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Der angesagte Spomenik im Nationalpark Kozara

Das Denkmal für die Revolution in Kosara, Bosnien-Herzegowina, 1972 erbaut von Dušan Džamonja. Foto KK

Dieser eindrucksvolle und topgepflegte Spomenik liegt im Nationalpark Kozara auf dem Gipfel des gleichnamigen Berges. Er wirkt so, als ob er die Bergpitze noch weiter in den Himmel ziehen wollte.

Das Denkmal wurde 1972 im Andenken an die Menschen aus der Gegend errichtet, die während der Operation “West-Bosnien” in die Konzentrationslager der Nazis deportiert wurden. Bei dieser Offensive (vom 10. Juni 1942 bis zum 4. Juli 1942) kämpften 4000 serbische Partisanen gegen 40.000 Deutsche, kroatische Ustascha und Domobran. Am Ende starben 34.000 Menschen bei Kozara, 70.000 weitere wurden im Lager von Jasenovac getötet.

Auf dem Berg Kozara, Foto KK
Museum am Denkmal, Foto KK
Aufgang zum Denkmal, Foto KK

Oben auf dem Gipfel Mrakovica angekommen findet man ein würdiges Denkmalgelände. Zedern schmiegen sich an den turmartigen Spomenik, und wer diese Szenerie bei blauem Himmel erlebt, kommt aus dem Fotografieren nicht mehr raus.

Bei meinen Besuchen fand ich viele Blumensträuße, Kränze und Kerzen. Hier werden noch Jubiläumsfeiern in voller Montur abgehalten. Während der Kriege in den Neunziger Jahren hat das Denkmal kaum Schaden davon getragen, da es abgeschieden liegt und durch den Nationalpark geschützt ist. Ende der Neunziger Jahre, nachdem die serbischen Einheiten die Gegend unter ihre Kontrolle gebracht hatten, wurde im Amphitheater ein orthodoxes Kreuz aufgestellt.

Gedenkwand, Foto KK

Kozara ist weitläufig genug, um hier einen Urlaub zu verbringen. Als Unterkunft liegt das Hotel Monument nah, einen kurzen Spaziergang vom Spomenik entfernt, ein Chalet-Hotel aus Jugo-Zeiten. Wer die Aura von damals mag, freut sich über den leicht kühlen Service, die große Schnapsauswahl, riesige Zimmer und gemeinsames Filmegucken mit den anderen Hotelgästen im Fernsehzimmer. Hier steigen Sportmannschaften ab, die man früh morgens bei Gymnastikübungen und rund ums Denkmal sprinten sieht. Überall auf Mrakovica gibt es Wanderwege und kleine Chalets, die man mieten kann.

Das Denkmal und sein Erbauer

Der mazedonische Bildhauer Dušan Džamonja hat diese Gedenkstätte mit ihren drei Elementen entworfen. Zentral ist die etwa 33 Meter hohen Stahlbetonsäule, eigentlich aus 20 einzelnen vertikalen Betonpfeilern bestehend, die stellenweise mit Edelstahlplatten verkleidet sind. Hinter dem Monument befindet sich ein Gang mit einer Gedenkwand, die mit diversen Bronzetafeln bestückt ist. Auf ihnen sind 9.921 Namen von gefallenen Partisanen aufgelistet.

einer der Gänge mit Gedenkwand, Foto KK

Das Mrakovica-Museum befindet sich südlich vom Gipfel und enthält diverse Ausstellungsstücke, Fotos und Informationen zur Kozara-Offensive. Man kann Anstecknadeln und Postkarten kaufen, die man bei einem Mann bezahlt, der in seiner Partisanen-Uniform aussieht, als wäre er soeben von Tito persönlich ausgezeichnet worden. In dem Museum befindet sich zudem ein skulpturales Relief, ebenfalls von Džamonja aus dem Jahre 1973. Ein ähnliches Werk entwarf er für die Gedenkstätte für die KZ-Opfer in Jasenovac.

Relief von Dusan Dzamonja im Museum, Foto KK

Dušan Džamonja wendet die klassische Bildhauersprache der methodischen, unpathetischen Form an. Mit dem Spomenik in Kozara erschuf er Räume den Toten zu Ehren und den Lebenden zum Gebrauch. Sakrale Räume, die man benutzen kann. Wie auch Bogdan Bogdanović war es Džamonja wichtig, bei seinen Werken keine Rücksicht auf Konfession, Ethnie und Nationalität zu nehmen und den Fokus auf die Skultpur zu legen.  

Kozara in der Popkultur

Film „Kozara“, Foto KK

Die Schlacht von Kozara ist eine der größten Legenden in Ex-Jugoslawien. 1962 erschien der Film „Kozara“ von Veljko Bulajić. Er wurde 1963 bei den Academy Awards als bester ausländischer Film eingereicht, bekam aber keinen Preis. 

rechts: Bijelo Dugme als Helfer in den Siebzigern, Foto: SpomenikDatabase

Goran Bregović, Boss der vielleicht bekanntesten Band Jugoslawiens, Bijelo Dugme, wollte sich unbedingt irgendwie in den Bauprozess einbringen, weil der Spomenik von Kozara westliche Werte repräsentierte. So schloss sich die Band im Juni 1976 der Jugendarbeitskampagne Kozara an und half beim Bau des Denkmalkomplexes (der komplette Bau wurde von freiwilligen jugendlichen Helfern erledigt).

Kozarac im Bosnienkrieg und heute

Der Nationalpark Kozara liegt im Norden von Bosnien-Herzegowina, wo Sana, Sava, Una und Vrbas fließen, Wälder, Täler, Wiesen, Wasserfälle, Ethnodörfer, gute Luft und gutes Essen.

Vom Ort Kozarac am Fuße des Berges führt die kurvige Straße durch 12 Kilometer dschungeligen Wald hinauf zum Denkmal plus Urlaubsgebiet.

Kozarac selbst ist eine lebendige muslimische Enklave inmitten des serbischen Teils von Bosnien-Herzegowina. Nicht nur im Zweiten Weltkrieg, auch im Bürgerkrieg in den Neunziger Jahren, gab es hier brutalste Kämpfe. Am 24. Mai 1992 wurde der Ort von bosnisch-serbischen Einheiten angegriffen. Nach zwei Tagen mussten sich die Bewohner ergeben: Viele der 27.000 Einwohner – vor allem die muslimische Elite, aber auch Frauen und Kinder – wurden in Lager deportiert.

Es gibt ein Denkmal mit 1200 Namen für die Einwohner, die während des Bosnien-Krieges umgebracht wurden. Auf dem muslimischen Friedhof von Kozarac sind etwa 600 der zivilen Kriegsopfer begraben. Über 1000 Menschen aus der Stadt und den umliegenden Dörfern werden noch vermisst. So ist das noch in vielen Orten in Bosnien-Herzegowina. Um zu manifestieren, dass sie zurückgekommen ist, hat die muslimische Bevölkerung in Kozarac direkt elf Moscheen gebaut. Ein paar orthodoxe und katholische Kirchen existieren auch.

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