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Spomenici

Spomenik ist ein bosnisch-kroatisch-serbisches Wort und bedeutet „Denkmal“. Spomenici partizanski, Partisanendenkmäler, findet man – oft etwas versteckt – auf dem gesamten Balkan.

Denkmal der Revolution in Kozara, Bosanska Krajina, Bosnien-Herzegowina. Erbaut von Dušan Džamonja, 1972. Foto: Kristina Koch

Gedenkstätte für die KZ,-Opfer Jasenovac, Kroatien, 1966 erbaut von Bogdan Bogdanovic. Foto: Kristina Koch
Medeno Polje, Bosnien und Herzegowina, ca. 1982 erbaut, Designer unbekannt. Foto: Kristina Koch

Das Monument für die Fliegerstaffel der Partisanen von Medeno Polje

Dieser kleinere Spomenik erscheint unangekündigt auf der Landstraße M5 im Nordwesten von Bosnien-Herzegowina. Er steht etwa 50 Meter von der Straße entfernt, auf einer leichten Anhöhe. Er fügt sich einerseits mit seiner harmonischen, organischen Form und andererseits durch sein von Gestrüpp überwuchertes Umfeld so gut in die Landschaft, dass man ihn schlichtweg übersieht. Gegenüber liegt ein weites Tal: Medeno Polje, das Tal des Honigs. Hier hatten die Partisanen damals einen geheimen Flugplatz errichtet.

Das acht Meter hohe Monument aus Stahlbeton war einst der Haus-Spomenik der Bewohner von Bosanski Petrovac, das nur wenige Kilometer entfernt liegt. Es erinnert an den Flugplatz und den Aufstand gegen die deutsche Besetzung. Ein besonders hübsches Exemplar ohne aufdringliches Kriegsvokabular.

Als die Alliierten nach Italien kamen, hatten die Partisanen in Nordwestbosnien endlich eine Chance, sich gegen die Angriffe der Luftwaffe zu wehren. Bari wurde zur Versorgungsverbindung. Anfang 1944 errichteten die Partisanen einen Flugplatz in Medeno Polje. Der Flugplatz war strategisch wichtig, denn Tito koordinierte seine Operation aus dem 30 km entfernten Drvar.

Nur wenige Kampfmissionen starteten von hier, hauptsächlich wurden Kranke und Verwundete evakuiert. Mehr als 2000 verwundete Soldaten und Zivilisten konnten nach Italien ausgeflogen werden. Allein im Mai 1944 wurden 1000 Menschen, davon 700 verwundete Partisanen, nach Italien gebracht werden. Über diese Verbindung auch humanitäre und militärische Hilfe aus Bari nach Bosnien gelangen.

1982 wurde ein großer Denkmalkomplex auf beiden Seiten der Landstraße errichtet. Auf der Seite des Tals konnte man einen ausgedienten Douglas C-47-Flieger besichtigen. Vielleicht wurde zur gleichen Zeit die Skulptur auf der anderen Straßenseite aufgebaut, aber genaue Daten und Infos zum Erbauer habe ich nicht gefunden.

Jedes Jahr am 27. Juli feierte man es auf Medeno Polje ein großes Volksfest mit Reden und Party. Die Bauern aus der Region verkauften ihre Waren, Bierzelte, Tito-Verehrung und so weiter. Manchmal sollen auf Medeno Polje im Schatten des Spomenik und des ausgedienten Fliegers auch Pferderennen stattgefunden haben. 

Foto: Kristina Koch

Nach den Kriegen 1996 wurde der Flieger in die Luft gejagt, die Metallreste verscherbelt. Während es keine Spuren des Flugzeugdenkmals gibt, ist der Komplex mit der Skulptur sichtbar, aber komplett verwahrlost. Tafeln und Inschriften sind geklaut oder zerstört. Die Basis des Monuments ist kaputt, der Zement bricht an vielen Stellen. Dieser schöne Spomenik ist heute weder ein Partisanen-Pilgerort noch hat er Paten, der ihn rehabilitieren wollen.

Foto: Kristina Koch

(Danke an Edis F. für seine Informationen.)

Partizanski Groblje, Partisanennekropole, Mostar, Bosnien-Herzegowina. Erbaut von Bogdan Bogdanovic. Foto: Kristina Koch
Peljesac, Kroatien. Foto: Kristina Koch
Denkmal an die Schlacht an der Sutjeska, Tjentiste, Bosnien-Herzegowina. Miodrag Zivkovic. Foto: Kristina Koch
Podgarić, Koratien, 1967. Foto: Kristina Koch
Stecak vorm Holiday Inn, Sarajevo, Bosnien-Herzegowina. Foto: Kristina Koch
Foto: Kristina Koch

Das Megafon – Der ungehörte Spomenik von Bravkso

Im Nordwesten von Bosnien-Herzegowina steht ein schönes, herunter gekommenes Exemplar der Partisanendenkmäler: Das Monument der gefallen Kämpfer des Nationalen Freiheitskrieges von Bravsko. An der Landstraße M5, einige Kilometer außerhalb des gleichnamigen Dorfes. Hier in der Bosnischen Krajina sind die Wege lang, in den Orten ist nicht viel los. Felder, Tannen, Häuschen mit roten Ziegeln, in der Ferne eine kleine orthodoxe Kirche oder eine Moschee. Bis zu den Städten Jajce und Bihać sind es jeweils 70 Kilometer.

