of his desire to reach England as soon as\npossible.\u201c<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn29\">[29]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Was aber bedeutet der Brexit f\u00fcr das Grenzregime als solches?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"512\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Faehrhafen-min_2-768x512-2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-601\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Faehrhafen-min_2-768x512-2.png 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Faehrhafen-min_2-768x512-2-300x200.png 300w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption>Hochsicherheitsz\u00e4une am F\u00e4hrhafen von Calais (Foto: Th. M\u00fcller)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein Blick auf dessen Geschichte zeigt, dass dieses ohnehin\nweniger auf europ\u00e4ischem Recht, als vielmehr auf bilateralen Vereinbarungen\nzwischen Gro\u00dfbritannien und Frankreich beruht, die bei Bedarf durch\nVereinbarungen mit Belgien erg\u00e4nzt werden. Au\u00dferdem zeigt sich, dass das\nGrenzregime bis 2019 auf die Migration mithilfe der Verkehrsinfrastrukturen an\nLand zugeschnitten war, nicht jedoch auf die See. Offenbar hatte niemand mit\nder Etablierung der Kanalroute gerechnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Historischer Ausgangspunkt der bilateralen Regelungen war\ndie Projektierung des Kanaltunnels, der zum ersten Mal eine \u201atrockene\u2018 Grenze\nunterhalb des Meeres entstehen lie\u00df. Im Vertrag von Canterbury vom 12. Februar\n1986<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn30\">[30]<\/a>&nbsp;regelten beide Staaten u.a. die\nvorgelagerte Kontrolle dieser neuen Grenze vor den Tunnelzufahrten des jeweils\nanderen Staates, also die Externalisierung der britischen Kontrollen auf\nfranz\u00f6sisches Territorium und umgekehrt. Vor der Er\u00f6ffnung des Tunnels regelte\ndas Protokoll von Sangatte am 25. November 1991<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn31\">[31]<\/a>&nbsp;die genauen Verfahrensabl\u00e4ufe f\u00fcr\ndie Shuttlez\u00fcge. Ein Zusatzprotokoll von Sangatte (25. Mai 2000)<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn32\">[32]<\/a>&nbsp;und der Vertrag von Le Touquet (4.\nFebruar 2003)<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn33\">[33]<\/a>&nbsp;weiteten die Kontrollen auf die\nAbfahrtbahnh\u00f6fe der Eurostar-Z\u00fcge in Calais, Paris und Lille bzw. auf die\nfranz\u00f6sischen F\u00e4hrh\u00e4fen an der Kanal- und Nordseek\u00fcste aus. Ein trilaterales\nTreffen am 26. September 2002 in Zeebrugge bezog die belgischen H\u00e4fen und den\nBr\u00fcsseler Abfahrtbahnhof der Eurostar-Z\u00fcge in dieses System ein. Beginnend mit\ndem F\u00e4hrhafen von Calais setzte ab 2000 die Fortifikation der Verkehrsanlagen\nein, deren Kosten bis heute haupts\u00e4chlich Gro\u00dfbritannien tr\u00e4gt. Auf dem\nfranz\u00f6sisch-britischen Gipfel in Evian folgte am 7. Juli 2009 ein\nVerwaltungsabkommen,<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn34\">[34]<\/a>&nbsp;das auf die Institutionalisierung\nder grenzpolizeilichen Zusammenarbeit zur Bek\u00e4mpfung der Migration und bei\nErmittlungen gegen Schmuggler zielte. In der Folge entstand eine Struktur\ngemeinsamer Lagezentren, Kommunikationsplattformen und operativer Einheiten mit\ndirekten Kommunikationswegen zu den jeweiligen Innenminister*innen und neuen Finanzierungsinstrumenten.\nVerschiedene gemeinsame Erkl\u00e4rungen der Jahre ab 2014, insbesondere das\nPapier&nbsp;<em>Managing Migratory Flows in Calais&nbsp;<\/em>(25. August 2015)<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn35\">[35]<\/a>&nbsp;aus der Zeit des Big Jungle,\nbelegen eine intensive strategische Abstimmung selbst in scheinbar\nuntergeordneten Bereichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Kontext der Verhandlungen \u00fcber das Austrittsabkommen\nGro\u00dfbritanniens mit der EU best\u00e4tigten beide Staaten diese F\u00fclle von\nVereinbarungen mit der Unterzeichnung des Vertrags von Sandhurst am 18. Januar\n2018.