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Spomeniks – kurz erklärt

„Spomenik“ ist bosnisch-kroatisch-serbisch und bedeutet „Denkmal“. Spomenici partizanski, Partisanendenkmäler, findet man – oft etwas versteckt – auf dem gesamten Balkan.

Denkmal der Revolution in Kozara, Bosanska Krajina, Bosnien-Herzegowina. Erbaut von Dušan Džamonja, 1972. Foto: Kristina Koch

Diese Denkmäler wurden zwischen 1950 und 1990 in der Sozialistischen Republik Jugoslawien unter Tito errichtet. Das Sympathische: Sie weisen keinen Personenkult auf. Keine nationalistischen, kriegerischen Abbildungen wie Schlachtszenen, Tote oder Kriegsverletzte, keine Flaggen. Hier und da ein Partisanenstern, und der auch nur auf den Denkmälern, die von Privatpersonen berichtet wurden. Darin unterscheiden sich diese Erinnerungen aus der Partisanenzeit auf dem Balkan von vielen anderen Denkmälern. Und deshalb wirken sie so zeitlos – und können als reine Skulptur betrachtet werden.

Bei den großen Monumenten hat Tito den Auftrag vergeben. Wenn der jugoslawische Präsident ein Denkmal bestellte, das Stolz und Pathos ausstrahlen sollte, haben weltoffene, listige Architekten wie z.B. Bogdan Bogdanovic sich Tito widersetzt, ohne dass er es gemerkt hätte, denn der hatte nicht viel Ahnung von Kunst.

Die Denkmäler sollen zunächst an die Menschen erinnern, die während des Nationalen Befreiungskrieges (1941-1945) im Widerstandskampf gegen die Faschisten gestorben sind. Sie sollen auch die Verbrechen der Besatzer unvergesslich machen. Außerdem feiern sie die „Revolution“, den Sieg von Titos Partisanenrebellen über die Faschisten. Sie werden auch spomenici partizanski oder spomenici revoluciji genannt.

Viele dieser Skulpturen ragen in den Himmel, haben Flügel-artige Elemente oder Formen, von denen man in den 1960er Jahren dachte, dass sie futuristisch wären. Message: Živela revolucija! Die Revolution muss weiterleben.

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Podgarić, Koratien, 1967. Foto: Kristina Koch

Andere Spomeniks erinnern an Pflanzen oder archaische Symbole. Alle sind massive Gebilde aus Stahl, Beton oder Granit.

Die Partisanendenkmäler sind meistens an historisch relevanten oder an versteckten Orten zu finden. Nur wenige sind in das gegenwärtige Leben integriert worden und dienen beispielsweise als Konzertbühne oder Spielplatz. Der Besucher muss sich manchmal abmühen, um zu ihnen zu gelangen. Sie stehen auf Gipfeln, in Wäldern versteckt, am Ende eines Schotterweges. An ehemals wichtigen strategischen oder symbolischen Orten, die heute nichts mehr bedeuten. Sie passen meist überhaupt nicht in die Landschaft. So wirken sie auf eine rührende Art fehl am Platze und aus dem Kontext gerissen. Mal lustig und niedlich, mal erhaben. Bei den größeren Spomeniks wurden ganze Komplexe um eine Skulptur gebaut. Naherholungsgebiete mit Seen, Hotels, Sportstätten. Jedes Jahr unternahmen Schüler im ehemaligen Jugoslawien Ausflüge zu ihrem nächstgelegenen Spomenik. Zu den Jahrestagen reisten große Gruppen an, legten Blumen nieder, hielten Reden, tranken Schnaps, liefen Marathons oder schwammen um die Wette. Die kleineren Denkmalkomplexe entstammen oft Initiativen von Gemeinden, die viele Bewohner verloren haben oder die besonders stolz auf ihre aufständischen Mitbürger waren.

Manche Monumente sind schlichtweg nicht mehr zu finden, weil es keine Karten gibt.