Dieser Teil Bosniens war im Krieg in den Neunziger Jahren umkämpft. Seitdem ist die Gegend der Föderation Bosnien und Herzegowina zugeordnet, der serbische Teil liegt nicht weit entfernt.

Es gibt weder Hinweisschilder auf der Straße noch Infos im Dorf über den Denkmalkomplex. Wie so oft bei den spomenici partizanski auf dem Balkan ist der Komplex von Gestrüpp und Gräsern überwachsen. Wo früher eine breite Treppe zur Skulptur führte, sind heute kaum mehr die Stufen zu sehen. Wem doch ein verwahrloster Hügel und ein abgewracktes Betonding im Seitenfenster erscheint, kann eine interessante Skulptur aus Stahlbeton entdecken, einen Abschnitt jugoslawischer Geschichte erfahren, und Brombeeren pflücken.

Die Skulptur wurde 1972 vom Architekten Mirko Radulović und Ingenieur Nebojsa Latinović errichtet. Sie steht in der Mitte eines gepflasterten Platzes. Ihre Struktur ist noch in Takt, der Beton unzerstört. Die Skulptur ähnelt vier Sirenen oder Megafonen: Die heroischen Taten der Kämpfer sollen verbreitet werden. Oder sie könnte Titos bekannten „Aufruf zum Aufstand“ gegen die faschistischen Besetzer bedeuten. Die Geographie der Anlage, etwas erhöht und über Felder blickend, würde passen.

Der Zustand dieser kleinen Anlage ist mies, niemand kümmert sich. Nicht mal verwelkte Blumen von den Alten aus dem Dorf, auch keine aus Plastik, keinerlei Spuren von gefeierten Jahrestagen. Aber auch keine Bierflaschen oder Müll, zum Rumhängen ist der Ort zu weit raus. Und einsame Rumhängorte gibt es hier sowieso genug.

Bis 2013 war der Denkmalkomplex von Zedern eingesäumt, aber auch die sind fort, abgeholzt von Dorfleuten, die das Holz gebrauchen könnten. Es interessiert sie nicht, dass sie hier ein Monument haben, das historisch und künstlerisch wertvoll ist.

Die Bewohner von Bravsko und Umgebung sollen sich im Zweiten Weltkrieg besonders stark gegen die Faschisten aufgelehnt haben. Die Partisanenbewegung um Bravsko war außerdem die ethnisch vielfältigste von Ex-Jugoslawien. Das kann man jetzt in Zeiten des Nationalismus leider nicht mehr zelebrieren, und deshalb ist das Denkmal wohl auch uninteressant.

Auch mit dem Gedenken an die jüngsten Kriegsverbrechen läuft es hier schlecht. Ganz in der Nähe, im Umkreis von Bihać waren von 1992 bis 1995 über 200.000 Menschen 1201 Tage lang eingekesselt. 5000 starben. In der öffentlichen Erinnerungskultur kein Thema.

Die Bravsko-Kompanie gegen die Ustascha

Viele Menschen aus der Region um Bravsko rebellierten gegen die Achsenmächte, die im April 1941 das Königreich Jugoslawien besetzten. Aus Kroatien und Bosnien war der Unabhängige Staat Kroatien geworden. Darunter fiel auch die Gegend um Bravsko. Dem Unabhängigen Staat Kroatien waren die nationalistischen Ustascha untergeordnet, die die serbische, jüdische und die Roma-Bevölkerung quälten.

Die Bewohner von Bravsko planten einen Aufstand. Als im Juli 1941 Ustascha-Kämpfer sechzig Bauern und Bahnarbeiter im nahen Dorf Klenovac erschossen, gründeten die Bewohner die Bravsko-Kompanie. Bis 1942 kämpften sie hart gegen die Ustascha – auch in Majkic, Prijedor und Sanski Most.

Im August 1942 wurde aus der Bravsko-Kompanie zusammen mit andren Partisaneneinheiten die Dritte Krajina Partisanen-Brigade. Mit 1000 Kämpfern. Im November 1942 befreiten sie die Stadt Bihac und die Republik von Bihac wurde ausgerufen, der Bravsko angehörte. Kurz darauf, im Januar 1943 nahmen deutsche Truppen die Republik von Bihac ein. Denn während des Zweiten Weltkriegs nutzten Tito und das Oberkommando der Partisanen den Nachbarort Bosanski Petrovac für einige Monate als Stützpunkt. In der Nähe befand sich auch das Zentralkrankenhaus der Partisanen. Doch im Mai 1945 befreiten die Partisanen die gesamte Bravsko-Region. Im Laufe des Krieges kämpfte die Dritte Krajina Brigade auch in den Schlachten an der Neretva, in Sutjeska und an der Sremski-Front. Insgesamt verloren bei all diesen Kämpfen über 500 Menschen aus Bravsko ihr Leben.