<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn36\">[36]<\/a>&nbsp;Der Vertrag weitete das gemeinsame\nHandlungsfeld abermals aus und begriff es als Element eines viel umfassenderen\n\u201eGrenzmanagements\u201c, das eine Vielzahl sicherheitspolitischer Funktionen von der\nSicherung der vitalen Verkehrsstr\u00f6me bis zur Bek\u00e4mpfung von Terrorismus\numfasste. Bis zu diesem Zeitpunkt konzentrierten sich die Vereinbarungen\nausschlie\u00dflich auf festes Land. Die ab 2019 folgenden Vereinbarungen zur\nBek\u00e4mpfung der Bootspassagen stellen eine Ausweitung des terrestrischen\nGrenzregimes auf die See dar, beinhalten jedoch, wie oben gezeigt, weiterhin\nauch Ma\u00dfnahmen an Land.<\/p>\n\n\n\n<p>Da es auf solchen zwischenstaatlichen Vereinbarungen beruht,\nist das Grenzregime durch den Brexit nicht unmittelbar ber\u00fchrt. Die\nTransformation einer innereurop\u00e4ischen Grenze zur EU-Au\u00dfengrenze tangiert die\nExilierten aber sehr wohl indirekt. So l\u00e4sst sich das britische Politik\ngegen\u00fcber den Channel migrants nicht nur als Reaktion auf eine Entstehung der\nKanalroute, sondern auch als Vorbereitung auf die Zeit nach dem Brexit deuten.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere Auswirkung des Brexit auf die Grenze zeigte\nsich in einem Verkehrsmanagementplan der franz\u00f6sischen Beh\u00f6rden.<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn37\">[37]<\/a>&nbsp;Um in der kritischen Phase der\nzahlreichen Staus die Zufahrten zu den F\u00e4hrh\u00e4fen und zum Kanaltunnel zu\nentlasten, wurden Lastwagen nun bereits an weniger neuralgischen\nAutobahnabschnitten im Vorfeld kontrolliert und zur\u00fcckgehalten. Eine\nVoraussetzung f\u00fcr diese Vorverlagerung der Frachtkontrollen bilden\n\u201eintelligente\u201c, also digitalisierte, Grenztechnologien, deren Implementierung\ndurch den Brexit forciert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die wichtigste Auswirkung d\u00fcrfte auf dem Gebiet des\nbritischen Asylrechts erfolgen. Im Dezember 2020 kompensierte die Regierung den\nbevorstehenden Wegfall der Dublin-Abschiebungen durch eine \u00c4nderung der\nVerfahrensvorschriften f\u00fcr das britische Asylgesetz.<a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftn38\">[38]<\/a>&nbsp;Sie schuf damit eine Grundlage,\num&nbsp;<em>Channel crossers<\/em>&nbsp;und andere vom europ\u00e4ischen Festland her\neinreisende Migrant*innen aus dem Asylverfahren ausschlie\u00dfen und sie sogar in\nsolche Drittstaaten abschieben zu k\u00f6nnen, die diese \u00fcberhaupt nicht passiert\nhatten. Da die erforderlichen Abkommen mit Drittstaaten jedoch fehlen, bedeutet\ndie Neuregelung zun\u00e4chst eine Schw\u00e4chung des Rechtsstatus der Migrant*innen im\nAnerkennungsverfahren. Allerdings ist zu erwarten, dass Gro\u00dfbritannien in der\nPost-Brexit-Phase ein System entsprechender R\u00fcck\u00fcbernahmeabkommen mit\nFrankreich und anderen EU-Staaten auszuhandeln versuchen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Blick auf die Bootspassagen hatte die britische\nRegierung das nationalistische Narrativ eines Kontrollverlusts \u00fcber die Grenze\nangesprochen und das Bild eines \u201ezerbrochenen\u201c Asylsystems entworfen. Diese\nRhetorik bewegte sich auf der Linie konservativer Brexiteers. Wie der Brexit\nselbst erschienen nun auch die Schlie\u00dfung der Kanalroute und die Neufassung des\nAsylrechts als Akte zur Wiederherstellung nationaler Souver\u00e4nit\u00e4t.