Foto: Kristina Koch

Anachronisismus der Spomeniks

Obwohl das internationale Interesse in den letzten Jahren durch einige Bildbände (z.B. von Jan Kampenaers) und eine Ausstellung in der MET gewachsen ist, spielen die meisten Spomeniks heute keine Rolle mehr in der Erinnerungskultur der ex-jugoslawischen Länder. Deshalb sind viele Denkmalkomplexe verwahrlost. Einige Skulpturen drohen einzustürzen, andere sind schon komplett zerstört worden.

So symbolisieren die Partisanendenkmäler den jüngsten Konflikt und das aktuelle Dilemma der Region. In einer von Nationalismus geprägten Gegend stehen sie da herum und erinnern an die gute Idee des Kommunismus. An ethnische Einheit, Kollektivismus, Sozialismus, Versöhnung, Inklusion – all die angestrebten Werte aus Titos Jugoslawien.

Jugoslawien zerfiel innerhalb recht kurzer Zeit. Gerade deuteten die Spomeniks noch in eine Zukunft, wie Tito sie sich ausgedacht hatte, schon war diese Zukunft bedeutungslos geworden und durch neue extreme Ideologien ersetzt.

„Was haben wir mit dem Partisanenkrieg zu tun, wir stecken ja noch mitten im letzten Krieg“, erklärt mir ein Mann in Petrova Gora beim Denkmal für den Aufstand der Menschen in Kordun und Banija. Erinnerungskultur interruptus.

Nach dem Ende Jugoslawiens waren antifaschistische Symbole von Brüderlichkeit und Einheit wie zum Beispiel die Spomeniks natürlich Feindbilder. Jetzt ging es um nationalistische, religiöse und anti-kommunistische Ideologien. Dann formierten sich die neuen Länder, damit auch neue Identitäten, neue Ideen über die jeweilige Zukunft – und auch neue Auslegungen der Geschichte. Seitdem geht es um nationalen Stolz, ethnischen Stolz, religiösen Stolz und Kapitalismus. Das alte System sollte vergessen werden, also haben sich Regierungen und politische Gruppierungen drangemacht, einige Spomeniks zu zerstören. Gruften vernichtet, Skulpturen zerbombt. Sie richteten einige Partisanendenkmäler so übel zu, als ob sie die Erinnerung einer ganzen Ära aus dem Bewusstsein der Leute prügeln wollten. An manchen Orten errichteten sie neue Denkmäler auf den Ruinen der alten. Die Namen der alten Gefallenen wurden überklebt mit Namen der neuen Gefallenen. Die neuen Probleme haben die alten überdeckt.

Die Wut auf das kommunistische Regime und damit auf die Partisanendenkmäler entzündete sich allerdings schon durch die Enthüllungen in den Achtziger Jahren: Die Massenmorde wurden bekannt, die während des Zweiten Weltkrieges und danach verübt wurden. Das geheime Gefängnis auf der Adriainsel Goli Otok kam 1980 an die Öffentlichkeit: 1949 hatte die KPJ das Gefängnis errichtet, 400 von den 16.000 inhaftierten Menschen starben dort (übrigens auch kein offizieller Gedenkort).

Viele Spomeniks stehen heute einfach da und symbolisieren etwas Verkorkstes. Weil man nichts mit ihnen anzufangen weiß, vergisst man sie oder man benutzt sie. Man klaut Material oder randaliert, wie man an vergessenen Orten eben so randaliert. Es gibt zum Glück einige Denkmalkomplexe, die als offizielle Orte der Erinnerung von Initiativen oder vom Staat gepflegt werden. Viele andere jedoch verwahrlosen und werden in naher Zukunft einfach verschwinden und vergessen sein.  

Ein Wiederaufbau wäre ein aktives politisches Bekenntnis. Ohnehin gibt keine Fördermittel. Jetzt wäre die Zivilgesellschaft gefragt.

Gedenkstätte für die KZ,-Opfer Jasenovac, Kroatien, 1966 erbaut von Bogdan Bogdanovic. Foto: Kristina Koch
Denkmal an die Schlacht an der Sutjeska, Tjentiste, Bosnien-Herzegowina. Errichtet von Miodrag Zivkovic. Foto: Kristina Koch

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