Ein paar Meter neben der Denkmalskultpur existiert auch das Grab von Gisa Raća, dem Kommandeur der Bravsko-Kompanie.

Auf der Seite, die zur Straße zeigt, ist eingraviert: „Hier sind die 502 jugoslawischen Kämpfer begraben, die während des Nationalen Befreiungskrieges in den Dörfern Jasenovac, Klenovac, Bunara, Podsretnica, Bravski Vaganac, Kapljuh und Janjila gefallen sind.“ Darunter sind alle Namen, Daten und Heimatdörfer der Gefallenen aufgelistet.

Svirce, Hvar, Kroatien. Designer Dinko Vranković, 1981.. Foto: Kristina Koch

Die Weinrebe – das Monument der Menschen von Svirče

Über die Straße von Vrbanj nach Vrisnik, zwei größere Bergdörfer auf der kroatischen Insel Hvar, gelangt man nach Svirče. Ein Dorf, das für seine Weinreben und Oliven bekannt ist. Am Ortseingang drängt sich zunächst ein Kirchenkomplex ins Bild. Der weiße Stein der kroatischen Kirchen, umgeben von einem Park mit Palmen und frisch gestrichenen Bänken.

Geografisch ist der kleine Spomenik für die gefallenen Kämpfer von Svirče jedoch das erste Wahrzeichen von Svirče. Der Platz ist bewusst gewählt, denn hier, an der Kiefer, hissten ein paar Bewohner am 1. Mai 1942 die erste rote Fahne. Aber das Monument liegt ein paar Meter zurück von der Straße in einem kleinen Park. Es ist weder ausgeschildert noch zeigt es seinen alten Glanz. Ursprünglich war die sieben Meter hohe, dreizackige Skulptur weiß. Heute ist das Monument verdreckt, an vielen Stellen schwarz. Unkraut überall. Der Boden des kleinen Komplexes ist mit einer dicken Schicht Tannennadeln übersät. Ein vertrockneter Blumenkranz mit blaurotweißem Band und eine umgefallene Kerze (im September 2019) deuten darauf hin, dass zumindest der Bürgermeister zum Jahrestag vorbeischaut.

Schon unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die Bewohner von Svirče den Wunsch, ein Denkmal für ihre 16 Gefallenen zu errichten. Der Stahlbeton (weißer Gusszement) wurde von den Dorfbewohnern zur Verfügung gestellt. Auch der Gestalter der Skulptur war ein Mann aus Svirče. Der Fotokünstler Prof. Dinko Vranković hat die Form einer Weinrebe gewählt, wie konnte es auch anders sein, bei einem Mann aus diesem Ort, dem Weindorf. Auch den Bau erledigten die Dorfbewohner selbst. Am 27. Juli 1982 feierten sie (Tag der Auferstehung des kroatischen Volkes) schließlich seine Eröffnung. Eingraviert vorn:  Zum Gedenken an die Toten – zum Stolz der Lebenden.

Foto: Kristina Koch

Dass der Gärtner des Kirchenparks nicht den benachbarten Spomenik mitpflegen kann, wundert man sich. Die Begegnung mit dem Monument von Svirče in diesem düsteren Wäldchen, im Schatten der strahlenden Kirche ist typisch. Einerseits die interessante Gleichzeitigkeit von römischer Architektur und dem Monument aus kommunistischer Zeit. Andererseits ein Beispiel für die Unsicherheit bezüglich der Erinnerungskultur aus jenem Krieg oder vermutlich auch ungeklärte Besitzansprüche. Auf Hvar verwahrlosen noch mehr wichtige Plätze. Ein Stück weiter ist die Macchia dabei einen riesigen Fußballplatz samt Tribünen aufzufressen.

Die Idee des Designers

Dinko Vranković beschrieb seine Assoziationen zum Denkmal in seiner Erklärung von 1981: „Das Motto dieses Denkmals lautet “Zum Gedenken an die Toten – zum Stolz der Lebenden.“ Die Skulptur ist zeitgenössisch und spiegelt Stärke, Schönheit und Einfachheit wider. Der Inhalt der Skulptur ist so, dass jeder sie auf seine Weise verstehen und erleben kann. Die Skulptur symbolisiert im Kern einen Baum, aus dem abgeschnittene Zweige Triebe sprießen können, die neues Leben und neue Früchte tragen. Die Skulptur ähnelt möglicherweise einer geballten Faust. Dieser Griff soll eine ewige Zurechtweisung und ein Kraftschub sein. Diese Skulptur kann auch an eine vereidigte Hand erinnern und muss dann die Verpflichtung beinhalten, diesen Eid aufrechtzuerhalten. Wenn die Skulptur an eine noch blühende Knospe erinnert, dann ist das unsere ewige Hoffnung, dass diese Blume eines Tages ihre Blütenblätter in all ihrer Schönheit öffnet und Früchte trägt. “

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