\nAnk\u00fcndigungen eines radikal ver\u00e4nderten Asylrechts f\u00fcr die Post-Brexit-Phase\ndurchzogen die Statements Patels zur vermeintlichen Migrationskrise im\n\u00c4rmelkanal. Was ein solches k\u00fcnftiges Asylrecht beinhalten und was es f\u00fcr die\nMigrant*innen in den Calaiser Camps bedeuten wird, ist noch offen. Es d\u00fcrfte\njedoch sicher sein, dass die Produktion einer \u201ehostile environment\u201c im\nfranz\u00f6sischen Grenzraum ein stillschweigendes und inhumanes, aber essentielles\nKernelement des \u201eGrenzmanagements\u201c bleiben wird. Die Grenze wird weiter\nexpandieren, beenden wird sie die Migration nicht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"510\" src=\"http:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Leute-unter-Plane-768x510-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-602\" srcset=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Leute-unter-Plane-768x510-2.jpg 768w, https:\/\/peopleandspomeniks.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Leute-unter-Plane-768x510-2-300x199.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption>Eine Gruppe junger M\u00e4nner aus dem Irak trinkt Tee unter einer Plane. Sie sagen \u201eWe feel so bad here. We\u2019re lacking everything: clothes, tents, wood for the fire, food, \u2026 What shall we do?\u201c. Aufgenommen am 08. Feburar 2021 in Grande-Synthe (Foto:&nbsp;Julia Druelle)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Fu\u00dfnoten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref1\">[1]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Hierzu liegen\nzahlreiche meist franz\u00f6sisch- und englischsprachige Ver\u00f6ffentlichungen vor. Den\numfassendsten \u00dcberblick gibt: Michel Agier et al: La Jungle de Calais, Les\nmigrants, la fronti\u00e8re et le camp, Paris, PUF, 2018 (engl.: The Jungle, Calais\u2019\ncamps and migrants, Cambridge, Polity, 2019; dt.: Der \u201eDschungel von Calais\u201c,\n\u00dcber das Leben in einem Fl\u00fcchtlingslager, Bielefeld, Transcript, 2020). Eine\nunverzichtbare elektronische Quelle f\u00fcr den Zeitraum ab 2015 ist der Blog&nbsp;<a href=\"https:\/\/passeursdhospitalites.wordpress.com\/\">https:\/\/passeursdhospitalites.wordpress.com\/<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref2\">[2]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.lavoixdunord.fr\/920400\/article\/2021-01-15\/calaisis-pour-empecher-les-intrusions-de-migrants-de-nouvelles-grilles-posees\">https:\/\/www.lavoixdunord.fr\/920400\/article\/2021-01-15\/calaisis-pour-empecher-les-intrusions-de-migrants-de-nouvelles-grilles-posees<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref3\">[3]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Todesf\u00e4lle\nwerden systematisch durch die Gruppe GISTI dokumentiert, die im Herbst 2020\neine Studie vorlegte:&nbsp;<a href=\"https:\/\/irr.org.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Deadly-Crossings-Final.pdf\">https:\/\/irr.org.uk\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Deadly-Crossings-Final.pdf<\/a>.\nDarin sind 296 Todesf\u00e4lle aufgef\u00fchrt. Nach der Ver\u00f6ffentlichung wurden zwei\nweitere Todesf\u00e4lle im Jahr 2020 bekannt. Au\u00dferdem wurde Anfang 2021 im Hafen\nvon Calais eine bereits stark verweste Leiche gefunden. Da es sich mit hoher\nWahrscheinlichkeit um einen Migranten handelt, wurde dies als weiterer\nTodesfall f\u00fcr den Zeitraum bis 2020 eingerechnet. Von einem Dunkelfeld ist\nauszugehen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref4\">[4]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Neben dem bereits\ngenannten Buch von Michel Agier siehe auch: Samuel Lequette \/ Delphine Le\nVergos (Hrsg.): D\u00e9camper, De Lampedusa \u00e0 Calais, un livre de textes et d\u2019images\n&amp; un disque pour parler d\u2019une terre sans accueil, Paris, La D\u00e9couverte,\n2016; Marie Godin et al: Voices from the Jungle, Stories from the Calais\nregugee camp, London, Pluto Press, 2017; Thomas M\u00fcller \/ Uwe Schl\u00fcper: Dynamiken\nder Jungles, Calais und das europ\u00e4isch-britische Grenzregime, M\u00fcnchen:\nbordermonitoring, 2018; Dan Hicks \/ Sarah Mallet: La Lande, The Calais \u201aJungle\u2018\nand Boyond, Bristol, Bristol University Press, 2019. Zu solidarischer Politik\nim Vergleich Athen-Calais vgl. auch Natasha King: No borders, The politics of\nimmigration control and resistance, London, Zed Books, 2016.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref5\">[5]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. Agier et al,\na.a.O., S. 129-133, 195-199; Siehe auch Thomas M\u00fcller u. Sascha Zinflou: Die\nUrbanit\u00e4t des Jungle, Calais und die M\u00f6glichkeit einer migrantischen Stadt, in;\nmovements 2\/2018, S. 129-160.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref6\">[6]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/refugee-rights.eu\/reports\/the-long-wait\">https:\/\/refugee-rights.eu\/reports\/the-long-wait<\/a>&nbsp;und&nbsp;<a href=\"https:\/\/refugee-rights.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/RRE_UnsafeBorderlands.pdf\">https:\/\/refugee-rights.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/RRE_UnsafeBorderlands.pdf<\/a>.\nVgl. auch die Folgestudien&nbsp;<a href=\"https:\/\/refugee-rights.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/RRE_StillWaiting.pdf\">https:\/\/refugee-rights.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/RRE_StillWaiting.pdf<\/a>;&nbsp;<a href=\"https:\/\/refugee-rights.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/RRE_StillHere.pdf\">https:\/\/refugee-rights.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/RRE_StillHere.pdf<\/a>;&nbsp;<a href=\"https:\/\/refugee-rights.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/RRE_TwelveMonthsOn.pdf\">https:\/\/refugee-rights.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/RRE_TwelveMonthsOn.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref7\">[7]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. u. a.:&nbsp;<a href=\"https:\/\/helprefugees.org\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Police-Harrassment-of-Volunteers-in-Calais-1.pdf\">https:\/\/helprefugees.org\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Police-Harrassment-of-Volunteers-in-Calais-1.pdf<\/a>;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.laubergedesmigrants.fr\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Les-Expulsions-de-Terrain-a-Calais-et-a%C4%9A-Grande-Synthe-FR-2.pdf\">http:\/\/www.laubergedesmigrants.fr\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Les-Expulsions-de-Terrain-a-Calais-et-a\u011a-Grande-Synthe-FR-2.pdf<\/a>;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.laubergedesmigrants.fr\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/HRO-eng-rep2019.pdf\">http:\/\/www.laubergedesmigrants.fr\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/HRO-eng-rep2019.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref8\">[8]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. u. a. die\nBerichte von Human Rights Watch (<a href=\"https:\/\/www.hrw.org\/report\/2017\/07\/26\/living-hell\/police-abuses-against-child-and-adult-migrants-calais\">https:\/\/www.hrw.org\/report\/2017\/07\/26\/living-hell\/police-abuses-against-child-and-adult-migrants-calais<\/a>)\nund Amnesty International (<a href=\"https:\/\/www.amnesty.org\/download\/Documents\/EUR2103562019ENGLISH.PDF\">https:\/\/www.amnesty.org\/download\/Documents\/EUR2103562019ENGLISH.PDF<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref9\">[9]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.defenseurdesdroits.fr\/fr\/rapports\/2015\/10\/exiles-et-droits-fondamentaux-la-situation-sur-le-territoire-de-calais\">https:\/\/www.defenseurdesdroits.fr\/fr\/rapports\/2015\/10\/exiles-et-droits-fondamentaux-la-situation-sur-le-territoire-de-calais<\/a>;&nbsp;<a href=\"https:\/\/juridique.defenseurdesdroits.fr\/index.php?lvl=notice_display&amp;id=18378&amp;opac_view=-1\">https:\/\/juridique.defenseurdesdroits.fr\/index.php?lvl=notice_display&amp;id=18378&amp;opac_view=-1<\/a>;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.defenseurdesdroits.fr\/fr\/rapports\/2018\/12\/exiles-et-droits-fondamentaux-trois-ans-apres-le-rapport-calais\">https:\/\/www.defenseurdesdroits.fr\/fr\/rapports\/2018\/12\/exiles-et-droits-fondamentaux-trois-ans-apres-le-rapport-calais<\/a>;\nhttps:\/\/defenseurdesdroits.fr\/sites\/default\/files\/atoms\/files\/cp_ddd_24-09-2020-visite-calais-clairehedon_0.pdf<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref10\">[10]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. Corporate Watch: The\nUK Border Regime, A critical guide, London, Freedom Press, 2018, S. 23ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref11\">[11]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Human Rights\nObservers beobachten die Situation kontinuierlich nach einem festgelegten\nSchema. Kurzberichte \u00fcber die einzelnen (auch kleineren) R\u00e4umungen werden per\nTwitter ver\u00f6ffentlicht, au\u00dferdem legt die Gruppe regelm\u00e4\u00dfig Monats- und\nJahresberichte vor:&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.laubergedesmigrants.fr\/fr\/publications-hro\/?fbclid=IwAR3o-RoH2sAFKZ1A1JuiGt8IcHCP9VlU79nxaz_uEqrTPQEiovmXhbzG6h4\">http:\/\/www.laubergedesmigrants.fr\/fr\/publications-hro\/?fbclid=IwAR3o-RoH2sAFKZ1A1JuiGt8IcHCP9VlU79nxaz_uEqrTPQEiovmXhbzG6h4<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref12\">[12]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/calais.bordermonitoring.eu\/2020\/07\/20\/rekonstuktion-einer-raeumugswoche\/\">https:\/\/calais.bordermonitoring.eu\/2020\/07\/20\/rekonstuktion-einer-raeumugswoche\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref13\">[13]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/calais.bordermonitoring.eu\/2020\/09\/30\/neue-dimension-von-raeumungen\/\">https:\/\/calais.bordermonitoring.eu\/2020\/09\/30\/neue-dimension-von-raeumungen\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref14\">[14]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/calais.bordermonitoring.eu\/2020\/12\/26\/kampf-um-plaetze-2\/#more-1673\">https:\/\/calais.bordermonitoring.eu\/2020\/12\/26\/kampf-um-plaetze-2\/#more-1673<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref15\">[15]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/calais.bordermonitoring.eu\/2020\/09\/15\/cest-lhonneur-de-la-france\/\">https:\/\/calais.bordermonitoring.eu\/2020\/09\/15\/cest-lhonneur-de-la-france\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref16\">[16]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Zum Folgenden vgl. das\nInterview mit der Aktivistin Maya Konforti:&nbsp;<a href=\"https:\/\/calais.bordermonitoring.eu\/2020\/05\/15\/whats-happening-is-crazy-its-inhumane-it-doesnt-work-but-its-going-to-continue\/\">https:\/\/calais.bordermonitoring.eu\/2020\/05\/15\/whats-happening-is-crazy-its-inhumane-it-doesnt-work-but-its-going-to-continue\/<\/a>,\nsowie die Studie:&nbsp;<a href=\"https:\/\/calais.bordermonitoring.eu\/2020\/10\/11\/analyse-zum-einfluss-der-pandemie-auf-die-lage-der-exilierten\/\">https:\/\/calais.bordermonitoring.eu\/2020\/10\/11\/analyse-zum-einfluss-der-pandemie-auf-die-lage-der-exilierten\/<\/a>&nbsp;und\nden Blog-Beitrag:&nbsp;<a href=\"https:\/\/calais.bordermonitoring.eu\/2020\/11\/14\/zweite-welle-ein-lagebericht\/\">https:\/\/calais.bordermonitoring.eu\/2020\/11\/14\/zweite-welle-ein-lagebericht\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref17\">[17]<\/a><a href=\"https:\/\/passeursdhospitalites.wordpress.com\/2020\/11\/17\/lettre-ouverte-redigee-par-la-communaute-erythreenne-le-16-novembre-a-calais\/\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;\nhttps:\/\/passeursdhospitalites.wordpress.com\/2020\/11\/17\/lettre-ouverte-redigee-par-la-communaute-erythreenne-le-16-novembre-a-calais\/<\/a>;&nbsp;<a href=\"https:\/\/calais.bordermonitoring.eu\/2020\/11\/22\/polizeiuebergriff-mit-schwerverletztem-und-offener-brief-der-eritreer_innen-in-calais\/#more-1454\">https:\/\/calais.bordermonitoring.eu\/2020\/11\/22\/polizeiuebergriff-mit-schwerverletztem-und-offener-brief-der-eritreer_innen-in-calais\/#more-1454<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref18\">[18]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Zur Entstehung der\nKanalroute vgl. Thomas M\u00fcller \/ Uwe Schl\u00fcper \/ Sascha Zinflou: Querung des\nKanals, Calais, der Brexit und die Bootspassagen nach Gro\u00dfbritannien, M\u00fcnchen:\nbordermonitoring, 2019. Zur weiteren Entwicklung vgl. Tobias M\u00fcller: Das Elend\nvon Calais, Der Brexit und die Bootsfl\u00fcchtlinge, in: Bl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und\ninternationale Politik 11\/2020,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2020\/november\/das-elend-von-calais-der-brexit-und-die-bootsfluechtlinge\">https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2020\/november\/das-elend-von-calais-der-brexit-und-die-bootsfluechtlinge<\/a>.\nDie im Folgenden genannten Zahlen sind der Berichterstattung durch BBC und The\nGuardian sowie der Zusammenstellung weiterer amtlicher und medialer Daten durch\ndas \u2013 allerdings rechtsgerichteten \u2013 Portal Migration Watch entnommen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref19\">[19]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.gov.uk\/government\/publications\/uk-france-joint-action-plan-on-illegal-migration-across-the-channel\">https:\/\/www.gov.uk\/government\/publications\/uk-france-joint-action-plan-on-illegal-migration-across-the-channel<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref20\">[20]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Neben der bereits\nerw\u00e4hnten Studie von GISTI (siehe Fu\u00dfnote 3) auch das hierzu gef\u00fchrte Interview\nmit Ma\u00ebl Galisson:&nbsp;<a href=\"https:\/\/calais.bordermonitoring.eu\/2021\/01\/07\/ich-halte-das-recht-auf-freizuegigkeit-fuer-die-beste-loesung\/#more-1728\">https:\/\/calais.bordermonitoring.eu\/2021\/01\/07\/ich-halte-das-recht-auf-freizuegigkeit-fuer-die-beste-loesung\/#more-1728<\/a>,\nerg\u00e4nzt durch:&nbsp;<a href=\"https:\/\/calaismigrantsolidarity.wordpress.com\/2021\/01\/29\/in-the-name-of-god-au-nom-de-dieu\/\">https:\/\/calaismigrantsolidarity.wordpress.com\/2021\/01\/29\/in-the-name-of-god-au-nom-de-dieu\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref21\">[21]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/jungle.world\/artikel\/2020\/34\/grenzregime-auf-steroiden\">https:\/\/jungle.world\/artikel\/2020\/34\/grenzregime-auf-steroiden<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref22\">[22]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.france24.com\/en\/20200712-france-and-britain-agree-to-form-joint-unit-to-fight-migrant-traffickers\">https:\/\/www.france24.com\/en\/20200712-france-and-britain-agree-to-form-joint-unit-to-fight-migrant-traffickers<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref23\">[23]<\/a><a href=\"https:\/\/www.gov.uk\/government\/publications\/uk-france-joint-statement-collaborating-on-illegal-migration\/uk-france-joint-statement-next-phase-of-collaboration-on-tackling-illegal-migration-28-november-2020\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;\nhttps:\/\/www.gov.uk\/government\/publications\/uk-france-joint-statement-collaborating-on-illegal-migration\/uk-france-joint-statement-next-phase-of-collaboration-on-tackling-illegal-migration-28-november-2020<\/a>;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.gov.uk\/government\/news\/uk-and-france-sign-new-agreement-to-tackle-illegal-migration\">https:\/\/www.gov.uk\/government\/news\/uk-and-france-sign-new-agreement-to-tackle-illegal-migration<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref24\">[24]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.law.ox.ac.uk\/research-subject-groups\/centre-criminology\/centreborder-criminologies\/blog\/2020\/10\/border\">https:\/\/www.law.ox.ac.uk\/research-subject-groups\/centre-criminology\/centreborder-criminologies\/blog\/2020\/10\/border<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref25\">[25]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/corporatewatch.org\/cast-away-the-uks-rushed-charter-flights-to-deport-channel-crossers\/\">https:\/\/corporatewatch.org\/cast-away-the-uks-rushed-charter-flights-to-deport-channel-crossers\/<\/a>&nbsp;sowie\nerg\u00e4nzend:&nbsp;<a href=\"https:\/\/corporatewatch.org\/hi-fly\/\">https:\/\/corporatewatch.org\/hi-fly\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref26\">[26]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/calais.bordermonitoring.eu\/2021\/02\/06\/feindliche-umgebung-in-reinform\/#more-1825\">https:\/\/calais.bordermonitoring.eu\/2021\/02\/06\/feindliche-umgebung-in-reinform\/#more-1825<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref27\">[27]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.law.ox.ac.uk\/research-subject-groups\/centre-criminology\/centreborder-criminologies\/blog\/2020\/10\/border\">https:\/\/www.law.ox.ac.uk\/research-subject-groups\/centre-criminology\/centreborder-criminologies\/blog\/2020\/10\/border<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref28\">[28]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/calais.bordermonitoring.eu\/2021\/01\/15\/ein-ruhiger-brexit-weniger-staus-und-neue-zaeune\/\">https:\/\/calais.bordermonitoring.eu\/2021\/01\/15\/ein-ruhiger-brexit-weniger-staus-und-neue-zaeune\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref29\">[29]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/calaismigrantsolidarity.wordpress.com\/2020\/11\/27\/mohamed-khamisse-zacharia-hommage-collectif-la-fin-dun-reve-collective-tribute-the-end-of-a-dream\/\">https:\/\/calaismigrantsolidarity.wordpress.com\/2020\/11\/27\/mohamed-khamisse-zacharia-hommage-collectif-la-fin-dun-reve-collective-tribute-the-end-of-a-dream\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref30\">[30]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/treaties.un.org\/doc\/Publication\/UNTS\/Volume%201497\/volume-1497-I-25792-English.pdf\">https:\/\/treaties.un.org\/doc\/Publication\/UNTS\/Volume%201497\/volume-1497-I-25792-English.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref31\">[31]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/assets.publishing.service.gov.uk\/government\/uploads\/system\/uploads\/attachment_data\/file\/273137\/2366.pdf\">https:\/\/assets.publishing.service.gov.uk\/government\/uploads\/system\/uploads\/attachment_data\/file\/273137\/2366.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref32\">[32]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/passeursdhospitalites.files.wordpress.com\/2014\/01\/2000-protocole-additionnel-au-protocole-dit-c2ab-de-sangatte-c2bb-29-05-2000.pdf\">https:\/\/passeursdhospitalites.files.wordpress.com\/2014\/01\/2000-protocole-additionnel-au-protocole-dit-c2ab-de-sangatte-c2bb-29-05-2000.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref33\">[33]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20160420152543\/http:\/blogs.channel4.com\/factcheck\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2016\/02\/LeTouquetTreaty2003.pdf\">https:\/\/web.archive.org\/web\/20160420152543\/http:\/\/blogs.channel4.com\/factcheck\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2016\/02\/LeTouquetTreaty2003.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref34\">[34]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.gisti.org\/IMG\/pdf\/arrangement_2009-07-06_franco-brit.pdf\">https:\/\/www.gisti.org\/IMG\/pdf\/arrangement_2009-07-06_franco-brit.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref35\">[35]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/assets.publishing.service.gov.uk\/government\/uploads\/system\/uploads\/attachment_data\/file\/455162\/Joint_declaration_20_August_2015.pdf\">https:\/\/assets.publishing.service.gov.uk\/government\/uploads\/system\/uploads\/attachment_data\/file\/455162\/Joint_declaration_20_August_2015.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref36\">[36]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/assets.publishing.service.gov.uk\/government\/uploads\/system\/uploads\/attachment_data\/file\/678596\/TS01.2018_Cm9568_UK_France_Shared_Border_WEB.pdf\">https:\/\/assets.publishing.service.gov.uk\/government\/uploads\/system\/uploads\/attachment_data\/file\/678596\/TS01.2018_Cm9568_UK_France_Shared_Border_WEB.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref37\">[37]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.lavoixdunord.fr\/913094\/article\/2020-12-28\/avec-le-brexit-faut-il-craindre-desormais-des-bouchons-recurrents-sur-l-a16?referer=%2Farchives%2Frecherche%3Fdatefilter%3Dlastyear%26sort%3Ddate%2520desc%26word%3Dmigrant\">https:\/\/www.lavoixdunord.fr\/913094\/article\/2020-12-28\/avec-le-brexit-faut-il-craindre-desormais-des-bouchons-recurrents-sur-l-a16?referer=%2Farchives%2Frecherche%3Fdatefilter%3Dlastyear%26sort%3Ddate%2520desc%26word%3Dmigrant<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/migration-control.info\/wiki\/calais\/#_ftnref38\">[38]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/assets.publishing.service.gov.uk\/government\/uploads\/system\/uploads\/attachment_data\/file\/943128\/CCS207_CCS1220673408-002_Explantory_Memorandum_to_HC_1043__Web_Accessible_.pdf\">https:\/\/assets.publishing.service.gov.uk\/government\/uploads\/system\/uploads\/attachment_data\/file\/943128\/CCS207_CCS1220673408-002_Explantory_Memorandum_to_HC_1043__Web_Accessible_.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-wordpress wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-people-and-spomeniks\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"pGH6XQPtrD\"><a href=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/?p=571\">CALAIS &#8211; Great Britain\u2019s externalized border<\/a><\/blockquote><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; visibility: hidden;\" title=\"&#8222;CALAIS &#8211; Great Britain\u2019s externalized border&#8220; &#8212; People &amp; Spomeniks\" src=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/?p=571&#038;embed=true#?secret=DTA9vCHKY6#?secret=pGH6XQPtrD\" data-secret=\"pGH6XQPtrD\" width=\"500\" height=\"282\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Thomas M\u00fcller (Blog&nbsp;JungleOfCalais) Calais \u2013 Gro\u00dfbritanniens externalisierte Grenze Der Big Jungle von Calais Calais als \u201ehostile environment\u201c Die Etablierung der Kanalroute Das Grenzregime und der Brexit Fu\u00dfnoten CALAIS &#8211; Gro\u00dfbritanniens externalisierte Grenze Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist die nordfranz\u00f6sische Hafen- und Grenzstadt Calais Schauplatz der unregistrierten Migration vom&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/?p=591\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">CALAIS &#8211; Gro\u00dfbritanniens externalisierte Grenze<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":606,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[115],"tags":[127,118,149,116,121,151,152,150,134,123,148,133],"class_list":["post-591","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-refugee-hot-spots-europe","tag-banksy","tag-big-jungle","tag-brexit","tag-calais","tag-channel-route","tag-externalisierte-grenze","tag-grande-synthe","tag-grenzregime","tag-julia-druelle","tag-jungle-of-calais","tag-kanalroute","tag-thomas-mueller","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/591"}],"collection":[{"href":"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=591"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/591\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":611,"href":"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/591\/revisions\/611"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/606"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=591"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=591"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/peopleandspomeniks.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=591"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}